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Exzellenzuniversitäten Das sind doch nur Spitzenintellektuelle

 ·  Was hat man getan, wenn einem bescheinigt wird, nicht mehr exzellent zu sein? Womöglich war man zu elitär und forschte irrtümlich disziplinär.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (16)
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Karl Rotte

Das Geld ist begrenzt und der Anträge zu viele

Mit Wissenschaft, wie man sich diese außerhalb des Wissenschaftsbetriebs vorstellt, hat das deutsche Hochschulwesen wenig zu tun. Es gibt Geld aus verschiedenen Töpfen, also muß man die Anträge jeweils zielgerecht umformulieren - beispielsweise, indem man auf jeder Seite fünfmal "Nano" einflicht oder Kooperationspartner aus Habenichts-Ländern der EU einbaut. Profs. haben üblicherweise ein oder zwei Ideen, wenn sie berufen werden. Die müssen bis zur Pensionierung reichen; das ewige Suchen nach noch einem Fördertopf hält sie nämlich ganz gewaltig von der Wissenschaft ab. Dieser Exzellenz-Schmumpf wurde geschaffen, um mehr Studenten aus dem Ausland anzulocken. Die einheimischen Studiosi wissen, welches Diplom mehr wert ist. Bei den Begründungen der Exzellenz-Verteilung wird man das Gefühl nicht los, daß sie nach dem Urteil gesucht wurden. Viel Mühe und Schauspielerei ließe sich sparen, wenn man den Wettbewerb durch Armdrücken oder freihändiges Kreiszeichnen entscheiden würde.

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Friedrich Werthofer

Explosion der Produktion - Implosion der Inhalte

ist eine Diagnose, die ja letztlich nichts anderes als Resultat einer politisch gewollten obgleich halsbrecherischen Ökonomisierung des Geisteslebens ist. Die oft selbstgewählte Auflösung der Disziplinen mit dem Argument des Kompetenzzuwachses führt in SFBs, Clustern, Netzwerken, hunderten von angelsächselnden Drittmittelkolloquien zu kunterbunten Excellenzthemen des pseudowissenschaftlichen Boulevards just zu dieser Zerstäubung von Kompetenzen. Hauptsache die sog. Forschungsmilliarden bleiben in Umlauf, eingespeist von unproduktiven Agenturen Excel-kundiger Verwaltungs- und Evaluierungsorganisationen. Aber schnell und nie länger als 3 Jahre. Form und Programme determiniert den beliebigen Inhalt, den niemand mehr lesen will. Wozu Wissenschaft? Vom Geist zu schweigen. Würstchenbuden im Fünfsternegewand machen auch satt, zumindest bis morgen. Blogs statt Bücher, das macht kaum noch Unterschied.

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Andreas Noreikat

Sehr geehrter Herr Zuehlke,

a) daß die Zahl der Professuren (etc.) abgenommen hätte, ist mir neu,
b) ab 2005 hatten wir den großen Generationswechsel an den (west)deutschen Hochschulen; die Karriereaussichten für den akademischen Nachwuchs waren so gut wie nicht mehr seit Beginn der 70iger,
c) "dass die Studentenzahlen stark ansteigen": Herr, die Not ist groß, die ich rief die Geister, werd´ ich nun nicht mehr los. Das politische Programm, >60% eines Schülerjahrganges die Hochschulreife zu attestieren, ist doch mitgetragen worden. Die deutschen Hochschulen wären bereit, selbst Analphabeten zu "inkludieren", wenn man ihnen noch ein paar zusätzliche Pöstchen verspräche.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.07.2013 21:07 Uhr
Rainer Zuehlke

Sehr geehrter Herr Noreikat

1) der Mittelbau hat massiv Stellen verloren. Die Entwicklung der Professorenstellen mag auch vom Fach abhängen. Einzelne Naturwissenschaften haben zwischen Ende der 1990er und heute ca. 1/4 ihrer Professuren verloren. Vielleicht beziehen Sie ja W2 halbe "Professuren" auf 3 Jahre mit ein, die etliche Universitäten seit einigen Jahren ausschreiben.

2) Die Karreieraussichten ergeben sich aus 1). Warum können sich Universitäten z.B. leisten, solche "Professuren" auszuschreiben, immer mehr Veranstaltungen an schlecht bezahlte externe Lehrbeauftragte zu geben, signifikant niedriger zu entlohnen als in den Nachbarländern etc. ? Das ist die Folge eines immer stärkeren Angebotsmaktes, des Verhältnisses qualifizierte Bewerber zu verfügbare Stellen. Der Generationswechsel wurde gerne zum Stellenabbau genutzt.

3) hier verwechseln Sie "freiwillig" mit "gezwungenermassen".

Jeder mag aus der Lage des deutschen Hochschulsystems seine individuellen Konsequenzen ziehen.

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Hermann Brandt

Fahrenheit 451

In Ray Bradburys Roman "Fahrenheit 451" (in dem es darum geht, dass Bücher verboten sind und von Feuerwehrleuten aufgespürt und verbrannt werden) ist eine der eindrücklichsten Szenen die Selbstanklage eines ehemaligen Literaturprofessors: Er habe - sinngemäß, die genaue Argumentation sei allen Lesern zur eigenen Lektüre empfohlen - die Entwicklung weg vom Geist hin zur geistlosen Unterhaltung nicht ernst genug genommen und dadurch befördert. In meiner Tätigkeit als Literaturwissenschaftler an der Universität musste ich von Semester zu Semester immer öfter an diese Passage denken. Zumal die Vernachlässigung der Studenten (auch durch zu niedrige Anforderungen, vom Mangel an ernsthafter wissenschaftlicher Schulung gar nicht zu reden) halte ich für fatal. Vor zwei Jahren habe ich die Konsequenzen gezogen - seitdem arbeite ich freiberuflich und habe es noch keinen Tag bereut.

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Richard Löwe

exzellente Analyse

die planwirtschaftliche Exzellensierung ist in Teilen einfach nur peinlich. Die Universität Bremen hat ein Exzellencluster. Warum? Weil Bremen Geld braucht, um die schon wieder vor der pleite stehende Jacobs University zu retten. Sozialisten werfen einfach immer Geld weg. Geld gibts ja umsonst vom Steuerzahler.

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Rainer Zuehlke

Nur von Professoren .. ?

Zitat "Die Universität ist eine von vielen Professoren aufgegebene Zone": Nicht nur von vielen Professoren, sondern seit Beginn der 2000er Jahre auch von vielen im wissenschaftlichen Nachwuchs.

Seine Angehörige habe die Irrungen des Hochschulsystems direkt erfahren. Zudem konnten sie beobachten, womit sich ihre damaligen Chefs, in der Regel Institusdirektoren (C4), im universitären Alltag herumschlagen mussten.

"Research is what I'm doing, when I do not know what to do"). Also aufgrund von Überlastung durch Lehre, Administration, aufreibenden Kämpfen mit Universitätsverwaltungen nur noch spätabends oder am Wochenende. Die Familie lässt grüssen.

Hinzu war absehbar, dass die Studentenzahlen stark ansteigen, die Zahl der festen Stellen, die Gehälter und die universitäre Grundfinanzierung abnehmen würden.

Viele im wissenschaftlichen Nachwuchs haben ihr eigentliches Berufs- und Karriereziel als nicht mehr wirklich erstrebenswert angesehen und sich beruflich umorientiert.

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Ottfried Meyer
Ottfried Meyer (Gladium) - 04.07.2013 15:46 Uhr

FÜR mehr FREIHEIT und ein MEHR an WETTBEWERB am Hochschulmarkt.

Das Deutsche Hochschulwesen ist seit Jahrzehnten in der Krise. Es steckt immer noch in der sozialistischen Vergewaltigung und Verstaatlichung, in die es von den Alt-68ern gepresst wurde. Dabei bietet der Deutsche Hochschulmarkt ungeahnte Möglichkeiten. Wir brauchen ein MEHR an WETTBEWERB am Hochschulmarkt.
Es kann nicht angehen, daß es immer noch ein quasi Staatsmonopol auf universitäre Bildung und Forschung gibt. Gegen Universitäten, die immer noch ein kostenloses Studium anbieten, sind Private Hochschulen chancenlos. Diese müssen aber Geld verdienen. Durch Studiengebühren. Wir werden nicht darumherum kommen, Allgemeine Mindeststudiengebühren von 10.000 Euro pro Semester einzuführen und dies im Grundgesetz festzuschreiben.
Ebenso gehört der Beamtenstatus von Professoren abgeschafft. Professoren müssen nach LEISTUNG bezahlt werden. Außerdem muß ENGLISCH als ausschließlich an den Universitäten zu verwendende Wissenschaftssprache im Grundgesetz festgeschrieben werden.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 09.07.2013 12:37 Uhr
Rainer Egold

???? - Erfahrungen - empirische Daten?

Auf welche Erfahrungen bzw. empirische Daten stützen Sie Ihre Aussagen? Was genau meinen Sie mit Vergewaltigung? Wer wird vergewaltigt von wem? Und was meinen Sie mit Wettbewerb, Bezahlung nach Leistung? Usw. usw.
Englisch als Amtssprache an Universitäten einzuführen ist wirklich Unsinn - warum wohl????
Überhaupt: Im Universitätsbereich sind sie wohl kaum tätig und an einer privaten Hochschule ebenso wenig.
Ihr Beitrag geht an dem Artikel und seiner berechtigten Kritik meilenweit vorbei. Bologna, Benchmarking usw. hat mit "Sozialismus" und 68 nicht das geringste zu tun - im Gegenteil!

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Nikolaus Neininger

Teilweise Zustimmung

Aber für einen Wettbewerb am Hochschulmarkt ist es notwendig, sich wesentlich mehr mit Rahmenbedingungen und Maßstäben zu beschäftigen, als dies bislang erfolgt ist.
Was zB heißt "Leistung" bei einem Professor? (Derzeit oft die Zahl der Projekte und der Umfang der Drittmittel).
Wieso Mindeststudiengebühren in dieser Höhe? Wenn die privaten so viel besser wären, wie sie teurer sind, wäre das doch kein Problem. Jetzt sind aber zB in Schweinfurt in einer privaten FO-Schule alle(!) Absolventen durch die Abschlußprüfung gefallen.
Englisch als *ausschließlich* zu verwendende Wissenschaftssprache ist Unfug (und ich meine damit nicht zB das Fach Germanistik, wo es ohnehin absurd wäre). Einen fremdsprachlich publizierten Sachverhalt in der Muttersprache wiederzugeben und zu diskutieren fördert das Verständnis wesentlich mehr als das Nachplappern halbverdauter Schlagwörter und Floskeln.

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Closed via SSO

Ein sehr gute Beschreibung der Missstände

Sozialistische Politik und die desaströse Bologna-Gleichschaltungsinitiative haben den Wissenschaftsstandort in Deutschland schon stark in Mitleidenschaft gezogen.
Die Exzellenzinitiative ist nur ein weiterer Versuch, den Intellekt vollständig unter die Kontrolle von Politik und Ökonomie zu bringen.
Was für ein trauriges Unterfangen. Heidegger, z.B., hätte sicherlich nicht den Anforderungen allglatter Bologna-Wissenschaftler und politisch korrekter Gleichheitsfanatiker genügt und mit ihm hätte Freiburg sowieso keine Chance gehabt.

Doch an Innovationskraft und historischer Relevanz wirft er einen solchen Schatten auf die vielschreibenden Sprechblasenrhetoriker, dass sie nicht nur völlig im Dunkeln stehen, sondern auch ob ihrer verschwindend kleinen Größe eigentlich als nicht-existent erachtet werden müssten.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 09.07.2013 12:47 Uhr
Rainer Egold

Sozialischtische Politik?

Was meinen Sie damit? Gibt es nicht gerade in kapitalistischen Systemen eine enorme Kraft der Gleichschaltung? Nichts weiter ist der Bologna-Prozess!
Heidegger ist wohl kaum geeignet als potentieller Widerstandskämpfer im heutigen bildungspolitischen Sumpf angeführt zu werden, da fallen mir andere ein. Aber: Wie soll sich denn ein Hochschullehrer und wissenschaftlicher Nachwuchs verhalten, wenn er es nicht vorzieht zu emigrieren? Die Universitäten als Stätten der Forschung sind doch längsten abgeschafft, werden behindert durch Politik und Wirtschaft - ein weiterer Verlust an Freiheit in unserer Gesellschaft als Folge freiheitsfeindlicher neoliberaler Politik, die eine Gleichschaltung intendiert durch "einheitliche Maßstäbe".

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Andreas Noreikat

Wenn Du geredet hättest, Desdemona

Jeder weiß, warum FU und Konstanz zu Eliteuniversitäten "gemacht" worden sind. Das haben die Damen und Herren aus dem akademischen Betrieb mitgetragen. Auch in Göttingen, Freiburg und Karlsruhe hat man lieber auf den herniedergehenden Geldsegen geblickt, als den Mund aufzumachen. Nun liebt man zwar den Verrat aber nicht den Verräter und hat ihnen den Status (und den Zaster) wieder weggenommen: Als stiller Beobachter kann man nicht umhin, denn Sinn für Humor unter den Wissenschaftspolitikern zu loben. Dann allerdings auf Seiten der betroffenen Universitäten auch noch ernsthaft(?) über Begründungen von Wissenschaftsrat und DFG nachzudenken oder gar zu diskutieren, bedeutet, auch noch vom Kakao zu trinken.

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Uwe Borg
Uwe Borg (Borgward) - 04.07.2013 15:13 Uhr

Shanghai Ranking

Was soll diese esoterische Beurteilung von Forschungs- und Lehrplänen? Entscheident ist was raus kommt. So sieht das offenbar auch der akademische Nachwuchs der Welt, der sich am Shanghai Ranking und einer Handvoll verwandter Listen orientiert. Diese stimmen auch weitgehend überein. Auch darin, dass in Deutschland in der Spitze durchaus noch Raum für Verbesserungen ist. Es sei denn man gibt sich damit ab, dass unter den besten 50 der Welt keine deutsche sein soll.

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Klaus Letis

Schmunzel....

Die Exzellenzuniversitäten haben sich nicht unbedingt im Wettbewerb und nach leistung herrasukristalisiert.

Sie sind auch Produkte des deutschen Fö(r)deralismus und deren (lokal) Proporz.

Es rächt sich, dass es in Deutschland keinen Wettbewerb im Bildungsbereich gibt,
weil sich die wirklichen Leistungsträger in Ländern einer politischen Ausrichtung befinden.

Es fehlt auch eine Kultur der privat organisierten Excelenz-Universitäten, wie in den angelsächsischen Ländern.

Aber dafür nehmen wir jeden mit. Auch die SPD und Grün regierten Länder mit den Länderfinanzausgleich.

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Michael Meier
Michael Meier (never1) - 04.07.2013 14:25 Uhr

Akademische Freiheit....

... ist es, im nächsten Jahr nicht zu wissen, an wen man seinen Drittmittelantrag schicken soll.

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04.07.2013, 09:49 Uhr

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