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Deutsch am Goethe-Institut : Wer soll das bezahlen?

Die Nachfrage nach Deutsch-Kursen ist groß. Doch wie kann das Goethe-Institut sie stillen? Bild: dpa

Die Deutsch-Kurse des Goethe-Instituts sind in Gefahr. Sie werden von Honorarkräften gegeben. Das prüft die Rentenversicherung, die Gewerkschaft will Festanstellungen. Dafür fehlt Geld, die Lage ist prekär.

          Die Deutsch-Kurse der hiesigen Goethe-Institute genießen einen exzellenten Ruf. Sie sind bestens organisiert, aber auch teurer als andere, und nur in Mannheim gibt es auch Integrationskurse für Asylbewerber, die vom Bundesamt für Migration mitfinanziert werden. Alle anderen zahlen selbst oder haben ein Stipendium. Jetzt, heißt es in Medienberichten, sei dieser gute Ruf „beschädigt“, zumal die weltweiten Institute für ihre Arbeit 220 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt bekämen.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Was das mit den Kosten für die inländischen Sprachkurse und die Honorarverträge zu tun hat, erschließt sich nicht, denn die müssen ohne Subventionen erwirtschaftet werden. Das Periodikum „Das Parlament“, vom Bundestag herausgegeben, vergaß in seinem Meinungsartikel zu erwähnen, dass der Bundestag selbst 2014 von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) zu einer Nachzahlung von 1,4 Millionen Euro für Sozialbeiträge der Honorarkräfte seines Besucherdienstes verdonnert wurde. Dazu läuft immer noch ein Widerspruchsverfahren.

          „Verdacht des Sozialversicherungsbetrugs“?

          Trotz magerer Fakten wird jetzt vom „Verdacht des Sozialversicherungsbetruges“ („Berliner Zeitung“) beim Goethe-Institut geredet. Auslöser dieser vorauseilenden „Rufbeschädigung“ ist eine turnusmäßige Überprüfung durch die DRV. Sie betrifft die Honorarkräfte, die sechzig Prozent des Sprachunterrichtes der Goethe-Institute abdecken. Die DRV stellt den Status der freien Mitarbeiter als Selbständige in Frage, das Goethe-Institut teilt diese Auffassung nicht und beruft sich auf frühere Überprüfungen, die ohne Beanstandung (und ohne mediale Empörungsbegleitung) geblieben seien.

          Auf Anfrage verweist die DRV auf das Sozialgesetzbuch, welches sie verpflichte, „alle vier Jahre die ordnungsgemäße und vollständige Zahlung von Sozialversicherungsabgaben zu überprüfen“. Von Betrug ist erst mal keine Rede, auch verbiete der Datenschutz nähere Auskünfte. Frühestens Ende April, nach einer Anhörung, wissen wir mehr.

          Keine neuen Verträge

          Doch hat die Vermutung von „Scheinselbständigkeit“ einiger oder vieler Honorarkräfte dazu geführt, dass die Institute bis zur Klärung keine neuen Verträge abschließen. Um wenigstens zwei Drittel des Angebotes aufrechtzuerhalten, wurden jetzt siebzig Lehrer befristet eingestellt.

          Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht ihre Stunde gekommen und fordert zum wiederholten Male, über einen Tarifvertrag für „arbeitnehmerähnliche“ Anstellungen zu verhandeln. Das würde bedeuten, die Institute würden einen Teil der Sozialabgaben auch für ihre freien Mitarbeiter übernehmen. Die Behauptung, in den Goethe-Instituten verdiene man „deutlich weniger als Vertragslehrkräfte in gleicher Tätigkeit“, ist fragwürdig. In den kleinen Sprachschulen verdienen Lehrer für Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache bei gleicher Qualifikation weniger als die Hälfte. Volkshochschulen wiederum, von den Kommunen in aller Regel chronisch unterfinanziert, können erst seit letzten Sommer zumindest freien Mitarbeitern, die vom Bundesamt für Migration bezuschusste Integrationskurse betreuen, auch 35 Euro für die 45-Minuten-Stunde bezahlen - wie Goethe. Keinesfalls gelingt das allen Volkshochschulen, weil es die Haushaltssituation ihrer Träger überfordert. In etlichen Volkshochschulen werden nun freiberufliche Dozenten trotz gleicher Qualifikation (und Aufgaben) höchst verschieden, besser oder schlechter, bezahlt. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand, der jedoch kaum in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

          Tausende Sprachvermittler gingen

          Sowohl die Sprachschulen als auch die Volkshochschulen verloren in den letzten drei Jahren wegen ihrer begrenzten finanziellen Möglichkeiten Tausende hochspezialisierte Sprachvermittler an die besser zahlenden Institute oder die Schulämter überall im Land. Der Grund ist die Masseneinwanderung, ein extremer Lehrermangel und die Verpflichtung, aus dem Stand Zehntausende Kinder und Jugendliche in sogenannte Willkommensklassen aufzunehmen, damit sie schnell Deutsch lernen. Nur dieser unvorhersehbaren Konkurrenz ist es wohl zu verdanken, dass den Volkshochschulen, die immer mehr Erwachsene ohne Deutschkenntnisse - nicht selten auch funktionale Analphabeten - unterrichten sollen, endlich Honorarzuschüsse vom Bund bewilligt wurden.

          Markenpflege: Das Goethe-Institut genießt international einen hervorragenden Ruf.
          Markenpflege: Das Goethe-Institut genießt international einen hervorragenden Ruf. : Bild: dpa

          Doch anders als bei Volkshochschulen ist das Geschäft mit den feinen Goethe-Sprachkursen ein unregelmäßiges. Was heißen soll, es gibt Spitzenzeiten (meist im Sommer), in denen der größte Teil des Pools der freien Lehrer (400) beauftragt wird. In der Nebensaison sind es nur etwa 240 Honorarlehrer mit sehr unterschiedlichem Stundendeputat. Wer dafür nun mehr oder weniger feste Anstellungen für alle Sprachlehrer fordert, müsste schon dazu sagen, wie das betriebswirtschaftlich ohne regelmäßige Kurzarbeitszeiten zu handhaben wäre.

          Quelle: F.A.Z.

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