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Götz Alsmann als „Professor Bop“ Die Ukulele ist hier zweite Geige

08.02.2012 ·  Es ist Münsters heißeste universitäre Neuerwerbung: Götz Alsmann kehrt als „Professor Bop“ in seine Heimatstadt zurück - und rettet dort den Schlager.

Von Andreas Rossmann
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© dpa Münster über alles – so hält es Götz Alsmann auch außerhalb Westfalens. Der Mann ist also Patriot, kein Opportunist

Die Tolle wippt. Irgendwie scheint sie höher als sonst, doch vielleicht liegt das ja daran, dass wir sie bisher nur aus dem Fernsehen kannten. Wie auch immer, Götz Alsmann muss sich strecken. Denn so feudal wurde er noch nie empfangen, im Schloss zu Münster war bisher kein Zimmer für ihn frei, und auch die Sparte, in der er auftritt, ist neu: In der Aula, einem mit Barockanklängen ausgestatteten Saal des Wiederaufbaus, hält er seine Antrittsvorlesung. 2011 hatte die Westfälische Wilhelms-Universität, an der er 1985 promoviert wurde, den Jazzmusiker und Showmaster zum Honorarprofessor ernannt. Den Ehrentitel „Professor Bop“ trägt er schon fünfundzwanzig Jahre.

Als „historisches Ereignis“ kündigt Ursula Nelles, die Rektorin der Alma Mater, die Präsentation der „universitären Neuerwerbung“ an. Denn Alsmann ist der erste externe Honorarprofessor, den die Musikhochschule, seit 2004 Fachbereich 15 der Universität, berufen hat. Und dass er der Erste ist, der seine Lehrtätigkeit singend und spielend aufnehmen wird, weiß die Hausherrin auch schon. Zugleich ist es (wahrscheinlich) die erste Antrittsvorlesung, in der die Ukulele die zweite Geige spielt. Schließlich haben wir es, so Michael Keller, Dekan des FB 15, mit einer „multiplen Musikerpersönlichkeit“ zu tun.

Von amerikanischer Popmusik zum deutschen Unterhaltungslied

„Nichts als Krach. Die unabhängigen Schallplattenfirmen und die Entwicklung der amerikanischen populären Musik 1943-1963“ hieß das Thema von Alsmanns musikwissenschaftlicher Dissertation. Diesmal geht es weiter zurück: „Die ersten hundert Jahre des deutschen Unterhaltungsliedes“ folgt dem Schlager durch die Zeitläufte. Alsmann geht es um nichts Geringeres als darum, „die einzige musikalische Gattung, die an ihren schlechtesten Hervorbringungen gemessen wird“, gegen ihre Verächter und alle Vorurteile zu verteidigen. Der Entertainer kennt ihre Sternstunden und tritt zum Gegenbeweis an. Aber erst einmal, passend zur Witterung, eine Kostprobe: „Ich könnte mich am Nordpol nicht verlieben.“ Das ist, Jahrgang 1949, von Bully Buhlan, einem von Alsmanns Hausgöttern.

„Schlager ist eigentlich kein musikalischer Gattungsbegriff“, erklärt der Honorarprofessor und geht über die Geschichte des Wortes, das in den 1880er Jahren aufkam, zurück zu Jacques Offenbach. Mit dessen „Blödmann-Figur“ des Prinzen Paul aus der „Großherzogin von Gerolstein“ fühlt er sich, so bekennt er augenzwinkernd, wahlverwandt, die Couplets transportieren Zeitkritik und schärfen mit dem Entstehen der großstädtischen Kultur tagespolitische Spitzen. Nebenbei wird der Rhythmus des Csárdas als „bestgehütete Wurzel des Jazz“ enttarnt, im Sauseschritt von der goldenen in die silberne Operettenära übergelaufen und die kaum gebrochene Kontinuität während der NS-Zeit mit brauner Borniertheit und der Bereitschaft vieler Emigranten erklärt, unter Pseudonym aus dem Exil den Betrieb mit Liedern zu versorgen.

Die Tolle hat gehalten, die Vorlesung nicht alles

Klar, das sind, so Alsmann, keine Goethe-Texte und keine Beethoven-Klänge, doch die besten Schlager treffen ohne Peinlichkeit ins Herz. Nicht als Speerspitze, nicht als Nachhut, sondern als „ambitionierte Mitläufer“: Den Melodien bescheinigt er „höchstes Niveau“, bei den Texten ist er sich „nicht so sicher“. Der Niedergang erfolgt, so Alsmann, in den siebziger Jahren, als die Altmeister, die noch klassisch ausgebildet waren, abtreten und gescheiterte Beatmusiker den Schlager als zweite Karriere-Option besetzten. Doch nicht alles ist verloren: „Die Ära, von der man glaubte, sie würde nie wiederkommen, wird wieder gepflegt.“

Mehr als einen kursorischen Überblick, bespickt mit Anekdoten und Seitenblicken, bietet Alsmann nicht, und seine Nervosität verfliegt, sobald er nicht mehr hinterm Rednerpult, sondern hinter der Ukulele steht. Die Tolle hat gehalten, die Vorlesung nicht alles, was das Thema versprochen hatte.

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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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