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Digitalisierte Bildung : Bildungshäppchen, frei Haus geliefert

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Kanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Gabriel auf den Nationalen IT-Gipfel, links Bildungsministerin Wanka Bild: Imago

Mit seiner Digitaloffensive unterläuft das Bildungsministerium den Bildungsföderalismus und hebelt nebenbei die Grundrechte aus. Im Beraterstab geben sich IT-Firmen die Klinke in die Hand.

          Computer in alle Schulen, alle Schüler an die Computer: So hieß das Zukunftsprogramm der Kultusminister aus dem Jahr 1984. Diskutiert wurde, von welchem Alter an Rechner didaktisch sinnvoll eingesetzt und in welchen Schulformen Informatik unterrichtet werden sollte. Diese Fragen scheinen geklärt: „Einmaleins und ABC nur noch mit PC“ - so startet 2016 die Pressemeldung der „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ des Bundesbildungsministeriums (BMBF). Die Frage nach Schulform oder -stufe wird so wenig gestellt wie die Frage nach Lehrinhalten.

          Die durchgehende Digitalisierung aller Bildungseinrichtungen ist Programm: „Mit der Strategie ,Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft‘ legen wir einen systematischen Handlungsrahmen vor, um die digitale Transformation des Bildungssystems voranzutreiben“, heißt es gleich am Anfang der Broschüre. Angekündigt werden Projekte von der „frühkindlichen Bildung“ bis zu beruflicher Bildung und Weiterbildung. Wie bei der Proklamation der „Bildungsrepublik“ 2008 ist Bildung auf MINT-Fächer verkürzt. Beim Marketing ist man konsequent. Für alle (Hoch-)Schulformen und Altersstufen wird die 4.0-Metapher übernommen: Schule 4.0, Berufliche Bildung 4.0, Lehre 4.0.

          Die Transformation des Bildungssystems war auch das Programm des „Nationalen IT-Gipfels“ im November in Saarbrücken. Zuvor hatte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka den Digitalpakt#D angekündigt. Parallel dazu publizierte die Scheer Holding in Kooperation mit dem Feldafinger Kreis das „Saarbrücker Manifest“. Dessen Initiator und Mitautor, August Scheer, Vorsitzender der Scheer Group, die als Consulting- und Software-Haus ihre Dienste anbietet, ist zusammen mit Frau Wanka Vorsitzender der vom BMBF gegründeten IT-Gipfel-Plattform „Digitalisierung in Bildung und Wissenschaft“, die den Digitalpakt#D verantwortet.

          Bildung ist kein Speicherformat

          In der Plattform sind Akteure von IT-Firmen und Verbänden von der Bitkom über Microsoft bis SAP breit vertreten. Die Software von SAP, hier schließt sich der Kreis, wird auf der Website der Scheer Group beworben. Für verzichtbar hielt man die Beteiligung von Pädagogen. Der zweite Autor des Manifests ist Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, das „intelligente Lösungen für die Wissensgesellschaft“ anbietet, die Grundlage für automatisierte und personalisierte Lernmanagementsysteme.

          Gemeinsam ist den Akteuren die alogische Begrifflichkeit. Es gibt weder digitalen Unterricht noch digitale Bildung. Unterricht ist sprachlogisch an Lehrende und Lernende gebunden. Fehlt ein Part, sind es mediengestützte Selbstlernphasen. Bildung braucht ein Subjekt. Es ist weder Speicherformat noch messbare Größe, sondern Merkmal einer Persönlichkeit. Es ist charakteristisch für einen technokratischen Bildungsbegriff, wenn der Bertelsmann-Konzern unter der Überschrift „Wachstum Education“ wirbt, dass dank Digitalisierung „Bildung auch online in guter Qualität ausgeliefert werden kann“. Das sind Termini aus der industriellen Produktion und dem Qualitätsmanagement, die kommerziellen Zwecken dienen.

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