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Forschungsförderung : Technik der Umformung

DFG-Präsident Matthias Kleiner Bild: picture-alliance/ dpa

Der Präsident der DFG will sein Amt nicht für die Förderung eigener Projekte missbraucht haben. Warum muss er dann noch gleichzeitig Spurenverwischung betreiben?

          Sie haben da einen Fleck auf ihrer Hose, sagt einer. Eigentlich ist der Fleck schwer zu sehen. Man könnte es fast übergehen, vielleicht ist da gar nichts. Der Angesprochene sagt auch „Was für einen Fleck denn?“ und wechselt das Thema. Gleichzeitig reibt er dann aber auf der Stelle herum. Nicht, dass der Fleck dadurch schon existent würde. Aber irgendwie wird er dadurch auch nicht kleiner.

          Dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, ist vorgehalten worden, auch im Amt DFG-Mittel für seine Forschung erhalten zu haben (F.A.Z. vom 19. Oktober). Ein Vorwurf ist das, weil unklar ist, wie selber förderungsbedürftige Forscher in einem solchen Fall unabhängig urteilen können. „Wie finden Sie den Antrag des Präsidiumsmitglieds der Behörde, die über Ihre Anträge entscheidet?“ Wenn die TU Dortmund, an der Kleiner einen Lehrstuhl für Umformungstechnik bekleidet, sich hoher Drittmittelsummen ihrer Ingenieure rühmt - an Kleiners Institut allein laufen etwa zwei Dutzend von der DFG geförderte Projekte -, möchte sie ja auch nicht, dass jemand maulen kann, das verdanke sie vor allem dem Vize-Präsidenten (von 2005 bis 2006) Kleiner oder dem Präsidenten Kleiner (seit 2007).

          Forschung und Funktion im Konflikt

          Matthias Kleiner hat den Vorwurf, es werde bei der DFG zu wenig zwischen Forscherrolle und Funktionärsamt unterschieden, zurückgewiesen. Einer Pressemitteilung vom 19. Oktober, die auch andere Kritik an der DFG für „haltlos und absurd“ erklärt, fügte er hinzu: „Persönlich lege ich Wert auf die Feststellung, dass ich vor Amtsantritt sämtliche DFG-geförderten Projekte abgegeben und seitdem eine neue Forschungsförderung weder erhalten noch beantragt habe.“

          Das stimmt, was das Beantragen in der Zeit des Präsidentenamts angeht. Als Aussage über seine Jahre als Vizepräsident würde es nicht stimmen. Auch der Logistiker Bernd Scholz-Reiter (Bremen) beispielsweise, derzeit DFG-Vizepräsident, hat eine eindrucksvolle Anzahl von Forschungsprojekten in seiner Amtszeit gefördert bekommen. Die Förderung sei ihnen, vor allem aber ihren Mitarbeitern gegönnt. Man kann meinen, für nicht-hauptamtliche Funktionäre sei das in Ordnung. Die DFG weist darauf hin, dass einige ihrer Funktionsträger auch schon ablehnende Bescheide erhalten haben. Doch die Frage nach der Sicherung unabhängiger Begutachtung bleibt und ist gewiss nicht absurd.

          Seltsamer Datenschwund

          Was allerdings Matthias Kleiner angeht, so erhebt sich jetzt noch eine andere Frage. Denn bis vor ein paar Tagen gab die Datenbank GEPRIS (Geförderte Projekte Informationssystem) der DFG Auskunft über DFG-finanzierte Forschungen des Umformungsspezialisten aus Dortmund. So fielen in seine Amtszeit als Präsident die von ihm beantragten Studien zur „Erweiterung der Formgebungsgrenzen beim isothermen Umformen von Gamma-Titan-Aluminiden auf der Basis iterativer Kennwertermittlung“ (von 2003 bis 2009 gefördert) und die „Grundlagenuntersuchungen zur Prozessführung bei der wirkmedienbasierten Blechumformung“ (2000 bis 2008).

          Kleiner erklärt, er habe diese Projekte abgegeben, also ihre Leitung auf Mitantragssteller übertragen. Gut, wenn das so ist. Nur irritiert, dass dieselbe Datenbank, die am Wochenende noch dreizehn solcher DFG-Projekte enthielt, am Dienstagabend zu „Matthias Kleiner“ mitteilte: „Keine laufenden Projekte seit dem 1.1.2007“. Und am Mittwochmorgen - wir hatten der DFG eine email geschickt - stand dort bloß noch die Dortmunder Institutsadresse Kleiners. Nach einem Anruf bei der DFG war dann am Vormittag neuerlich „Keine laufenden Projekte“ zu lesen.

          Wie kommt das? Was ist hier los? Die DFG räumt ein, die Datenbank sei nicht perfekt gepflegt worden, die Übertragung interner Daten ins öffentlich zugängliche System lasse Informationslücken; solche zur Abgabe eines Projektes oder zu seiner Beendigung. Man befinde sich eben darum in einem „technischen Übergangsstadium“.

          Merkwürdige Korrelationen

          Reiner Zufall wohl, dass die Überarbeitung von GEPRIS just in dem Moment begann, als nach den Projekten des Präsidenten gefragt wurde. Merkwürdig allerdings, dass man die Überarbeitung offenbar nicht beim Buchstaben „A“ begonnen hat, sondern beim Präsidenten. (Ein anderer Kleiner, Frank-Jürgen, der ebenfalls Dortmunder Umformtechniker ist, weißt auch keine Projekte auf, was seinen Eintrag in der Datenbank genau so rätselhaft macht). Merkwürdig auch, dass die Überarbeitung mit Rückfragen korreliert.

          Was also ist das für ein Fleck, den man erst in Abrede stellt, um dann jedoch ein Dokumentationssystem so zu verändern, dass es Tatsachen nicht mehr mitteilt, die soeben noch galten? Gewiss, womöglich ist da gar kein Fleck. Darüber könnte man diskutieren, wenn Diskussion erwünscht wäre. Doch wieso reibt jemand so heftig auf seiner Hose herum? Jedenfalls nicht aus Klugheit.

          Quelle: F.A.Z.

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