20.02.2013 · Der schmückende Namenszusatz gehört heutzutage offenbar zur Grundausstattung der oberen Mittelschicht. Wie wäre es mit einer flächendeckenden Promotion Deutschlands?
Von Hans Magnus EnzensbergerRichtlinien für Lesermeinungen
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Nicht alle haben es verstanden
Wenn man hier so die Reaktionen liest, vermutet man doch schnell, dass
einige Foristen ihren Titel "auf dem kurzen Dienstweg"
bekommen haben. Ich glaube, der Beitrag von Herrn Enzensberger ist
durchaus seriös zu nehmen, wenn man sich im Ausland lustig macht
über Deutsche Dr. Titel, und z.B. den Dr. Med. nicht anerkannt
wird. Vor kurzem habe ich noch gesehen, dass jemand sich mit dem Titel
"Senator h.c" schmuckt. Vermutlich aus dem antiken Rom.
Mit diesem Titelwahn macht Deutschland - Bildungsland sich überall
lächerlich.
Ich schlage vor, dass der Dr. Titel für Euro 10.000 / Jahr an extra
Einkommensteuer erworben werden kann. Max. 4 pro Person, da anders die
Visitenkarten zu breit werden. Euro 25.000 extra KFZ Steuer, und man
darf den Titel auch auf dem Kennzeichen führen. Der Haushalt
wäre morgen ausgeglichen.
Für echte Dr. gibt es den neuen Titel "Dr460". 4 Jahre
harte wissenschaftliche Arbeit auf höchstem Niveau, 60 Stunden /
Woche Untergrenze.
Stimmt ...
... wenn hier von Anspruchsdenken und erwarteter Vorzugsbehandlung die
Rede ist, könnte man meinen Doktoren bekämen etwas zwangsweise geschenkt.
Der Dr. Titel weist nach, dass man im wissentlichen Bereich eine gewisse
Leistung erbracht hat. Zugegebenermaßen ist die Leistung nicht
immer vergleichbar oder abgesichert, aber das ist beim Abi, der
Führerscheinprüfung oder der Lehre ebenso.
Wenn nun Doktoren von anderen Personen einen gewissen Vertrauensbonus
bekommen, scheint die bisherige Erfahrung mit den Titelträgern
diesen Bonus bisher gerechtfertig zu haben, streng nach dem Motto:
"Wenn der das geschafft hat wird er für die andere Aufgabe
auch geeignet sein". Wenn dies zunehmend weniger gerechtfertigt
sein sollte, wird sich das Verhältnis zu Doktoren von alleine einpendeln.
Insofern wäre etwas mehr Entspannung diesbezüglich sicher mehr
angebracht als von "Blasiertheit" oder
"Vorzugsbehandlung" zu reden. Schließlich könnte ja
jeder Dr. werden wenn's so einfach ist ;-).
Alternativvorschlag: Wiedereinführung der Monarchie
Oder meinetwegen eine Abwandlung hiervon, die es einem Staatsoberhaupt erlaubt, Menschen von Verdienst in einen neu zu schaffenden Ritter- oder Adelsstand zu erheben. Klappt in Großbritannien prima! Sir Stefan Raab, Baron Kohl, Sir Udo Jürgens, Graf Ackermann...das klingt doch wenigstens nach was! Und hat den Vorteil, dass er - da lediglich auf Gutdünkens eines Gremiums verliehen - nicht so schnell wieder aberkannt werden kann.
Der Titel ändert den Menschen nicht
Eine Promotion ist grundsätzlich erst einmal der Nachweis der
Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit. Wer eine berufliche
Karriere in Wissenschaft und Forschung anstrebt, muss eine Dissertation
verfassen und das Rigorosum absolvieren. In anderen Bereichen ist sie
nicht zwingend notwendig und auch nicht karrierefördernd.
Es gibt qualitative Unterschiede in Wahl und Umfang des Themas, in
Gestaltung und Ausarbeitung, usw., die sich in der Benotung ausdrückt.
Ein inflationärer Anstieg an Doktorarbeiten ist unverkennbar. Wird
der Wunsch, ein Dissertationsverfahren zu durchlaufen, jedoch
hauptsächlich von dem Gedanken getragen, sich anschließend
mit dem Titel schmücken zu können, drücken sich hierin
kleingeistige, unsouveräne Ideen aus. Ein Titel ändert einen
Menschen nicht, macht ihn nicht besser, ehrbarer, elitärer. Die
prononcierte Benutzung eines Titels zum Gewinn an Ansehen und
gesellschaftlicher Stellung ist lächerlich und kann nur in den
entsprechenden Kreisen funktionieren
Nach den elendigen Plagiaten in den Dissertationen einiger Herrschaften aus der "Führungselite" war es ja nur eine Frage der Zeit, bis solche ebenso elendigen Diskussionsbeiträge die Runde machen. Satire geht anders, das kann es also nicht sein. Warum unzählige Promovierte, die ihren höchsten akademischen Grad mit harter Arbeit und seriös verdient haben, vom werten Herrn Enzensberger mit diesem Beitrag abgewertet werden, bleibt als Frage im Raum. Das Thema Sippenhaft haben wir in Deutschland doch spätestens seit Ende 1989 hinter uns gelassen, oder? Herr Enzensberger?
Der Autor "promovierte" .." mit einer Arbeit über
Clemens Brentanos Poetik"(1). Über den Sinn einer
wissenschaftlichen Arbeit ist er informiert. Das Problem der Dorktoritis
ist nicht der qualifizierte Nachweis einer Fähigkeit zum
wissenschaftlichen Arbeiten an sich, sondern ein mangelndes
Qualitätsmanagement und eine fehlende Qualitätssicherung bei
der Erstellung einer Dissertation. Hier sind die Universitäten
anzugreifen. Den schmückenden Namenszusatz kann man doch leicht
entlarven, wenn man einen Blick in so eine Arbeit wirft. Ansonsten kann
man natürlich jedwede Qualifikation streichen, vom
"Oberpostdirektor" angefangen bis zum "Anglisten".
(1) Wikipedia
Wie soll man das denn bitte verstehen?
Also ich musste schon ziemlich lachen als ich den Artikel gelesen habe.
Man könnte meinen wegen dem dargelegten Zynismus, aber es war
vielmehr wegen der selbstverständlichen Überheblichkeit die
hier heraussticht. Lieber Herr Dr. Hans Magnus Enzensberger, ich
würde auch gerne in naher Zukunft meine Promotion absolvieren. Nach
welchem Maßstäben darf ich dass denn Ihrer Meinung nach?
Unsere Gesellschaft entwickelt sich immer mehr zu einer
Dienstleistungsgesellschaft, die Hochschulen werden verstärkt von
jungen Leuten aufgesucht (trotz demografischen Wandel). Es ist eine
völlig natürliche Entwicklung, dass es immer mehr Doktoranden
gibt. (Für weitere Ausführungen reichen die zur verfügung
gestellten Zeichen leider nicht aus.)
Wenn man Ihren Artikel liest, hat man das Gefühl, dass nachdem Sie
Ihren Titel erreicht haben keinem anderen dieses Privileg mehr zusteht -
schließlich haben Sie ihn ja jetzt...
Natürlich können wir jedem die Doktorwürde verleihen.
Dieses Vorgehen würde perfekt zur Gleichmacherei passen, die
oberstes politisches Ziel zu sein scheint (egal ob es dabei um
Einkommen, Vermögen, Geschlecht oder Intelligenz geht).
Ein Doktortitel ist, wenn rechtmäßig erworben, mit einem
großen persönlichen Einsatz verbunden und dokumentiert die
Fähigkeit, selbstständig nach wissenschaftlichen Vorgaben ein
Thema zu bearbeiten und trotz auftretender Schwierigkeiten sein Ziel zu
erreichen. Diese Fähigkeit mag auch ohne Titel vorhanden sein, aber
das gilt für jegliche mit einem Abschluss dokumentierte
Fähigkeit gleichermaßen.
Beim Auftreten von Betrugsfällen das Kind mit dem Bade
auszuschütten erscheint mir doch recht abwegig.
Die Diskussion wird hoffentl. dazu führen, dass aufgrund der
größeren Kontrolle Betrügereien abnehmen und sich
weniger Menschen mit falschen Federn schmücken.
Die Polemik dieses Artikels mag dem Autor Genugtuung bereiten, wird dem
Problem jedoch nicht gerecht!
Für den braucht man doch nicht ehrgeizig sein und der Gipfel ist auch nicht erreicht, wenn ein Dr. h.c. mult. auf dem Briefkopf steht, oder? Der zeugt eher von einer Mitgliedschaft in einer Verbindung oder Burschenschaft. Einen Dr. h.c. können Sie übrigens für etwa 100€ im Internet kaufen. Manchmal gibt es Angebote für 25€.
Promotion nur fuer herausragende Studenten
Die Promotion sollte den Besten eines Jahrgangs vorbehalten sein. Die Loesung waere daher sehr einfach: man erlaubt nur den besten 5% eines Jahrgangs in ihrem Fach die Promotion. Damit haetten die Professoren auch mehr Zeit fuer eine ernsthafte Betreuung. Die lange Promotionszeiten in Deutschland sind ohnhin eine Verschwendung von Ressourcen.
Aber wie können dann diejenigen die sich gerne
Akademiker nennen und alle anderen als Bildungsfern bezeichnen sich deutlicher von der Masse abheben?
dass diverse Titel der schon unvermeintlichen Befriedigung des eigenen
Egos dienen und fast schon marktschreierisch angepriesen werden, wie das
dazugehörige Poloshirt und die wohlbekannten Automarken es
bestätigen. Der Titel wird geputzt und poliert and nach
Möglichkeit, jedem aufs Auge gedrückt.
Es gibt Länder, da gilt es als äusserst peinlich, sich im
nicht professionellen Teil seines Lebens mit Titeln zu schmücken.
Es existieren aber auch Länderrr, da werden selbst Magisterrr oder
im nichtakademischen Bereich sogar Berufsbezeichnungen als Pseudotitel
verwendet.
Ist Showtragen von Titel eine Frage der gesellschaftlichen
Gepflogenheiten und Akzeptanz ?
Ohne Zweifel. Denn solange ein Grossteil der Nichttitelträger oder
gar der "unsäglichen" Nichtakademiker die Hacken
reflexartig zusammen schlagen wenn sie mit dem "Doktor"
konfrontiert sind , werden die einschlägigen Titelträger diese
Situation billig für sich nutzen. Carpe titulum !
Lieber einen auftrebenden Doktorranden...
In meinen Augen ist der Doktorand ein krasser Gegenentwurf zur immer
öfter in Erscheinung tretende Mischung aus "Hedonisten"
und "Slacker", der derzeit eine Renaissance in unserer
Gesellschaft erlebt.
Vielleicht schreiben sie mal einen Artikel darüber.
Auf der einen Seite gibt es Menschen die morgens um 8 Uhr in der
Bibliothek auf der Matte stehen und um 17 Uhr dem Pförtner einen
guten Abend wünschen und auf der anderen Seite den Menschen, der in
der Regel um 10 Uhr aufsteht, seine Hausaufgaben per Copy und Paste
erledigt und sich durch die Universität mit einem 2,3 Abschluss
mogelt. (Sozialwissenschaften, Kunst, Zwischen beiden herrscht in
übrigens jahrelang überhaupt kein Gehaltsunterschied, oder
wird vehement bekämpft. Ersterer erlangt irgendwann seinen Dr.
Titel, für zweiteren ist die neue Sony Playstation das höchste
der Gefühle.
Die Diskotheken sind doch am Wochenende voll mit diesen gescheiterten
Selbstdarstellerexistenzen. Dann doch lieber Dr. mult. hc als Lebensleistung.
Herr Enzensberger,
ihr Text enthält viele Worte, aber wenig Inhalt.
Ihre einzige Prämisse ist, dass immer mehr Menschen sich mit diesem
Namenszusatz schmücken. Daraus leiten sie ironisch ab, dass man
doch jedem Bürger diesen Titel zuspielen könnte. Sie verkennen
viele Dinge:
1. Mag es in ihren Augen zu einer Inflation dieses akademischen Titels
kommen. Dies ist aber doch aufgrund der wachsenden Zahl von Menschen mit
Hochschulabschluss nicht verwunderlich. Es muss also weitere
Möglichkeiten für Arbeitgeber geben zu differenzieren. Und da
bieten sich LL.M.-Progamme, Doktorgrade und sonstige
Zusatzqualifikationen eben an.
2. Leisten Doktorranden einen nicht unerheblich einen Beitrag zur
Wissenschaft und aktuellen Diskursen.
3. Doktoranden bilden an den Universitäten den akademischen
Unterbau und sind häufig für die eigentliche praktische
Ausbildung der Studenten zuständig.
Der Dr mult. ist nur das Starterpack
auch ausserhalb der medizinischen Gemeinde moege der Professorentitel
als Teil der
"silber edition" erwerbbar sein.
Staatsbuergern mit "gold status" kann darueber hinaus ein Rang
des unteren/ mittleren Adels zugesprochen werden, Grafen und Freiherren
und ihre diversen Variationen wie wir das schon aus der Politik kennen.
Platinum Staatsbuegern kann der Papsttitel gewaehrt werden, die
Verhandlungen sind allerdings nach dem ersten Probelauf ins Stocken gekommen.
Ehrendoktor nicht als Namenszusatz
Die Doktorwürde bezieht sich auf viele Niveaus. Vom Dr. Med., der
eine Hausarbeit schreibt, über diverse Level, vom Philosophen
über Wirtschaft bis hin zu Ingenieuren, mit dem Gipfel in den
Naturwissenschaften, bei denen die Ansprüche der Lehrstühle
jedoch auch von Professor zu Professor stark variieren.
Die Industrie nutzt doktoranden für drei Jahre gerne als billige
Arbeitskraft, was die Zahl der Promovierenden sicher deuclich
erhöht hat - Drittmittel für die Unis.
Eine Gruppe, die der Doktorwürde Schande macht, könnte man
allerdings per Ferderstrich das Interesse verleiden: Den Ehrendoktoren.
Man behalte die Ehrendoktorwürden bei. erlaube denjenigen jedoch
nicht, ihn dem Namen voranzustellen. In gewissen Sinne also eine
Urkunde, wie ein Patent.
Viele Industriekonzerne erwirken für Ihre Manager Doktor- und
Professorentitel, die über Drittmittel sehr einfach eingekauft
werden - und wer mag es den Unis verdenken, die heute leider finanziell
abhängig sind.
Als Baby 24 Std. in die Kita, freiwilliger Schulbesuch, kein
Sitzenbleiben, "Abitur" für
alle , Master für alle , Doktor für alle, nur noch
"Häuptlinge" und keine "Indianer" .
Das sind die "Geistesblitze" dieser "Verbildung",
macht nur weiter so und wir sind wieder
Affen auf den Bäumen !
Die Fasthochschulen wollen ja seit eh und je das Promotionsrecht. Jemand, der mir gerade nicht sicher einfällt (Georg Hensel?), antwortete gerne, er habe beim Demel promoviert; mich selbst hat die Messe Frankfurt mal in einem einzigen Durchgang zum Prof. Dr. befördert. Es wäre also - gerade in Zeiten der Einheitsschule und der Einheitstarife - sehr angebracht, das Promotionsrecht großzügig an jede Stelle zu verleihen, die einen Adreßstempel führen kann. Die Alternative "Promotion durch Geburt" wäre a) selektiv - oder würde ein Ausländer bei Einreise hilfsweise zum Doktor, falls echt promoviert, zum Prof., wie ein Infanterie-Captain an Bord eines Navy-Schiffes vorübergehend Major? - und b) offensichtlich wertlos, weil ohne Aufwand erworben.
Und wer sorgt dann dafür, daß das Geschrei nicht zu groß wird...
...wenn alle ihre Ruf zum Professor hören wollen?
Bisher hielt ich ja relativ viel von HME...aber nach der heutigen Einlassung könnte sich das ändern
Ich habe selten einen solchen Unfug (klar, ist alles nur ironisch gemeint) aus der Feder eines sich der geistigen Elite zurechnenden Poeten gelesen. Es soll Berufsgruppen geben, in den der Dr.-Titels die Voraussetzung ist, überhaupt für einen Arbeitsplatz in Betracht gezogen zu werden. Die Naturwissenschaften stellen einen solchen Fall dar. Der nach mehrjähriger Forschungstätigkeit verliehene Dr.-Titel stellt den Nachweis eigenständigen Forschens dar - und wird auch von der Industrie als solcher gesehen. Bis zum Diplom hat ein Chemiker, Biologe oder Physiker im Regelfall nur bereits seit Jahrzehnten bekannte Experimente gemacht, als Basis. Die Diplomarbeit von 6-9 Monaten ist zwar experimentell, bewegt sich aber in engem Rahmen. Erst im Verlauf einer mehrjährigen unabhängigen Forschung für die Doktorarbeit wird der Nachweis eigenständiger Tätigkeit erbracht. Das ist auch im Ausland so, wenn Sie in der Forschung nach oben wollen. Der Bachelor bleibt dort "Fussvolk" und rackert im Labor.
Ein gesundes und glückliches Leben ist entscheidend
Wissen ist fürs Leben da. Wenn man mit erworbenen Doktor Titel mehr über das leben weiß, dann ist es gut. Ansonsten hat diese Doktor-Würde wenigen Sinn, besonders wenn es ein Symbol von Status wird. Jeder Mensch auf dieser Erde hat gleiche Würde. Wenn Studium beispielsweise die Menschen krank macht wegen Lernstress, ist es noch sinnloser. Das Ziel der Bildung besteht darin, gut Menschen für die Gesellschaft zu bilden. Ein gesundes und glückliches Leben ist entscheidend, nicht der Titel.