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Exzellenzuniversitäten : Das sind doch nur Spitzenintellektuelle

„Die Wahrheit wird euch frei machen“ prangt in goldenen Lettern an der Fassade des Kollegiengebäudes der Universität Freiburg. Diese verlor 2012 ihren Elite-Status Bild: dpa

Was hat man getan, wenn einem bescheinigt wird, nicht mehr exzellent zu sein? Womöglich war man zu elitär und forschte irrtümlich disziplinär.

          Vor einem Jahr hatten die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat beschlossen, die Universität Freiburg nicht weiter im Kreis der „Exzellenzuniversitäten“ zu belassen. Das Zukunftskonzept der Universität, das im Jahr 2007 noch belobigt worden war, leuchtete nun nicht mehr ein. Auf einer kleinen Tagung zur Lage der Geisteswissenschaften an den Universitäten berichtete Ulrich Herbert jetzt von den Begründungen, die dem Wissenschaftsrat und der DFG dafür eingefallen waren.

          Im Zentrum jenes Freiburger Konzepts stand die Einrichtung des „Freiburg Institute for Advanced Studies“ (FRIAS). Es besteht bis Ende Juli dieses Jahres aus vier „Schools“, für Geschichte, Sprach- und Literaturwissenschaften, die Erforschung weicher Materien sowie Lebenswissenschaften. An sie lud man Spitzenforscher ein, damit sie über einen längeren Zeitraum hinweg und womöglich gemeinsam das hervorbringen können, was von ihnen erwartet wird: Erkenntnisgewinn.

          Kopf: ich gewinne. Zahl: du verlierst

          Wozu es dafür eigene Institute braucht? Die Gründe sind vielfältig. Weil Muße im Wissenschaftssystem nicht gleich verteilt ist. Weil man den Universitäten inzwischen vielerorts, nicht nur in Deutschland, die Aufgaben von Fachhochschulen zumutet. Weil die Hochschulpolitik am liebsten immer mehr Studierende an die Universitäten bringen möchte, dafür aber nicht das Lehrpersonal zur Verfügung stellt. Weil sie zugleich die Forscher verstärkt in Verfahren der Projektmittelbeantragung jagt, die oft gar nicht ihrer Forschung, sondern nur ihrem Renommee dienen und vor allem Zeit fressen. Weil man Zeit an Advanced-Studies-Instituten zurückbekommt. Und weil unverhoffte Begegnungen oft weiter führen als E-Mails unter Bekannten, ohne dass man immer zuvor schon wüsste, wohin sie führen.

          Das alles leuchtete, wie gesagt, erst ein, dann nicht mehr. Und warum nun also nicht? Das konnte Ulrich Herbert als Betroffener - er war Direktor der „School of History“ - natürlich nicht sine ira et studio diskutieren. Aber selbst wenn man in Rechnung stellt, dass sein Bericht auch der Verteidigung des aus seiner Sicht ganz unverdient beendeten Instituts diente, war er informativ: weil er Einblicke in den Stil der Hochschulpolitik in diesem Land gab. Manchmal genügt dafür ein Satz, denn an ihren Phrasen sollst du sie erkennen.

          Exzellenzcluster als Max-Planck-Varianten

          Da hieß es beispielsweise, das FRIAS sei zu elitär. Tatsächlich kamen in der letzten Auswahlrunde allein an der „School of History“ auf sechzehn Fellow-Stipendien zweihundert Bewerbungen. Dass in einem Exzellenzwettbewerb „elitär“ als K.-o.-Vokabel dafür herhalten kann, ist bemerkenswert. Das Begründungsschreiben des Wissenschaftsrates, unterzeichnet von dessen Vorsitzendem, Wolfgang Marquardt, würdigte im Übrigen die Forschungsleistungen des FRIAS nur pauschal, so als ob es zur Beurteilung eines Forschungsinstitutes Wichtigeres gäbe als seine Leistungsfähigkeit.

          Dafür hatte der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, Thomas May, einen wichtigen Einwand: Die „School of History“ sei kein Universitätsinstitut, sondern eine Ansammlung von Spitzenintellektuellen. Fürwahr, dann ging das so natürlich nicht weiter! (Ob die analoge Formulierung wohl wäre, dass der Wissenschaftsrat eine „Ansammlung“ von Spitzenfunktionären ist, die über Forscher Urteile fällen, deren Bücher sie, rein aus Zeitgründen, nicht lesen?).

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