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Unternehmerische Universität : Wissensfabriken sind keine Wurstfabriken

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Wichtig ist deshalb, wie eine Universität ihr wissenschaftliches Personal rekrutiert, und nicht, mit welchen Mechanismen sie es anschließend zum Arbeiten bringt. Dass die Leistungsfähigkeit so mancher Wissenschaftler an deutschen Universitäten in den vergangenen Jahrzehnten zu wünschen übrigließ, hatte vermutlich weniger mit einem fehlenden Anreizsystem zu tun. Der Grund dürfte vielmehr gewesen sein, dass die Messlatte bei der Einstellung wissenschaftlichen Personals im Zuge des massenhaften Universitätsausbaus in den siebziger Jahren gelegentlich zu niedrig angesetzt wurde.

Die unternehmerische Universität löst das Prinzipal-Agenten-Problem nicht, sie schafft stattdessen ein neues. Hochschulmanager, die aufgrund fehlender Sozialisation und Expertise keinen rechten Begriff vom jeweiligen Wissenschaftsgebiet haben, treffen mit Wissenschaftlern Zielvereinbarungen, die sie mit Kennzahlen kontrollieren. Partnerschaftlich organisierte Dienstleister im Wissens- und Bildungssektor wissen es besser und überlassen die Beurteilung ihren Peers.

Fraglicher Nutzen der Größe

Es dürfte auch mit der Verwechslung von Hochschule und Produktionsunternehmen zu tun haben, dass neuerdings in Universitäten der Gedanke vorherrscht, große Organisationen seien besser als kleine. So werden Institute und Fakultäten zusammengelegt, Forschungsverbünde geschmiedet oder ganze Universitäten und Forschungseinrichtungen miteinander verschmolzen. Es ist ja richtig, dass viele Produktionsunternehmen von Größenvorteilen profitieren. Große Unternehmen können fixe Kosten auf eine größere Produktionsstückzahl umlegen und erzielen damit Kostenvorteile. Aber gilt das auch für Universitäten?

Dort, wo mit großen und teuren Geräten geforscht wird und durch Zusammenschlüsse längere Gerätelaufzeiten erreicht werden, mögen auch Universitäten von schierer Größe profitieren. Das gilt aber nicht überall. Technisch gesprochen, produzieren viele Wissenschaftsbereiche mit konstanten Skalenerträgen. Das bedeutet, dass kleine Leistungseinheiten ebenso produktiv sind wie große. Ihre Bündelung führt weder zu höherer Produktivität noch zu Kostenvorteilen. Im Gegenteil: Weil Organisationskosten mit der Größe oft überproportional steigen, entpuppen sich größere Organisationen sogar als schwerfälliger.

Im Unterschied zum produzierenden Gewerbe lässt sich im wissensintensiven Dienstleistungsgewerbe keine Dominanz großer Produktionseinheiten erkennen. Kleine spezialisierte Kanzleien und Büros behaupten sich im Wettbewerb mit großen Gesellschaften. Das zeigt, dass im Wissenssektor keine nennenswerten Vorteile durch Größe zu erreichen sind.

Dass die öffentlichen Universitäten in Deutschland nach dem Massenausbau in den siebziger Jahren an Leistungsfähigkeit verloren hatten und einer Reform bedurften, soll nicht in Abrede gestellt werden. Dass man sich dabei an Modellen orientiert hat, die sich im privatwirtschaftlichen Wettbewerb durchgesetzt haben, muss keine schlechte Strategie gewesen sein. Bei der Wahl des Vorbilds hätte man aber stärker auf die Wesensmerkmale einer Universität achten sollen.

Berthold Wigger leitet den Lehrstuhl für Finanzwissenschaft und Public Management am Karlsruher Institut für Technologie.

Quelle: F.A.Z.

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