22.11.2007 · Was ist das Ranking von Hochschulen wert? Manchmal gar nichts. Die Schweizer Universität St. Gallen, eine der angesehnsten europäischen Hochschulen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, macht auf Kurioses aufmerksam.
Seit 2004 führt das "Times Higher Education Supplement" (THES) weltweite "Rankings" von Universitäten durch. Hierzulande werden die entsprechenden Tabellenplätze mitunter fast als Qualitätsbeweis und jedenfalls als Image-Faktoren gehandelt. Oder als Klagemotiv, etwa wenn, wie soeben, es erneut keine der deutschen Hochschulen unter die ersten fünfzig, wie üblich von Harvard, Oxford und Cambridge angeführten Plätze dieser Tabelle geschafft hat, sondern nur - oder: immerhin - neun unter die Plätze sechzig bis zweihundert.
Bemerkenswert ist darum, dass mit der Schweizer Universität St. Gallen eine der angesehnsten europäischen Hochschulen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften nun nach 2006 schon zum zweiten Mal erklärt hat, für das Ranking des THES keine Informationen zur Verfügung zu stellen. Es sei nicht nachzuvollziehen, heißt es in einer Erklärung der Universität, was ein Durchschnittswert aus Forschung, Lehre, Internationalität und "Reputation bei Arbeitgebern" zusammengenommen bedeute und wem dieser Wert etwas nütze. Man habe Zweifel, dass die Universität als Ganzes ein sinnvolles Rankingobjekt darstelle, umso mehr, als beim Vergleich nicht berücksichtigt wird, wie groß oder auf welche Fächer eine Hochschule ausgerichtet ist.
In dem von THES herausgegebenen Führer (Guide to the World's Top Universities, London 2006) ist die Universität St. Gallen, eigener Auskunft zufolge, übrigens unter der Rubrik "Schweden" verzeichnet, und zwar mit fachbereichsspezifischen Rankingergebnissen, obwohl sie hierzu gar keine Daten geliefert habe. Unter den Fächern "Life Sciences & Biomedicine" findet sie auf Platz 338 und in "Engineering & IT" auf Platz 463 - St. Gallen aber ist in keiner dieser Disziplinen tätig. Angesichts solcher Vorgehensweisen hat sich die Tabelle den Namen eines "Times Higher Desinformation Supplement" verdient. Für Studierwillige dürfte es nach wie vor klüger sein, bei der Studienortwahl etwas mehr als einen Blick in Literatur dieser Machart zu investieren.