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In der Mensa essen Und woher bekomme ich jetzt mein Steak?

An deutschen Hochschulen wird das vegetarische Angebot ständig erweitert - sehr zum Ärger der Fleischliebhaber. Die erste Veggie-Mensa gibt es in Berlin. Sie hat enormen Zulauf.

© Röth, Frank Fleischfreier Hamburger auf der Veggie-World in Wiesbaden

Ganz schön leise hier, jedenfalls wenn man bedenkt, dass gerade mehr als hundert Studenten zu Mittag essen. Die Frankfurter Studierenden sitzen an runden Tischen, manche lesen nebenher, wenige reden. Die Zeit, als sich Studenten in der Bockenheimer Mensa mit Eintöpfen zufrieden geben mussten scheint sehr weit weg zu sein. Heute gleicht die Mensa mehr einem Restaurant als einer Massenabfertigung. Das Personal wird für den Umgang mit Gästen geschult, das Angebot ist gewachsen: Kohlroulade mit Klößen, Bratlinge mit Rotkohl oder vegetarische Lasagne stehen heute auf dem Speiseplan. Neben den täglich wechselnden Gerichten bieten Salatbuffet und Nudeltheke vertraute Möglichkeiten, satt zu werden.

Inmitten dieser in Orange gehaltenen Mensa sitzt Tatjana Borina und isst Bohnenkompositionen mit Tofu. Begeistert sieht sie nicht gerade aus. Die Studentin der Kunstgeschichte kennt die unzähligen Arten, wie Tofu gewürzt und zubereiten werden kann. „Tofu schmeckt immer anders“, sagt sie und meint damit, dass die Bockenheimer Köche noch mehr aus ihrem Tofu rausholen könnten. Seit zwei Jahren ist die Siebenundzwanzigjährige Vegetarierin: „Es waren gesundheitliche Beweggründe, um Völlegefühl entgegenzuwirken, aber auch medizinische, weil zu viel Antibiotikum in Fleisch gepumpt wird.“ Sie fischt ein mit Lauchstreifen umwickeltes Stück Tofu aus der Gemüsebrühe und beobachtet etwas angewidert die Männer am Nachbartisch, die sich ein viel zu großes Stück Schnitzel in den Mund schieben. Tatjana Borina ist nur eine von mehr als 1200 Menschen, die jede Woche in Frankfurts Zentralmensa vegetarisches Essen bestellen.

Zunehmende Nachfrage

Frankfurt verkauft schon seit zehn Jahren vegetarische Gerichte, doch die Pro-Argumente haben sich verändert. Damals war ein wichtiger Grund, dass Gemüse und Obst günstiger sind als Fleisch. Siegmar Gleim vom Studentenwerk sagt, dass man sich der moralischen Diskussion des 21. Jahrhunderts über Nachhaltigkeit und gesundes Essen natürlich nicht entziehen könne. Regionale Gemüselieferanten sollen unterstützt werden. Studentenwerke müssen ihren Gästen niedrige Preise garantieren, sodass die „Region“ einen Radius von bis zu 150 Kilometer fassen kann. Kochen für Vegetarier ist in Frankfurt mittlerweile ein wirtschaftlicher Aspekt: „Mit unserem Angebot reagieren wir auf zunehmende Nachfrage nach fleischlosen Gerichten.“

Ohne vegetarische Gerichte ginge Mensen eine Zielgruppe verloren. Jede Universität in Deutschland bietet mindestens ein vegetarisches Gericht pro Tag an. Vegetarisches Essen in Mensen ist kein Synonym für Nachtisch oder Salat, im Gegenteil: Auf den Speiseplänen, die in Hannover und Münster als App auf Smartphones gesendet werden, stehen diese Gerichte: „Pikante Möhrensuppe mit Ingwer und Orangen“, „Gemüseschnitzel mit Kartoffelpüree und Gurkensalat“ oder „Bulgur mit Zucchini und Tomaten“. In Erfurt haben sich Vegetarier zu einer Hochschulgruppe formiert, werben mit Handzetteln auf dem Campus und verfolgen unter dem Namen „Campusgrün“ das Ziel, weitere fleischlose Gerichte durchzusetzen. Die Technische Universität in Dresden eröffnete vor kurzem die „U-Boot-Mensa“. Die vom Bio-Siegel abgesegneten Produkte werden ausschließlich von Lieferanten aus Dresden oder Sachsen bezogen.

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