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Google und die Wissenschaft Nach der Genomik nun die Kulturomik

Google als Forschungsförderer: Die Herren der Suchmaschine sind selbst auf der Suche nach Verfahren, die mehr Sinn aus ihren riesigen Datenwolken herauszulesen vermögen.

© AFP Vergrößern Mit einem weit ausgreifenden Interesse an Zeichenverarbeitung: Dieses von Kindern gestaltete Logo präsentierte der Konzern im Jahr 2011 in seiner Zentrale im kalifornischen Mountain View

An Gott glauben wir - von jedem anderen wollen wir Daten sehen!“ Als Ex-Google-Chef Eric Schmidt im vergangenen Jahr im Bostoner MIT diese Worte sprach, brachte er sein Publikum sogar dazu, ihm sein Credo nachzubeten. Dass allerdings aus der bloßen Anhäufung von Texten, Bildern, Zahlen noch kein Wissen und auch keine Dollars erwachsen, weiß man natürlich genau in einem Unternehmen, das seine Milliarden mit Suchmaschinen verdient, deren ausgetüftelte Algorithmen Inhalte möglichst zielgruppengenau mit Werbeeinblendungen verknüpfen.

Mehrere hundert Forscher - im Firmenjargon „Googler“ genannt - arbeiten im Auftrag des Unternehmens daran, die ideale, die weltumspannende Suchmaschine möglichst bald Wirklichkeit werden zu lassen: Sie soll nicht nur Begriffe, sondern auch komplizierteste Anfragen - mündlich oder schriftlich - in jeder beliebigen Sprache verstehen, sie in alle Sprachen der Welt übersetzen, daraufhin Milliarden von digital verfügbaren Texten, Bildern, Tonaufnahmen und Videos durchsuchen und dem Nutzer in kürzester Zeit eine präzise und umfassende Antwort auf den Bildschirm und in die Kopfhörer schicken - samt den passenden Anzeigen, versteht sich.

Ein weltweites Kontaktnetzwerk

Um diesem Ziel näher zu kommen, nutzen Google-Forscher in starkem Maße statistische Verfahren für die Sprachverarbeitung. Zum Beispiel bei der maschinellen Übersetzung: Statt dem Computer Wörterbücher und komplexe Grammatikregeln einzugeben, wird er mit großen Mengen bereits existierender Texte und deren Übersetzungen - von der Bibel bis zu UN-Dokumenten - gefüttert. Statistische Algorithmen ordnen die Wörter und Sätze aus Quell- und Zieltexten aufgrund von Häufigkeiten einander zu. Schritt für Schritt leitet das Programm daraus die zugrunde liegenden Sprachmuster und Übersetzungsprozeduren ab.

Voraussetzung für dieses maschinelle „learning by doing“ sind riesige maschinenlesbare Textmengen. Wer, wie Google, darüber verfügt, hält einen Schlüssel für die Internet-Zukunft in der Hand. Dabei setzt man im kalifornischen Mountain View nicht nur auf die eigenen Wissenschaftler. Der Konzern, der sich gern wie ein kreativer Campus präsentiert, wo nebenbei auch Geld verdient wird, kooperiert mit zahlreichen Universitäten und sucht den Austausch mit Informatikern und Kognitionswissenschaftlern weltweit. Ein wichtiges Instrument dafür ist die firmeneigene Forschungsförderung.

Ausgeweitete Forschungsförderung

Zu ihr gehören neben Stipendien vor allem Wissenschaftspreise, mit denen Google alljährlich zahlreiche Projekte auszeichnet. Der „Google Focused Research Award“ unterstützt längerfristige Forschungsvorhaben nicht nur mit Geld, sondern auch mit Expertise und technischen Ressourcen. Eine Chance hat allerdings nur, wer von Google aufgefordert wurde, seine Unterlagen einzureichen. Weniger exklusiv ist der zweimal jährlich ausgeschriebene „Google Faculty Research Award“, um den sich jeder Hochschulprofessor bewerben kann. Die bewilligten Summen liegen zwischen 10.000 und 150.000 Dollar. Im zweiten Halbjahr 2012 wurden 104 von 815 eingereichten Projekten ausgewählt und mit insgesamt sechs Millionen Dollar gefördert.

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