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Nepals zerstörte Kulturschätze : Auch die Götter sind obdachlos geworden

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Verlorene Seele

An dieses Erdbeben wird noch oft erinnert. Erst vor wenigen Monaten erschienen in der Sonntagsbeilage der „Himalayan Times“ Berichte von damals Überlebenden. Das Ereignis ist für die Nepaler so etwas wie das Jahr null. Von den älteren Menschen gibt niemand sein Geburtsjahr an, sondern immer die Anzahl der Jahre vor oder nach dem Erdbeben.

Retten, was zu retten ist: Helfer vor einem historischen Tempel in Vhaktapur Bilderstrecke

Die menschliche Tragödie der aktuellen Katastrophe steht außer Zweifel. Doch es legt sich noch eine andere Trauer über das Land. In Telefonaten mit Freunden und Kollegen hieß es meist: Wir sind okay, aber die Tempel sind weg. Rajendra Shakya, ein Fotograf aus dem stark zerstörten Patan, sagte: „Wir haben unsere Seele verloren, wir werden nie mehr dieselben sein.“ Er meinte damit jene Kulturdenkmäler, die jedes Jahr Hundertausende Touristen und Pilger anziehen. Die Nepaler und besonders die Bevölkerungsgruppe der Newar, die das Katmandutal seit dem fünften Jahrhundert geprägt hat, leben mit ihren Götterplätzen. Schon nach 1934 wurden sie mit unermüdlichem Eifer wiedererrichtet. Und auch jetzt schützen bereits lokale Jugendliche die Plätze, Tempel und Schreine, um Plünderungen zu verhindern.

Trümmerwüste

Inmitten des dichtbesiedelten Katmandutals mit einer Größe des Stadtgebiets von Hamburg sind drei alte Königsstädte mit nicht weniger als sieben Unesco-Weltkulturdenkmälern vereint. Dazu zählen die Plätze vor den Palästen (Darbar) der ehemaligen Könige von Katmandu, Patan und Bhaktapur, die Stupas von Svayambunath und Bauddha sowie die Hindutempel Pashupatinath und Cangu Narayan. Alle diese Stätten sind erheblich zerstört oder beschädigt worden. In Katmandu ist die 1690 gebaute, auf einem neunstufigen Plateau gelegene Majudhegah-Pagode kollabiert. Auch andere Pagoden sind dem Erdboden gleichgemacht geworden; der Platz vor dem Palast gleicht einer Trümmerwüste. Ein Freund schrieb gar: „Der Darbar-Platz ist nicht mehr.“ Selbst das Versammlungshaus Kasthamandapa, das symbolträchtigste Bauwerk der Stadt, das Katmandu seinen Namen gab, stürzte komplett ein. Besonders tragisch ist die Zerstörung des 62 Meter hohen Dharahara-Turms, der 1834 vom Premierminister Bhimsen Thapa errichtet wurde und 1934 schon einmal zusammenstürzte. Dieses Mal begrub er mehr als fünfzig Besucher des beliebten Aussichtsortes unter sich.

Auf dem Königsplatz in Patan sind ein Tempel vom Ende des sechzehnten Jahrhunderts eingestürzt, einer der ältesten und architektonisch bedeutsamsten überhaupt, eine dreigeschossige Pagode und die Säule mit dem Abbild des Königs Yoganarendra, der von 1684 bis 1705 regierte. Außerdem wurden der Anantapura-Tempel am Svayambhunath-Stupa, die Spitze des Bodhnath-Stupas, der Bungamati-Tempel, von dem gerade die nur alle zwölf Jahre stattfindende Matsyendranath-Wagenprozession ausgeht, der von Premierminister Janga Bahadur Rana erbaute Shiva-Tempel in Tripureshwar und ungezählte kleinere Tempel zerstört. Nur der Pashupati-Tempel hat wenig abbekommen, was in Indien besonders hervorgehoben wird, weil er für Hindus ein wichtiger Pilgerort ist. Auch in den Chroniken wird von vielen Berichten zu Erdbeben immer wieder gesagt, dass nur Pashupati und Svayambhnath unzerstört blieben.

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