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Entziehung des Doktortitels : Ramschware Dr. med.

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Wenn es nach der Universität Würzburg geht, wird manch einer seinen Doktorhut wieder abgeben müssen Bild: photothek

Die Universität Würzburg will Ärzten mit schlechten Doktorarbeiten nachträglich den Titel nehmen. Sie sieht andernfalls ihr internationales Image gefährdet.

          Wenn diese Arbeiten wissenschaftlichen Standards nicht genügen, dann muss die Rechtmäßigkeit der Promotionen überprüft“ und der Doktortitel entzogen werden. Das erklärte der Leiter der Medizinischen Fakultät in Würzburg, Matthias Frosch, im Mai. Jetzt ist der erste Schritt getan. Zwei Fachgutachter von anderen Hochschulen bestätigen alle Befürchtungen, dass zehn stichprobenartig herausgegriffene medizinhistorische Dissertationen aus der Zeit von 1998 bis 2005 „wissenschaftliche Mindeststandards nicht erfüllen“. Ein ganzes Dutzend weiterer Promotionsschriften beim Doktorvater Gundolf Keil, der in Würzburg Medizingeschichte lehrte, wird derzeit noch überprüft. In zwei Fällen laufen seit voriger Woche Verfahren zur Titelaberkennung wegen Plagiats.

          Bei den meisten beanstandeten Arbeiten handelt es sich nach den Gutachten um keine gerichtsreifen Täuschungsversuche, etwa verheimlichte Abschreibereien à la Guttenberg, aber gleichwohl um unanständig dürftige Geistesprodukte. Ein Beispiel ist eine 33 Seiten starke Schrift über Heilkräuter, die überwiegend im Abdruck mittelalterlicher Quellentexte besteht. Solche Arbeiten „widersprechen eklatant unserem Anspruch, eine international beachtete Institution der medizinischen Forschung zu sein“, betont Dekan Frosch heute. „Ich bin schockiert“, sagt Universitätspräsident Alfred Forchel, „in der Welt, aus der ich komme - ich bin Physiker -, sind Doktorarbeiten hochkarätige Werke.“

          Eigentlich nur ein naturwissenschaftliches Diplom

          Die ganze Aufregung kann angesichts des bundesweiten Normalbildes medizinischer Promotionen allerdings nur erstaunen. So haben der Wissenschaftsrat, das höchste Gremium zur Politikberatung, und die Kultusminister schon 2004 und 2006 kritisch festgestellt, dass der Dr. med. in der Regel lediglich einem naturwissenschaftlichen Diplom entspricht. Das hat nichts mit der Intelligenz der Bewerber zu tun, sondern mit der Zeit. In allen anderen Fachbereichen starten Doktoranden erst nach dem fertigen Studium und forschen dann noch zusätzlich zwei, drei Jahre für die Promotion. Hingegen promovieren angehende Mediziner meist im Studium nebenher. So kommen acht von zehn mit einer kleineren Arbeit an ihren Doktortitel, bundesweit rund achttausend im Jahr. Speziell für die Würzburger Dissertation bestand traditionell eine Richtzahl von vierzig Seiten. Sie wurde erst mit der neuen Promotionsordnung im Juni dieses Jahres fallengelassen.

          Der Medizinische Fakultätentag hält nach wie vor an der Promotion auf kurzem Wege fest, weil sich die anschließende Facharztausbildung sonst unzumutbar lange hinauszögern würde. Heiner Fangerau vom Fachverband Medizingeschichte weist darauf hin, dass die Niveauunterschiede in der Notengebung von Eins bis Vier dargestellt würden. „So viele Vieren wie bei den Medizinern gibt es sonst nirgends.“ Zudem vergeben immer mehr medizinische Fakultäten für streng wissenschaftliche Untersuchungen heute einen Dr. rer. nat. oder. rer. med. oder den angelsächsischen PhD.

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