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Bildung : Wer lehrt die Kinder googeln?

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Die Schulen sind nicht in der Lage, den Kindern im sinnvollen Gebrauch von Computern zu unterrichten Bild: dpa

Alphabetisierung beginnt beim Lesen, aber dort endet sie nicht. Den Schülern wird zum Wissenserwerb zunehmend der Rückgriff aufs Internet empfohlen. Aber niemand unterrichtet sie darin.

          Von Politikern werden landauf, landab gerne die Segnungen des Internets im Informationszeitalter beschworen. So möchte Bundeskanzlerin Merkel, wie sie unlängst auf dem Dritten Nationalen IT-Gipfel ankündigte, in drei bis vier Jahren Breitbandanschlüsse für alle Bundesbürger bereitstellen, denn dies sei eine Frage der „Lebensqualität“.

          Abgesehen davon, ob sich Lebensqualität wirklich an der Frage des Zugangs zum Internet bemisst, darf bezweifelt werden, ob die Bundesbürger, die mit Breitbandanschlüssen beglückt werden sollen, auch auf einen sinnvollen Umgang mit dieser neuen Technologie vorbereitet sind. Die Wirklichkeit in den Schulen scheint eher dagegenzusprechen. Meine Kinder – dreizehn und fünfzehn Jahre alt – besuchen die Klassen 7 und 9 eines städtischen Gymnasiums. Dieses rühmt sich seines humanistischen Profils und hat diesen Anspruch trotz der Einführung von G8 und des verpflichtenden Englischunterrichts ab Klasse 5 glücklicherweise weitgehend aufrechterhalten können, so dass optional weiterhin Griechisch und sogar Hebräisch angeboten werden.

          Nicht in der Lage auszuwählen

          Womit es sich viel schwerer tut, ist der Umgang mit den neuen Medien. Nicht nur, dass die EDV-Ausstattung der Schule – wie in den meisten öffentlichen Schulen Nordrhein-Westfalens – unzureichend ist; die Schule ist außerstande, die Schüler im sinnvollen Gebrauch von Computern und dem Internet zu unterrichten. Dieser Mangel manifestiert sich in folgender Weise: Beliebt sind bei den Lehrern Referate, die möglichst in Gemeinschaftsarbeit zu erstellen sind. Aktuelle Beispiele, auf die von den Schülern je nach Lehrkraft zehn bis fünfzehn Minuten verwendet werden dürfen, sind: Klasse 7: „Judenhäuser“ im Dritten Reich; Klasse 9: „Gottfried Keller“ und „Jazz“ sowie die Geschichte der Stadt Houston in Texas und der amerikanische Unabhängigkeitskrieg (Letzteres auf Englisch). Quellen oder Sekundärliteratur werden nur in Ausnahmefällen angegeben, stattdessen wird vage auf „das Internet“ verwiesen.

          Im Internet gibt es nun aber Tausende von Seiten mit Informationen unterschiedlicher Relevanz. Die Schüler sind aufgrund fehlender Sachkenntnis nicht in der Lage auszuwählen und verlieren sehr viel Zeit bei der Suche (ganz abgesehen davon, dass ein solcher Auftrag ein Freibrief dafür ist, viele überflüssige Stunden am Computer zu verbringen). Meist wird dann aus Bequemlichkeit wie aus Hilflosigkeit auf irgendeinen Wikipedia-Artikel zurückgegriffen. Bekanntlich ist aber deren Qualität im Einzelnen sehr unterschiedlich, so dass sie keineswegs ungeprüft als Informationsquelle herangezogen werden sollten.

          Ganze Texte einfach übernommen

          Darüber hinaus grenzt der oft zu beobachtende Umgang mit Websites an Plagiat, da ganze Texte einfach übernommen und als Ergebnis eigener intellektueller Bemühungen ausgegeben werden – dies um so eher, wenn die Schüler das Referat auch noch auf Englisch halten sollen, was sie bei ihrem aktuellen Kenntnisstand angesichts von elaborierten Fachsprachen bei den einzelnen Themen überfordert.

          Sodann wird von den Jugendlichen erwartet, „Präsentationen“ auszuarbeiten, aber es wird ihnen nicht dabei geholfen, wie diese auszusehen haben. Dazu gehören selbstverständlich der Aufbau eines Referats, der strukturierte Vortrag usw. Hier wäre vor allem das Fach Deutsch gefragt. Im „Kernlehrplan Deutsch (G8)“ für Gymnasien in Nordrhein-Westfalen heißt es zu den „Kompetenzerwartungen“ am Ende von Jahrgangsstufe 9, die Schüler sollten in der Lage sein, Referate zu begrenzten Themen zu erarbeiten und diese „(ggf. mit Hilfe eines Stichwortzettels/einer Gliederung) weitgehend frei“ vorzutragen. Warum frei? Warum lernen sie nicht zunächst, einen Gedankengang schriftlich festzuhalten, um ihn dann langsam und deutlich vorzutragen? Erst wenn man sich ein Thema schriftlich zurechtgelegt hat, kann man es später auch frei vortragen (wenn überhaupt).

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