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Der Wissenschaftsrat empfiehlt Alles für die Lehre

07.07.2008 ·  Der Wissenschaftsrat hat seine „Empfehlungen zur Qualität von Lehre und Studium“ abgegeben. Empfohlen werden Maßnahmen zur Hebung der „Lehrkultur“ wie „Lehr-Professoren“, ein „Nationaler Lehrpreis“, ein Fünfjahresplan für Qualitätsmanagement und grundsätzliches Umdenken.

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Der Wissenschaftsrat verlangt von den Ländern wie von den Professoren mehr Anstrengungen für eine bessere Lehre an den Hochschulen. Nötig sei nicht nur mehr Geld für zusätzliches Personal, sondern auch ein Mentalitätswechsel bei vielen Professoren, sagte der Ratsvorsitzende Peter Strohschneider am Montag bei der Vorstellung von „Empfehlungen zur Qualität von Lehre und Studium“ in Berlin.

„Gute Lehre kann man lernen“: Erfahrene Professoren wie Nachwuchskräfte müssten offen sein für Fortbildungen. „Leistungen in der Lehre müssen dasselbe Ansehen in Wissenschaft und Öffentlichkeit genießen wie Erfolge in der Forschung.“ Für „mehr Qualität in Lehre und Studium“ fordert das Gremium 1,104 Milliarden Euro mehr pro Jahr. Finanziert werden sollen damit zusätzliche Professorenstellen, Tutorien, eine bessere Studienberatung sowie die Anschaffung von Büchern und Computern.

Plädoyer für höhere „Lehrkultur“

Zugleich will der Wissenschaftsrat die Professoren zu einer besseren „Lehrkultur“ motivieren. Das Berufsverständnis vieler Universitätsprofessoren müsse sich ändern, die vorrangig ihre Forschung, zu wenig dagegen die Ausbildung des Großteils der Studierenden im Blick hätten, heißt es kritisch in den Empfehlungen. Der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in der Hochschul- und Forschungspolitik berät, plädiert für eine professionelle Aus- und Weiterbildung für Professoren.

Bei ihrer Berufung von Professoren solle künftig neben der Forschungsleistung auch die Lehrqualität berücksichtigt werden. Bundesweit sollen zehn Zentren zur Lehrforschung entstehen und ein „Nationaler Lehrpreis“ geschaffen werden. Alle Hochschulen sollten innerhalb der nächsten fünf Jahre ein eigenes „Qualitätsmanagement“ entwickeln, bei dem auch Abbruch- wie Erfolgsquoten sowie die durchschnittliche Studienzeit für jedes Fach erfasst werden.

Mehr Lehre statt mehr Forschung

Heute werde selbst eine Vernachlässigung der Lehre und der Studentenbetreuung „allenfalls in Ausnahmefällen sanktioniert“. „Erfolgreiche Forschung verhilft zu neuen Geldern, Mitarbeitern und besserer Ausstattung, größeres Engagement in der Lehre hingegen führt häufig zu höherer Arbeitslast durch mehr Studierende und mehr Prüfungen“, heißt es in den Empfehlungen.

Strohschneider forderte, Forschung und Lehre gleichwertig zu sehen. Der Wissenschaftsrat nehme deshalb Politik wie Hochschullehrer gleichermaßen in die Pflicht. „Wir fordern nicht nur mehr Geld und Stellen, wir wollen einen grundlegenden Wandel.“ In Fächern mit besonders schlechter Betreuungsrelation - in Germanistik etwa 119 Studierende pro Professor - soll es nach dem Willen des Wissenschaftsrats einen 33-prozentigen Lehrzuschlag bei den Stellen geben. Andere Fächer sollten einen zehnprozentigen Zuschlag erhalten.

„Lehr-Professoren“ für den „Lehrpreis“

Die Experten verweisen dabei auf den zunehmenden internationalen Qualitätswettbewerb bei der Hochschulausbildung - und auch auf den volkswirtschaftlichen Schaden durch unnötige Studienabbrüche. In den Ingenieur- und Naturwissenschaften schwankt die „Schwundbilanz“ von Fachwechslern und Abbrechern zwischen 37 und 39 Prozent.

Der Wissenschaftsrat bekräftigte zugleich seine frühere Forderung nach Einstellung spezieller Lehr-Professoren, die sich zwölf Stunden pro Woche der Lehre widmen - statt der heute üblichen acht oder neun Stunden. Diese Lehr-Professoren sollten aber nicht von der Forschung ausgegrenzt werden.

Der Deutsche Hochschulverband (DHV), die Berufsvertretung der Universítäts-Professoren, lehnte dies strikt ab. „Viel Lehre und wenig Forschung führen nicht zu einer Aufwertung, sondern zu einer Abwertung der Lehre“, sagte DHV-Präsident Bernhard Kempen. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) begrüßte die Empfehlungen für eine bessere Lehre. Zu guten Studienbedingungen gehörten aber auch mehr Wohnheimplätze, moderne Mensen und eine gute Bafög-Beratung, sagte DSW-Präsident Rolf Dobischat. Für den Ausbau dieser dritten Säule im Hochschulsystem neben Forschung und Lehre müssten zusätzlich 700 Millionen Euro investiert werden.

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