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Veröffentlicht: 28.07.2013, 14:26 Uhr

Gastbeitrag: Einstein Stiftung in Gefahr Ein Ende mit Schrecken?

So wird die Forschungsförderung radikal in die Krise gekürzt: Warum die Auflösung der Berliner Einstein Stiftung ein fatales Signal wäre.

von Peter-André Alt
© picture alliance / Frank May Er sieht in den jüngsten Etatkürzungen eine existenzielle Bedrohung der Einstein Stiftung: der Präsident der Freien Universität Berlin Peter-André Alt

Es war nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick, als Jürgen Zöllner, damals Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, im Sommer 2007 den Berliner Hochschulen seinen Masterplan erläuterte. Das Herzstück des Konzepts bildete ein „International Forum of Advanced Studies“, das die exzellenten Forschungsbereiche versammeln und eine Art Super-Cluster mit eigenen Promotionskollegs bilden sollte. Dafür waren jährlich vierzig Millionen Euro aus dem Landeshaushalt vorgesehen - als Ergänzungsfinanzierung, wie es damals hieß. Die Universitäten nahmen das Vorhaben gleichwohl kritisch auf, weil sie fürchteten, fortan nur noch auf die Rolle höherer Ausbildungsstätten beschränkt zu werden.

Als Jürgen Zöllner Ende Oktober 2007 sein Projekt im Akademischen Senat der Freien Universität vorstellte, herrschte nervöse Stimmung. Die Freie Universität hatte wenige Tage zuvor den Exzellenzstatus errungen und fürchtete nun, man wolle sie in zwei Teile zerlegen: eine Normaluniversität und eine unter fremdem Dach organisierte Eliteabteilung. Die Humboldt-Universität wiederum befand sich in der schwierigen Lage, dass sie zwar auf eine Finanzierung ihres von den Exzellenz-Gutachtern abgelehnten Zukunftskonzepts durch die neue Institution hoffen, aber die strategische Abwehrlinie der Hochschulen nicht durchbrechen durfte. Zum schwierigen Start trug auch der problematische Titel des Vorhabens bei, den nicht der Senator, sondern die Berliner Presse geprägt hatte: „Super-Uni“. Das weckte bei manchen den Gedanken, hier sei eine heimliche Eliteuniversität geplant, in deren Schatten die durchaus erfolgreichen Hochschulen des Landes ein dürftiges Dasein hätten fristen müssen.

Das 40-Millionen-Versprechen

Der Beginn war in jeder Hinsicht holperig. Erst protestierten die Universitätspräsidenten, danach gab es Streit um die Rechtsform, schließlich legten sich das Abgeordnetenhaus und der Rechnungshof quer. Es dauerte zweieinhalb Jahre, bis die teils massiven Einwände überwunden waren. Das gelang auch deshalb, weil die neue Einrichtung in kluger Konzentration auf ein überschaubares Format begrenzt wurde. Von Auslagerung der Spitzenforschung und eigener Doktorandenförderung war keine Rede mehr.

Die 2009 gegründete „Einstein Stiftung“ repräsentierte eine gemeinnützige Einrichtung, in die bis zu vierzig Millionen Euro jährlich aus dem von Zöllner durchgesetzten Rahmenplan „Wissen schafft Berlins Zukunft“ fließen sollten. Der Förderzweck zielte auf Internationalisierung und nachhaltige Unterstützung wissenschaftlicher Spitzenprojekte. Eine wesentliche Aufgabe bestand darin, tragfähige Großvorhaben, deren reguläre Finanzierung ausgelaufen war, längerfristig abzusichern. Dazu wurde die Förderlinie der „Einstein-Zentren“ aufgelegt, die gemeinsame Projekte von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen stabilisieren sollte.

Der Prototyp dieses Programmbereichs geht gerade an den Start; es handelt sich um das „Einstein-Zentrum für Mathematik Berlin“, das drei gut etablierte Institutionen zusammenführt: das „Matheon“ als DFG-Forschungszentrum, die im Exzellenzwettbewerb geförderte „Berlin Mathematical School“ für die Doktorandenqualifizierung und das „Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik“. Bis 2017 erhält das neue „Einstein-Zentrum für Mathematik“ etwa acht Millionen Euro für seine Aktivitäten. Damit bietet das Programmformat mittelfristig Ausbaumöglichkeiten für gewachsene Strukturen, die von den Trägeruniversitäten nicht aus ihrem staatlichen Zuschuss abgesichert werden können.

Auch andere Projektlinien der Einstein Stiftung erwiesen ihren Nutzen für den Wissenschaftsstandort. Dazu zählen vor allem die Einstein-Professuren, die eine komplementäre Finanzierung kostspieliger Berufungen sichern, die Fellowship-Programme für internationale Gäste, die Junior Fellowships und die Zuschüsse für die Vorbereitung neuer Gemeinschaftsvorhaben. Mittlerweile fördert die Stiftung zweiunddreißig Forschungsvorhaben und Veranstaltungsformate, darunter achtzehn aus den Natur- und Lebenswissenschaften, zehn aus den Geistes- und vier aus den Sozialwissenschaften. Das Spektrum der Themen reicht von der Stammzelldifferenzierung über Stoffwechsel- und Gehirnforschung, Thermoelektrik und Katalyse bis zu Medizingeschichte und Spieltheorie. Das Auswahlverfahren leitet eine international besetzte wissenschaftliche Kommission; die Erfolgsquote ist niedriger als in manchen DFG-Förderlinien, was von strengen Qualitätsmaßstäben zeugt.

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