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Hochschulsekretärinnen : Die niemals ein Freisemester haben

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Die Ordnung der Dinge, Termine, Dienstreisen, Wiedervorlagen und Urlaubsgrüße: aus einem Frankfurter Universitätssekretariat Bild: Verena Specht-Ronique / F.A.Z.

Sie sind, heißt es, unsichtbar. Sie verdienen auch danach. Aber es kommt niemand an ihnen vorbei. Die Rede ist von Hochschulsekretärinnen. In Frankfurt wird ihnen derzeit eine Ausstellung gewidmet.

          Sie sind, heißt es, unsichtbar. Sie verdienen auch danach. Aber es kommt niemand an ihnen vorbei. Sie halten, heißt es, den Laden zusammen. Und sie bleiben, während die Lehrstuhlinhaber wechseln, sind also Teil des Organisationsgedächtnisses. Eine kleine Ausstellung im Foyer der Johann Wolfgang von Goethe-Universität widmet sich ihnen jetzt: den Hochschulsekretärinnen.

          Unter dem Titel „Die Sonstigen“, unter dem technische und Verwaltungsmitarbeiter von Hochschulen organisationsintern geführt werden, gibt sie als Ergebnis eines soziologischen Forschungsseminars auf mehr als einem Dutzend Plakaten Hinweise auf den Arbeitsalltag dieser zumeist weiblich ausgefüllten Berufsrolle. Sie ist mehr eine Gedankenanregung als eine ausführliche Darstellung dieses Berufs, aber dass sie nur ganze drei Tage dauern soll, ist trotzdem absurd.

          Ganze fünf Studenten haben sich für das Thema begeistern können

          Die Studenten jenes Seminars - ganze fünf haben sich für das Thema begeistern können, was dagegen spricht, dass alle Soziologiestudenten die Ergiebigkeit von Themen gut einschätzen können - haben eine Reihe von Interviews geführt und für die Ausstellung daraus signifikante Sätze gezogen. Sätze über Wertschätzung: wenn der Professor mitten im Gespräch, mitten im Satz davonläuft oder überhaupt noch niemals „Guten Morgen“ gesagt hat; oder wenn der Rollenwechsel vom Studenten zum Assistenten bei manchen auch einer zu mehr Hochnäsigkeit gegenüber Sekretärinnen ist. Oder Sätze über Wertschätzung, die sich in Bezahlung ausdrückt: Wie soll man in Frankfurt über die Runden kommen mit BAT 7? Sätze über den Wandel der Aufgaben: Früher dominierte Schreibarbeit, die Professoren tippten praktisch nie etwas selber; heute sorgt der PC dafür, dass die Schreibarbeit gleichzeitig ab- und zunimmt und Bildschirmstress entsteht.

          Und Sätze über andere Eigenheiten dieses Berufs: dass er praktisch keine Aufstiegschancen kennt; dass dafür lange wenigstens Jobsicherheit bestand, was die Stiftungsuniversität aber gerne ändern würde, weshalb es, hieß es während der Ausstellungseröffnung, immer noch keinen Tarifvertrag gibt.

          Was noch fehlt, ist eine Soziologie der Sekretariate, in der auch vorkäme, was Sekretärinnen an ihren Chefs alles beobachten können. Was im Übergang vom alten zum neuen Chef an Erfahrungen anfällt. Wie sich die Rolle der Professoren geändert hat. Wie unterschiedlich sie ausgefüllt wird. Und wie unterschiedlich diejenige der Sekretärin, mit welchen Mitteln also sie sich gegen die Zumutungen ihres Berufs wehrt. Stoff für ein größeres Seminar und für Forschung.

          Die „Sonstigen“. Foyer des IG-Farben-Hauses, Campus Westend, Frankfurt, bis zum 20. November.

          Quelle: kau./F.A.Z.

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