Home
http://www.faz.net/-gqz-73nmu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.10.2012, 16:41 Uhr

Deutscher Grundschulvergleich Die Zuwanderung macht die Differenz

Was gefehlt hat beim jüngsten Vergleich der Leistungen von Grundschülern ist die Frage, worauf die großen Unterschiede zwischen den Bundesländern denn zurückgehen.

© Nedden, Kai Der Anteil von Schülern mit Zuwanderungshintergrund ist in Bremen und Berlin deutlich höher ist als in den anderen Bundesländern

Eine jüngst veröffentlichte Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hat die Leistungen der Viertklässler an deutschen Grundschulen in den Fächern Deutsch (Lesen und Zuhören) und Mathematik gemessen und nach Bundesländern geordnet miteinander verglichen. Wie in früheren Studien stehen wieder die üblichen Verdächtigen vorne und hinten - hier Bayern, dort Bremen und Berlin. Die IQB-Studie hat die Leistungen der Grundschüler mit Hilfe von eindimensionalen Maßen erfasst und so skaliert, dass sich im gesamtdeutschen Durchschnitt ein Mittelwert von 500 Punkten ergibt.

Die Durchschnittswerte der einzelnen Bundesländer liegen dabei im Lesen zwischen 463 (Bremen) und 515 (Bayern), im Zuhören zwischen 467 (Bremen) und 513 (Bayern) und im Rechnen zwischen 451 (Berlin) und 519 (Bayern). Zur Erklärung der Unterschiede zwischen den Bundesländern betrachtet die IQB-Studie eine Reihe von Bildungsparametern wie beispielsweise das Einschulungsalter der Kinder, die Zahl der Unterrichtsstunden in den berücksichtigten Fächern, das Alter der Lehrer und die jährlichen Weiterbildungen, an denen die Lehrer teilgenommen haben. Zwar weisen die Bundesländer untereinander eine gewisse Variation in diesen Parametern auf.

Das spezielle Herkunftsland spielt eine Rolle

Sie scheinen aber nicht systematisch mit den gemessenen Leistungsunterschieden zu variieren. Insbesondere die Spitzengruppe und die Schlusslichter unterscheiden sich in diesen Parametern nicht auffällig. Wohl auch deshalb lässt sich etwa die Vizevorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer, damit zitieren, die Gründe für die Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern seien auch nach der IQB-Studie „ein Buch mit sieben Siegeln“. Freilich öffnet die IQB-Studie zumindest einige dieser Siegel.

Die Studie zeigt, dass Kinder mit Zuwanderungshintergrund im Durchschnitt deutlich schlechter abschneiden als Kinder mit deutschen Eltern und dass der Anteil von Kindern mit Zuwanderungshintergrund in Bremen und Berlin deutlich höher ist als in den anderen Bundesländern. Die Studie zeigt außerdem, dass nicht der Zuwanderungshintergrund per se ein schlechteres Abschneiden in den gemessenen Kompetenzen erklärt. Vielmehr spielt das spezielle Herkunftsland eine entscheidende Rolle.

Die Studie unterscheidet beim Herkunftsland zwischen der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion, Polen, dem ehemaligen Jugoslawien und der Gruppe der anderen Länder und zeigt, dass Kinder mit einer türkischen Herkunft im Durchschnitt die schlechtesten Ergebnisse erzielt haben. Leider betrachtet die Studie den Effekt des spezifischen Zuwanderungshintergrunds auf die Schulleistungen nicht nach Bundesländern differenziert, sondern nur für Deutschland insgesamt. Grund dafür sind wohl die zu geringen Fallzahlen auf der Bundeslandebene in der erhobenen Stichprobe.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Übergewicht bei Kindern Böser Babyspeck

Immer mehr und immer mehr kleine Kinder sind zu fett. Nun sind auch arme Länder betroffen. Was geht da vor? Mehr Von Claudia Füßler

04.02.2016, 10:23 Uhr | Wissen
Flüchtlingskrise Registrierzentrum Erding verzeichnet großen Anteil von Kindern

Im Moment werden täglich 800 Flüchtlinge aufgenommen. Die Kapazität würde jedoch sogar für 2500 Migranten reichen. Mehr

28.01.2016, 08:16 Uhr | Politik
Balkanroute Vierzig Prozent der Migranten haben keine Aussicht auf Schutz

Auch im Januar kamen jeden Tag rund 2000 Migranten von der Türkei aus in die EU. Der Anteil der Syrer auf der Balkanroute ist dabei jedoch von 69 auf 39 Prozent gesunken. Zwei andere Herkunftsländer hingegen stiegen prozentual. Mehr

07.02.2016, 06:00 Uhr | Politik
Prinzenpaare in Berlin Karneval im Kanzleramt

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Karnevalsdelegationen aus den Bundesländern empfangen. Mit Musik und Tanz wurde im Kanzleramt ein Vorgeschmack auf die fünfte Jahreszeit gegeben. Helau! Mehr

27.01.2016, 08:43 Uhr | Gesellschaft
Bildungsforschung Geduld, nur Geduld!

Die Fähigkeit, sich zu gedulden, ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg unserer Kinder in der Schule und im Leben. Aber kann man Geduld gezielt fördern? Womöglich sogar schon im Kindergarten? Mehr Von Matthias Sutter

25.01.2016, 13:00 Uhr | Beruf-Chance
Glosse

Mythos Bochum

Von Andreas Rossmann

Eine Stadt in der Strukturkrise, ein unterfinanziertes Schauspielhaus, eine Kulturpolitik ohne Weitblick: Warum tut sich Johan Simons das an und wird Intendant in Bochum? Der Stadt freilich hätte nichts Besseres passieren können. Mehr 0