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Professorenkritik : Die Mitsprache beim Sprechverbot

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Bilden sie noch eine Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden? Studenten an der Universität Köln. Bild: dpa

Wo Studenten ihre Dozenten denunzieren, weil diese ihnen das Denken nahebringen, stößt Aufklärung an ihre Grenzen. Das Evaluationssystem der Universitäten begünstigt die anonyme Professorenkritik.

          Die gegenwärtige Universität als „Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden“, wie die geschlechterpolitisch reformierte Variante der Formel von der Universitas magistrorum et scholarium lautet, begreift sich als kommunikatives Kreislaufsystem, an dessen Optimierung alle Beteiligten mitarbeiten. Wie in Parodie auf Niklas Luhmanns Systemtheorie hat sich jeder als Bestandteil eines Netzwerks zu verstehen, in dem jedes Wort und jede Tat vom Ganzen induziert wird und aufs Ganze zurückwirkt.

          Das kybernetische Vokabular, mit dem die Angehörigen der Institution ihre Arbeit beschreiben – von „Modularisierung“ über „Impulsreferat“ bis zu „Input“ und „Feedback“ –, ist Ausdruck dieses Selbstverständnisses. Das klingt auch in der Beschreibung des Arbeitsfeldes Evaluation in den Richtlinien zur Qualitätssicherung und -entwicklung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) an, worin es heißt: „Durch die interne und externe Evaluation soll die Qualität von Lehre, Studium und Forschung gesichtet und verbessert werden. Hierbei kann Evaluation sowohl summativ zur Bewertung von Ergebnissen als auch formativ zur Begleitung und Beratung eingesetzt werden.“

          Lernende als mündige Konsumenten

          Während die „externe Evaluation“ von „Peers“ vorgenommen wird, die „abhängig von den Zielen des Evaluationsverfahrens Lehre, Studium und/oder Forschung auf der Basis des Selbstreports und einer ein- bis zweitägigen Vor-Ort-Begehung“ begutachten, ist die „interne Evaluation“ eine „systematische Bestandsaufnahme durch die Fächer/Fachbereiche“, in der „die zukünftige strategische Ausrichtung (das Profil) geklärt“ werden soll. Da zu den Fächern und Fachbereichen Dozenten und Studenten gehören, zählt zur „internen Evaluation“ die Bewertung der Lehrenden durch die Lernenden mittels anonymisierter Fragebogen. Obwohl es von den Beteiligten selten offen eingestanden wird, kommt darin ein neues Verständnis von der Beziehung zwischen Studenten und Dozenten zum Ausdruck.

          Studenten an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel: Wie sie wohl ihren Dozenten bewerten?
          Studenten an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel: Wie sie wohl ihren Dozenten bewerten? : Bild: dpa

          Letztere haben fortan weniger die Aufgabe, die Leistungen der Studenten im Hinblick auf ihre Eignung für eine akademische Laufbahn zu beurteilen, als die Kommunikation zwischen sich selbst und den Studenten mittels eines flexiblen Notenrankings zu verbessern. Erstere wiederum werden weniger als Lernende denn als mündige Konsumenten wahrgenommen, die das ihnen offerierte Lehrangebot ebenso kompetent bewerten können wie die Lehrenden das Angebot an Nachwuchs.

          Der Kampf um die Diskursherrschaft

          Die Implementierung des Konkurrenzprinzips in den Lehrbetrieb wäre begrüßenswert, wenn sie der Formierung von Cliquen entgegenarbeiten würde, zu der das akademische Milieu schon immer neigte, gerade weil die Bildung geistiger Schulen notwendig ist, um es lebendig zu erhalten. Das Mobbing studentischer Gruppen gegen politisch oder auch nur habituell unliebsame Professoren, das in den vergangenen Monaten an der Berliner Humboldt-Universität (HU) für Aufsehen gesorgt hat, deutet aber darauf hin, dass die administrativ verordnete Basisdemokratie die Cliquenbildung sogar befördert. Die von Studenten vorwiegend anonym mittels Blogs betriebene Diffamierung des HU-Politikwissenschaftlers Herfried Münkler und seiner Kollegen, des Soziologen Michael Makropoulos und des Historikers Jörg Baberowski, haben drei Gemeinsamkeiten.

          Zum einen richten sie sich gegen Geistes- und Sozialwissenschaftler. Das ist nicht selbstverständlich, ist in der Zeit der Studenten- und Friedensbewegung doch nicht selten den Natur- und Technikwissenschaften ihre Beteiligung an Kriegs- oder Rüstungsforschung vorgeworfen worden. Mit solchen Protesten, deren pragmatischer Zweck bei aller Kritikwürdigkeit erkennbar blieb, haben die jüngsten Kampagnen wenig zu tun. Sie entzünden sich vorwiegend daran, dass die Denunzierten die Sprach- und Theoriecodes nicht einhalten, die von entsprechenden studentischen Gruppen zur Norm erhoben werden, und deshalb als Rassisten, Eurozentristen oder Sexisten gelten. Es geht nicht um die Durchsetzung diskutabler politischer Ziele, sondern nur um das, was die Denunzianten ihren Gegnern unterstellen: Diskursherrschaft.

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