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Veröffentlicht: 25.03.2011, 22:12 Uhr

Geschlechterdebatte Doppelstandards der Gleichstellung


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Folgerichtig widmet der Report dann dem Schicksal von Frauen in der Arbeitswelt einen eigenen Abschnitt. Dort finden sich viele Daten zur geschlechtsspezifischen Verteilung der Arbeitszeit oder zum Frauenanteil in Führungspositionen, während auf die Verteilung der Unfälle und Berufskrankheiten nur relativ kurz eingegangen wird. Der Tatbestand einer überproportionalen Betroffenheit der Männer ist für die sich um Geschlechtergleichheit sorgenden AutorInnen im Bericht offenbar nicht weiter von Belang.

Allenfalls statistisch ungerecht

Diese Beispiele zeigen, dass wir inzwischen ein ebenso beeindruckendes wie bedrückendes Maß einer verzerrten Realitätskonstruktion erreicht haben, das allmählich einer kollektiven Gehirnwäsche nahekommt. Empirische Beispiele, die offenbaren, wie mit zweierlei Maß gemessen wird, sind dabei nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die der logischen Inkonsistenz der Argumentation. Entweder man argumentiert wie die Generalanwältin Juliane Kokott vor dem Europäischen Gerichtshof und erklärt beobachtbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern als Scheinkorrelationen, denen ganz andere Dinge wie unterschiedliche Lebensstile oder andersartige individuelle Präferenzen zugrunde liegen. Dann kann man aber auch nicht mit der Forderung nach Frauenquoten aufwarten, die Gender zur zentralen Dimension sozialer Ungleichheit erklärt, die es immer und überall im Sinne der Herstellung einer Gleichverteilung zu berücksichtigen und zu eliminieren gilt.

Die Generalanwältin hat in ihrem Schlussantrag laut Pressemitteilung des Europäischen Gerichtshofs Nr. 93/10 vom 30. September 2010 argumentiert, „dass die in Frage stehende Ausnahmeregelung keine eindeutigen biologischen Unterschiede zwischen den Versicherten betreffe. Vielmehr beziehe sie sich auf Fälle, in denen sich unterschiedliche Versicherungsrisiken allenfalls statistisch mit dem Geschlecht in Verbindung bringen ließen. Jedoch spielten zahlreiche andere Faktoren eine wichtige Rolle für die Bewertung von Versicherungsrisiken. So sei vor allem die Lebenserwartung von Versicherten stark von wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten jedes Einzelnen beeinflusst, wie z.B. Art und Umfang der ausgeübten Berufstätigkeit, familiäres und soziales Umfeld, Ernährungsgewohnheiten, Konsum von Genussmitteln und/oder Drogen, Freizeitaktivitäten oder sportliche Betätigung.“

Weder logisch noch fair

Teilt man das Argument, dass geschlechtsspezifische Unterschiede soziale Konstrukte sind, denen in Wirklichkeit andere Faktoren zugrunde liegen, so gilt im Umkehrschluss auch, dass Quotenregelungen nicht haltbar sind, weil auch die Berufschancen - ähnlich wie die Versicherungsrisiken - von Lebensstilen und anderen Einflussfaktoren geprägt sind. In der Diktion der Generalanwältin hätte man dazu dann festzustellen: Unterschiedliche Berufserfolge lassen sich allenfalls statistisch mit dem Geschlecht in Verbindung bringen. Dabei spielen zahlreiche andere Faktoren eine wichtige Rolle. So ist der Berufserfolg stark von wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten jedes Einzelnen beeinflusst, wie zum Beispiel familiäres und soziales Umfeld, Ernährungsgewohnheiten, Konsum von Genussmitteln und/oder Drogen, Freizeitaktivitäten und Ähnliches.

Beide Argumentationslinien jedoch gleichzeitig zu verfolgen, um je nachdem, wer von der Ungleichheit stärker betroffen ist, die eine oder die andere zu verfechten, offenbart, dass man es entweder mit der Logik oder mit der Fairness nicht so genau nimmt. Zumindest sollten diejenigen, die das Geschlecht auch weiterhin als eine zentrale Dimension sozialer Ungleichheit darstellen wollen, allmählich auch die Ungleichheiten zu Ungunsten von Männern zur Kenntnis nehmen. Die Männer wären gut beraten, wenn sie den Universalismus als Wert weiterhin hochhielten, überdies aber eine Sensibilität für die Verwendung von Doppelstandards erkennen ließen und der mit harten Bandagen und doppelten Standards aufwartenden Interessenverfolgung engagierter entgegenträten.

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