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Veröffentlicht: 11.01.2017, 14:36 Uhr

Hochschulpolitik Mehr Freiheit den Professoren!

Mächtige Präsidenten sollen die deutschen Universitäten zurück an die Weltspitze führen. Konkurrenzfähig werden sie aber erst, wenn sie den Professoren mehr Rechte geben. Ein Gastbeitrag.

von Axel Meyer
© dpa Ein Professor, 67 Studenten: das Betreuungsverhältnis ist einer der größten Schwachpunkte deutscher Hochschulen

Deutsche Universitäten sollen und wollen wieder besser werden. Deshalb wurde 2016 ein neuer Exzellenzwettbewerb ausgerufen. Das ist zu begrüßen, denn es ist noch nicht lange her, dass „Elite“ hierzulande ein verrufenes Konzept war. Die politische Vorgabe lautete über Jahrzehnte hinweg, dass alle gleich begabt, gleich ehrgeizig und gleich fleißig seien. Also sollten auch die Universitäten gleich sein. Wichtig ist der politische Vorstoß auch, weil Deutschland als Forschungs- und Industriestandort im internationalen Wettbewerb um die innovativsten Forscher steht. Da braucht es eine Handvoll international sichtbarer Universitäten, denn nur diese ziehen hochkarätige Forscher an. Seit die Nationalsozialisten die besten Forscher umgebracht oder in die angelsächsischen Länder vertrieben haben, hat Deutschland seinen Status als führende Wissenschaftsnation nicht wieder erreicht.

Deutschland ist diesem Ziel in den letzten Jahren zwar näher gekommen, aber die besten Studenten und Professoren ziehen weiter einen Abschluss von Harvard oder Oxford vor, besser noch von Berkeley oder Stanford, insbesondere wenn es um Technologie, Arbeitsplätze und Innovation geht. Nicht zufällig wurde das Silicon Valley zum Wallfahrtsort unserer Bildungspolitiker. Aber die amerikanischen Eliteuniversitäten lassen sich nicht einfach kopieren. Dafür sind ihre Strukturen und das gesellschaftliche Umfeld zu unterschiedlich. Es würde auch nicht funktionieren, Teile von ihnen herauszupicken.

Gestärkte Präsidialmacht - der Schlüssel zur Exzellenz?

Die neue Exzellenzstrategie sieht einen „Strategiezuschlag“ vor, der zur Stärkung der universitären Governance und zur Profilbildung beitragen soll. Zusätzliche Mittel für die Präsidenten, so die Hoffnung, sollen den Anschluss an die internationale Spitze beschleunigen. Es ist verständlich, dass der Blick der Manager zuerst auf die Verwaltungsstrukturen gerichtet ist. Auch von der Warte der Professoren aus sind effiziente Verwaltungen und entscheidungsfähige Präsidenten Voraussetzungen für den Erfolg ihrer Universität.

Wichtiger erscheint aber noch die Forschungsqualität der Professoren und deren Macht innerhalb der Universität. Bottom up funktioniert in der Wissenschaft besser als top down. Die von der Politik eingerichteten Forschungscluster haben beispielsweise eine nivellierende Tendenz. Erforscht wird nur, was zum Clusterkonzept passt, oder es wird entsprechend umtituliert. Ein Universitätspräsident sollte sich immer als Primus inter pares sehen und nicht als Chef, dem Forscher zu dienen haben. Sicher ist das Wunschdenken. Die Debatte über die Machtverteilung zwischen Verwaltung und Professoren tobt allerdings nicht nur hierzulande, sondern auch an den besten amerikanischen Universitäten. Die „All Administrative University“ ist zum geflügelten Wort geworden.

Elite bedeutet auch, dass nicht jeder dazugehören kann. Deshalb kann man sie auch nicht durch einen staatlich initiierten Wettbewerb von oben verordnen. Schon der ehemalige Präsident der Stanford University, der Deutsche Gerhard Casper, riet davon ab. Stanford entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg durch ganz andere Faktoren zu einer der führenden Universitäten der Welt: High-Tech-Gründungen von Professoren, Spenden und, besonders wichtig, den Standortvorteil in der San Francisco Bay Area. In den internationalen Rankings, so strittig sie sein mögen, rangieren deutsche Universitäten weiter im Mittelmaß. Was trägt zu diesen Rankings bei? Hauptsächlich die Anzahl von Publikationen in den besten wissenschaftlichen Zeitschriften und deren Zitationshäufigkeit. Daran wird insbesondere in den aufstrebenden asiatischen Ländern mit allen Mitteln, auch finanziellen Belohnungen für Forscher, gearbeitet. Nicht so in Deutschland.

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