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Verwaltung von Forschungsgeldern : Abwicklung im Blindflug

  • -Aktualisiert am

Flugsicherung macht einen freien Blick auf die Landebahnen wünschbar. Bild: dpa

Eine Liaison zwischen Luftfahrt und Geisteswissenschaft: Das BMBF lässt eine Milliarde Euro an Forschungsgeldern fremdverwalten. Das dient angeblich der Effizienz, vermehrt aber nur die Kosten, die Berichtspflichten und das Misstrauen.

          Wenn das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sich auf den mutigen Weg begibt und nach dem Vorbild der erfolgreichen internationalen geisteswissenschaftlichen Forschungskollegs in Deutschland ein neuartiges Auslandsinstitut in Südasien errichten will, steht am Ende der Ausschreibung: „Mit der Abwicklung der Fördermaßnahme hat das BMBF seinen Projektträger im DLR Umwelt, Kultur, Nachhaltigkeit, Bonn beauftragt.“ DLR: das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

          Was haben die Luft- und Raumfahrt mit geisteswissenschaftlicher Forschung zu tun? Hinter dieser seltsamen Allianz zwischen Leuten, die sich bei Flugsicherheit und Satellitensteuerung auskennen, und den Geisteswissenschaften verbirgt sich ein gewichtiges Problem der deutschen Forschungsförderung. Gewichtig ist es, denn das DLR verwaltet so, alle Disziplinen zusammengenommen, mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr, etwa die Hälfte des Fördervolumens der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Und wichtig ist es, weil diese Art der Organisation der Projektförderung Kriterien ökonomischer Effizienz und Regelgebundenheit betont und die der Forschung in den Hintergrund treten lässt, im Gegensatz zur Organisation in wissenschaftsgesteuerten Einrichtungen der Forschungsförderung.

          Zur Illustration mögen die genannten Forschungskollegs dienen. Sie wurden aufgrund der Empfehlungen des Wissenschaftsrats vom BMBF eingerichtet und stellten eine neuartige Form dar, innerhalb der Universitäten Institutes for Advanced Study auf Zeit zu errichten. Dem Prinzip „Forschen mit statt Forschen über“ (Wolf Lepenies) folgend, sollten sie eine „Lerngemeinschaft ermöglichen, die durch systematische Konfrontation mit anderen Wissenskulturen die eigenen, meist unhinterfragten Selbstverständlichkeiten auf den Prüfstand stellt“. Die eingeladenen Forscher sollten frei sein, ihren eigenen Vorhaben nachzugehen. „Freiraum für die Geisteswissenschaften“ nannte das BMBF das Programm.

          Projektträger zwischen Baum und Borke

          Diese institutionelle Innovation wurde dem Projektträger im DLR zur Verwaltung anvertraut, also innerhalb einer Organisation, die mit der Sache nichts zu tun hat, sondern nur über Verwaltungskompetenz verfügt. Das DLR als solches ist ein Großbetrieb, mit mehr als 7000 Mitarbeitern und einem Gesamtertrag von an die 800 Millionen Euro, einem Industriebetrieb vergleichbar organisiert. Dementsprechend wimmelt es auf der Website des DLR und des Projektträgers von Begriffen des Managements. „Neue Geschäftsfelder werden erschlossen“, „Shareholder werden adressiert“, „Qualitätsmanagement“ und „Controlling“ betrieben; „die Auftragsentwicklung 2013 war positiv“; der Projektträger sieht sich als Mittler „zwischen dem Bund als Auftraggeber und der Industrie und Wissenschaft als Kunden“. Der für diesen Bereich verantwortliche Vorstand der DLR ist Betriebswirt.

          Sein „Geschäftsbericht 2013“ macht deutlich, wie sehr der Projektträger sich zwischen Baum und Borke befindet. Mit dem Untertitel „Im Dienst von Forschung, Innovation und Bildung“ wirbt er für Akzeptanz in der Wissenschaft. Er berichtet inhaltlich über einzelne Projekte, wie wenn es seine eigenen wären. Realistischer ist die Beschreibung seines Tätigkeitsfeldes: „Seit etwa 40 Jahren beraten wir unsere Auftraggeber strategisch zur Konzeption von Förderprogrammen und -instrumenten und begleiten Fördervorhaben fachlich und administrativ. Wir führen begleitende Analysen durch und bewerten die Ergebnisse von Programmen und Projekten.“

          Auftraggeber ist ganz überwiegend das BMBF. Etwa die Hälfte der betreuten Projektmittel (ca. 550 Millionen Euro) betreffen die Bereiche „Bildungsforschung, Integration, Genderforschung“ und „Umwelt, Kultur, Nachhaltigkeit“. Die Verwaltungskosten entsprechen in etwa denen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

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