http://www.faz.net/-gqz-78yam

Generationenkonflikt in den Kliniken : Frage als Erstes, was man für dich tun will

  • -Aktualisiert am

Ärzte? Ärzte sind nicht so wichtig, solange es Leute gibt, die sich mit Krankheiten auskennen: Thor, Jackie und die unglaubliche Zoey aus „Nurse Jackie“ Bild: Showtime Network

Das hätte es bei uns damals nicht gegeben! Chefärzte scheitern heute oft am Management der Generationen: Im Krankenhaus prallen Babyboomer und jüngere Ärzte mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten und Ansprüchen an den Beruf sehr unsanft aufeinander.

          Hamburg, Herbst 2012. Im Kongresszentrum hinter dem Bahnhof Dammtor tagen die deutschen Kinderärzte. In einem der größten Säle tritt ein Klinikdirektor, um die sechzig Jahre alt, ans Mikrofon und warnt vor dem Jahr 2020: „In der Pädiatrie werden zukünftig neunzig Prozent Frauen arbeiten.“ Mit einer starken Zunahme von Teilzeitarbeit sei zu rechnen. Und nicht nur das: „Die jungen Kollegen erwarten ja ein Rundum-sorglos-Paket“, fügt er mürrisch hinzu. Kinderbetreuung, vielfältige Arbeitszeitmodelle und anderes müsse man da zusammenschnüren, wolle man mithalten im Wettbewerb um Arbeitskräfte. Der nachfolgende Redner muss weitere Unannehmlichkeiten ankündigen: „Die junge Generation hat nicht mehr die Erwartung, fünfzehn Jahre an einem Arbeitsplatz zu bleiben“, erklärt er den Kollegen.

          Veranstaltungen wie die in Hamburg wiederholen sich inzwischen fast wöchentlich irgendwo in Deutschland auf einem Medizinerkongress. Die Generation Y - das sind je nach Definition die ab Anfang oder ab Mitte der achtziger Jahre Geborenen - beschäftigt Krankenhäuser und Fachgesellschaften aufgrund des ausgeprägten Ärztemangels intensiv. Besonders alarmiert sind die „frauenlastigen“ Fächer wie Pädiatrie oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Und überall dort, wo über die jungen, frisch approbierten Ärzte gesprochen wird, da ist einer nicht weit: Christian Schmidt, der medizinische Geschäftsführer der Kliniken der Stadt Köln. Nachdem er in den vergangenen zwei Jahren mehrere Studien zur Generation Y im Arztberuf veröffentlicht hat, ist er zum gefragten Experten für das Phänomen geworden. Doch Schmidt erweitert sein Thema nun und wendet sich einem anderen Schwerpunkt zu: Unter der Debatte über die anspruchsvollen 25- bis 30-Jährigen, die keine Workaholics sein wollen und Wert auf Freizeit und Familie legen, schwelen seiner Ansicht nach in den Krankenhäusern noch ganz andere Generationenkonflikte. Welche genau das sind, führt er in einer Publikation aus, die das „Deutsche Ärzteblatt“ am kommenden Freitag als Titelgeschichte veröffentlichen wird.

          Generation X gegen die Babyboomer

          Schmidt unterscheidet in seiner Studie im „Deutschen Ärzteblatt“ vier Generationen: die Wirtschaftswunderkinder (Geburtsjahrgänge 1945 bis 1955) die Babyboomer (1956 bis 1965), die Generation X (1966 bis 1985) und die Generation Y (ab 1986). Erstmals beleuchtet er auf der Basis einer Befragung auch die Konflikte von Mitarbeitern, die älter sind als die jüngste Generation im Krankenhaus. Zwischen den „Babyboomern“ und der direkt auf sie folgenden Generation X besteht offenbar ein besonderes Spannungsverhältnis. „Die Baby Boomer haben noch früh ihre Kinder bekommen, deshalb konnten sie nicht abends nach der Arbeit im Labor arbeiten oder am Wochenende auf Kongresse gehen“, sagt Schmidt. „Die Generation X hingegen bekommt ihre Kinder spät. In dieser Gruppe werden die gestandenen Oberärztinnen, die habilitiert sind, Mutter. Erst mit vierzig nehmen sie eine Auszeit.“

          Weitere Themen

          Emotionale Erbstücke Video-Seite öffnen

          Uhr, Gitarre, Gartenlaube : Emotionale Erbstücke

          Wir haben unsere Fotografen gebeten, nach Erbstücken zu suchen. Was Vätern ihren Kindern schenken, ist oft seit Generationen im Besitz der Familien. Schön? Hässlich? Kommt es darauf an? Natürlich nicht. Hier geht es um den ideellen Wert. Ein Blick in Schränke, Keller, Rumpelkammern und Garagen.

          Topmeldungen

          Auch Andrea Nahles hat in der deutschen Politik schon häufig Erfahrungen mit Sexismus gemacht.

          SPD-Fraktionschefin : Nahles: Viel Sexismus in der deutschen Politik

          Sexismus in der deutschen Politik? Überall, immer wieder, sagt Andrea Nahles und beschreibt typische Situationen. Zumindest in der SPD will die neue Fraktionschefin das nun ändern. Frauen sollten Männer mit ihren eigenen Waffen schlagen.
          Mitte September in München: Urteilsverkündung im Prozess gegen zwei mutmaßliche islamistische Kämpfer aus Syrien. 2017 leitete die Bundesanwaltschaft schon mehr als 900 Verfahren wegen Terrorismus ein.

          Bundesanwaltschaft : 2017 schon mehr als 900 Terror-Verfahren

          Die Zahl der Terrorismus-Verfahren in Deutschland nimmt deutlich zu. Das geht einem Bericht zufolge aus den aktuellen Zahlen der Bundesanwaltschaft hervor. Der rapide Anstieg stellt die Behörde vor große Probleme.

          Krise in Katalonien : Mit harter Hand gegen die Separatisten

          Die Zentralregierung greift härter als erwartet durch, aus Protest gehen hunderttausende Katalanen auf die Straße. Regionalpräsident Puigdemont bezeichnet Madrids Vorgehen gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens als „schlimmste Attacke“ gegen die Region seit der Franco-Diktatur.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.