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Hochschulen : Wie aus Massen Klassen werden

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Absolventen an der Universität Bonn Bild: dapd

Wenn fast alle studieren sollen, studiert am Ende keiner mehr. Universitäten werden zu Zertifikatagenturen für Studenten, die wieder zu Schülern werden.

          Es ist das erklärte Ziel der Hochschulpolitik, einen möglichst hohen Prozentsatz eines Jahrgangs zu einem Hochschulabschluss zu führen. Die politische Rhetorik, mit der diese Expansion begründet wird, ist eine Rekombination der immer gleichen Argumente: Der wirtschaftliche Erfolg eines Landes hänge davon ab, eine große Zahl von Hochqualifizierten auszubilden. Gleichzeitig komme es zu positiven Effekten für die politische Kultur eines Landes, weil mit der Hochschulbildung auch die Bereitschaft zum politischen Engagement steige. Und nicht zuletzt würde eine große Zahl von Hochschulabsolventen auch die Wissenschaft voranbringen, weil die Forschung auf einen großen Pool von hochqualifizierten Akademikern zurückgreifen könne. Die Bundesrepublik Deutschland soll, so die Vorstellung, zu einer „Akademiker-Gesellschaft“ werden.

          Während Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gerade einmal ein bis zwei Prozent der Abiturienten eines Jahrgangs an einer Hochschule studierten, stieg der Prozentsatz von Hochschulabsolventen in der Bundesrepublik schon während der Bildungsexpansion in den siebziger Jahren auf zwanzig Prozent an. Im Moment sieht es so aus, als könnten die bundesdeutschen Hochschulpolitiker sogar ihr selbstgesetztes Ziel erreichen, dass vierzig Prozent eines Jahrgangs ein Studium abschließen. Erste Stimmen gehen bereits davon aus, dass die Vorstellung der OECD, nach der über 75 Prozent eines Jahrgangs einen akademischen Abschluss haben sollten, kein reines Hirngespinst ist, sondern in absehbarer Zeit als politische Zielvorgabe für die Universitäten auftaucht.

          Aber wie sollen die Universitäten und Fachhochschulen dieses Ziel erreichen, wenn ihre finanziellen Mittel weitgehend gleich bleiben? Und welche Folgen haben derartige Vorgaben?

          Sinkende Ansprüche

          Ein Ansatzpunkt der Hochschulpolitik ist, die Universitäten und Fachhochschulen zu einer effizienteren Verwendung ihrer Mittel anzuhalten. Die deutschen Hochschulen sollen ihre Autonomie dazu nutzen, ihre Fachbereiche über Mittelvergabesysteme zu führen. Gelder werden von der Hochschulleitung nicht mehr jährlich nach einem vorher festgelegten Budget an die Fachbereiche verteilt, die Zuweisungen werden vielmehr von der Erfüllung von Leistungskriterien abhängig gemacht. Dabei wird die Mittelvergabe nicht nur an Forschungsindikatoren wie die Einwerbung von Drittmitteln, die Publikation von wissenschaftlichen Fachartikeln oder Forschungspreise gebunden, sondern zunehmend auch an Lehrindikatoren wie die Anzahl der in einem Studiengang prozessierten Studenten und ihrer Abschlussquote. Die Effekte dieser Mittelvergabesysteme sind bereits zu beobachten.

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