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Islamische Theologie : Ein fundamentaler Irrweg

Kein Bedarf an in Deutschland ausgebildeten Imamen: Ditib-Moschee in Stuttgart Bild: dpa

Die islamischen Dachverbände lassen die Beiratsgründung für die Islamische Theologie in Berlin absehbar scheitern. Warum hat man keine anderen Partner gewählt?

          Die Weigerung einiger Islam-Dachverbände, die „Vereinbarung“ über Rechte und Pflichten eines Beirats für ein künftiges Institut Islamische Theologie an der Humboldt-Universität Berlin (HU) zu unterschreiben, ist keine Überraschung. Sie entspricht vielmehr der Strategie der religionspolitischen Vereine, mit der sie regelmäßig versuchen, die Akademisierung der Islamischen Theologie in Deutschland zu torpedieren, zu stören oder über die Gebühr zu beeinflussen. Was nicht immer gelingt, aber immer noch viel zu oft. Das ist ärgerlich bis skandalös, zumal keiner der Verbände für sich beanspruchen kann, die Interessen deutscher Muslime insgesamt zu vertreten und ihre Geldquellen in großen Teilen ein beunruhigendes Rätsel bleiben. Zwar ist es noch nie gelungen, ihre Mitgliederzahl exakt zu ermitteln, aber unwidersprochen gilt: nicht mehr als ein Fünftel deutscher Muslime, und das ist sehr großzügig gerechnet, ist über Moscheegemeinden in den bekannten Dachverbänden, von denen einige vom Verfassungsschutz als bedenklich eingestuft werden, organisiert. Auch nicht in Berlin.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Trotzdem hat der Senat seine Vorschläge für den Beirat eines weiteren Islam-Institutes auf die seiner Ansicht nach fünf mitgliederstärksten Dachverbände (die aus der Türkei gesteuerte Ditib, die Islamische Föderation als Ausgründung der Milli Görüs, die Islamischen Kulturzentren, der Zentralrat der Muslime und der Schiitische Dachverband) beschränkt. Sie gelten alle als konservativ bis fundamentalistisch. Ein Antrag der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Vertreter des liberalen Islam einzuladen, scheiterte Ende März auch im Wissenschaftsausschuss. Wieder einmal ist so die innerislamische Debatte um einen Reformislam, die außerhalb der Dachverbände durchaus stattfindet, ausgeschlossen worden. Oder anders gesagt: Statt reformbereite Muslime zu schützen und zu stützen, werden sie von der Politik ignoriert.

          Vielleicht eine Art Idomeneo-Reflex – frei nach der Entscheidung einst, in vorauseilender Erregung eine Mozart-Oper in Berlin abzusetzen, weil sie Muslime beleidigen könnte. Nicht alle, aber jene Funktionäre, die gern und laut Diskriminierung rufen, waren es dann auch.

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          Schuldzuweisungen nach dem Scheitern

          Doch ohne die noch recht stille Gruppe liberaler Muslime wird eine aufgeklärte islamische Theologie und Religionspädagogik kaum möglich sein. Vor allem – wer wollte ihre Absolventen? Im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses war auf die Bedenken einiger Abgeordneter wieder das kontextfreie Argument zu hören, organisierte konservative Moscheegemeinden seien doch die Abnehmer akademisch ausgebildeter Religionslehrer und Imame. Ob das so sein wird, steht dahin. Denn warum sollten Gemeinden, die zum Teil vom Ausland finanziert werden, dereinst ihre Imame selbst bezahlen wollen? Auch gibt es erste Hinweise darauf, dass Moscheen Absolventen einer deutschen Universität als verwestet ablehnen.

          Bis zum vereinbarten Termin 1. April, nach einem Jahr endloser und nur selten konstruktiver Verhandlungen mit häufig wechselnden Verbandsfunktionären unklarer Sachkenntnis, unterschrieb außer dem Schiiten-Dachverband keiner den Vertrag mit der HU. Streitpunkt ist wie erwartet die sogenannte Exit-Klausel, die eine Evaluierung der Beiratsarbeit nach drei Jahren vorsieht. Trotzdem soll es noch in dieser Woche eine weitere Aussprache mit der Wissenschaftsverwaltung geben, wobei diese signalisiert hat, dass sie die neuerlichen „Änderungsvorschläge“ seitens der Verbände für nicht tragbar hält.

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