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Exzellenzwettbewerb Lehre Auf dem Inditrack

28.10.2009 ·  Hochschulen prostituierten sich, wenn sie um Preise und Kunden konkurrieren, meint der Hochschullehrer Wolfgang Fach. Bei näherem Hinsehen handelt es sich da aber wohl, um im Bild zu bleiben, um einvernehmlichen Sex. Eine Entgegnung.

Von Frank Stäudner
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Hochschulen prostituierten sich, wenn sie um Preise und Kunden konkurrieren, schrieb Wolfgang Fach letzte Woche an dieser Stelle (Hochschulen im Wettbewerb: Mehr Ehre für die Leere). Als Beispiel diente ihm der soeben abgeschlossene Wettbewerb um neue Ideen für die Hochschullehre. Bei näherem Hinsehen handelt es sich da aber wohl, um im Bild zu bleiben, um einvernehmlichen Sex.

Ganz sicher war es jedenfalls kein Fall von Zwangsprostitution, der die Hälfte aller deutschen Hochschulen dazu brachte, beim Wettbewerb exzellente Lehre von Stifterverband und Kultusministerkonferenz mitzumachen. Die Teilnahme war freiwillig, das Nötigungspotential bleibt angesichts eines Preisgeldes von maximal einer Million Euro pro Hochschule überschaubar.

Manche Hochschule mag allerdings die Aussicht auf einen Reputationsgewinn angefeuert haben - das wäre Wasser auf Wolfgang Fachs Mühlen. Die Motive jedoch dürfen ruhig die Privatsache der Protagonisten bleiben, wenn die Konzepte etwas taugen. Ob also die Ideen der Sieger so einfach als „Huckepackreformen“ und „zweckfreie Selbstläufer“ (Fach) abgetan werden können, das ist die Frage.

Das Curriculum entschlacken

Man könne kaum jene ehren, die vom Neuen weniger haben, warnt Fach. Kann man eben doch, möchte man dem Leipziger Professor zurufen. Denn die Korrektur der beiden Hauptexzesse der Bologna-Reform - vollgestopfte Studienpläne und ein Übermaß an Prüfungen - nimmt in den prämierten Konzepten breiten Raum ein. Praktisch alle siegreichen Hochschulen, und beileibe nicht nur die, wollen das Curriculum entschlacken.

Gerade der von Wolfgang Fach verabscheute „Inditrack“ der siegreichen Universität Freiburg setzt hier Maßstäbe. Die Studenten sollen ein Jahr lang die Möglichkeit haben, abseits des Pflichtkanons interessante Dinge aller Art zu studieren. Anders als Wolfgang Fach meint, steht diese Chance allen Studenten offen. Das zusätzliche Freiburger Studienjahr schafft somit genau die Art von Freiraum, die nach der Meinung vieler Kritiker den Hochschulen mit der Bologna-Reform ausgetrieben wurde. Die Universität wird überdies die Studenten bei der Wahl der passenden Module unterstützen.

Diese Kombination aus Freiraum und Führung ist neu. In der alten Universität vor Beginn der Bologna-Reform konnte zwar jeder Student machen, was er wollte. Es war aber auch irgendwie egal, was er machte. Und wer scheiterte, war selber schuld. Überlange Studienzeiten und hohe Abbrecherquoten waren jedenfalls kein Problem der Universität oder der Professoren, denn sie waren ebender Preis der akademischen Freiheit.

Das Umdenken hat begonnen

Zu hoch ist die Zahl der Studienabbrecher immer noch. Neu aber ist, dass die Institution und ihre Lehrenden es als Pflicht begreifen, sich um die Lernenden mehr zu kümmern. Das Umdenken hat begonnen. Doch wie den Prozess befördern? Etwa durch Zwang? Damit wären wir beim - Wolfgang Fach erkennbar verhassten - „Controlling“. Bezeichnenderweise konnten sich aber gerade die technokratischen Ansätze im Lehrwettbewerb nicht durchsetzen, die die Lehre zu einem Gegenstand für das Qualitätsmanagement machen wollen.

Stattdessen setzen die erfolgreichen Hochschulen auf Anreize, um den Austausch unter den Dozenten und mit den Studenten darüber anzukurbeln, was eine gute Lehrveranstaltung ausmacht. Die Hochschulen wollen für Lehrende wie für Lernende Freiräume schaffen, die mit entsprechenden Anreizen für eine kritische Reflektion über hergebrachte Unterrichtsinhalte und -formen genutzt werden können.

„Einige der interessantesten und mutigsten Vorschläge in diesem Wettbewerb tragen der Tatsache Rechnung, dass eine der kostbarsten Ressourcen in der Verbesserung der Hochschullehre Zeit ist“, sagte dazu der emeritierte Stanford-Professor Hans N. Weiler am Ende der Juryberatungen.

Man könnte also noch lange darüber nachsinnen, ob ein bei Berufungen vorzulegendes Lehrportfolio oder eine gewichtigere Rolle von Studierenden in Berufungsverfahren einschließlich von Besuchen an den Herkunftsuniversitäten der Kandidaten wirklich nur jene „gutgeölten Nichtigkeiten“ (Fach) sind, die ein Wettbewerb hervorkitzelt.

Der Autor war Gast in der Jury des Wettbewerbs. Er leitet im Stifterverband die Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Quelle: F.A.Z.
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