http://www.faz.net/-gqz-7mway

Berkeley beschäftigt „Wikipedian“ : Nicht für die Universität, für Wikipedia forschen wir!

  • -Aktualisiert am

Offen für Wikipedia: die Universität von Kalifornien in Berkeley Bild: REUTERS

In Museen und Bibliotheken arbeiten sie schon. Jetzt hat auch eine erste Universität einen „Wikipedian-in-Residence“ eingestellt: In Berkeley soll er die Studenten für die Arbeit an der Enzyklopädie begeistern.

          Aufsätze, die Studenten an der Universität schreiben, liest meist nur der Dozent. Die amerikanische Spitzenuniversität Berkeley will das jetzt ändern – und zwar mit Hilfe von Kevin Gorman, einem leidenschaftlichen Autor der Internetenzyklopädie Wikipedia. Die Universität hat den vierundzwanzig Jahre alten Geographen als „Wikipedian-in-Residence“ eingestellt. Seine Aufgabe: Er soll dabei helfen, Kurse der Universität so zu gestalten, dass Arbeiten der Studenten auf Wikipedia publiziert werden kann.

          Diese Idee ist neu. Zwar gibt es bereits seit 2010 Stellen für „Wikipedians-in-Residence“, doch diese waren bisher bei Museen, Bibliotheken und anderen staatlichen Kultureinrichtungen angesiedelt. Ziel war es dabei, den Kontakt zwischen den Einrichtungen und Wikipedia-Autoren herzustellen – auch, um umfassendere Artikel über die Sammlungen zu publizieren. Die Universität Berkeley hat einen anderen Anspruch. Hier sollen die Forschungen, die Studenten im Rahmen ihrer Arbeiten betreiben, einen Beitrag zum frei verfügbaren Wissen leisten.

          Die Anforderungen der Enzyklopädie

          Wikipedia ist die größte Internetenzyklopädie. Über dreißig Millionen Einträge sind dort in über zweihundertachtzig Sprachen verfügbar. Die Autoren arbeiten unentgeltlich – jeder kann einen Artikel vorschlagen, schreiben und redigieren. Ganz dem Ansatz von Wikipedia folgend, ist auch die Initiative der Universität Berkeley offen gedacht. Gorman wird nicht nur die Dozenten seiner Universität bei der Konzeption von Kursen beraten, sondern auch allgemeine Empfehlungen für die Integration von Wikipedia-Publikationen in Lehrveranstaltungen zusammenstellen. Lehrkräfte aller Universitäten können diese dann im Internet abrufen.

          Dara O’Rourke, Umweltwissenschaftler an der Universität Berkeley, hält den Ansatz für vielversprechend. Er hat im vergangenen Semester einen Kurs angeboten, in dessen Rahmen Studenten wahlweise direkt mit lokalen Umweltgruppen zusammenarbeiten oder Wikipedia-Artikel zu Themen wie urbane Landwirtschaft ausarbeiten konnten. Die große Mehrzahl entschied sich für Wikipedia.

          Doch das Schreiben der Einträge stellte die Studenten vor eine Herausforderung: Die Artikel auf Wikipedia müssen akribisch recherchiert, in einer neutralen und leicht verständlichen Sprache abgefasst und mit wissenschaftlichen Quellen belegt sein. Gorman wird den Studenten daher nicht nur die technischen Kniffe im Umgang mit Wikipedia erklären, sondern ihnen auch mit Tipps zum Schreiben und Recherchieren zur Seite stehen.

          Forschung und Gemeinnützigkeit

          Gorman, der selbst schon als Student eifrig für die Wikipedia schrieb, hofft, dass die Initiative neue Autorenkreise erschließen und so auch ein bestehendes Ungleichgewicht abschwächen kann: Bisher sei der Großteil der Autoren männlich und weiß. In Berkeley hingegen ist diese Gruppe in der Minderheit.

          Die Stelle von Gorman, die durch das American Cultures Engaged Scholarship Program finanziert wird, ist zunächst befristet. Doch der Start sei gut verlaufen, meldet die Campus-Zeitung „The Daily Californian“: Gorman habe so viele Anfragen von Professoren erhalten, dass er nicht allen Wünschen nachkommen konnte.

          Die zwei Pfeiler der Universität Berkeley seien Forschung und gemeinnütziges Wirken, doch die Ergebnisse der Forschung seien oft nicht frei zugänglich, erläutert Gorman der Campus-Zeitung: „Dieses Projekt erfüllt den Anspruch der Universität direkt.“

          Weitere Themen

          Wie gewonnen, so zerredet

          Bayern-Wahl : Wie gewonnen, so zerredet

          Die Verlierer machen es auch nicht besser: Das Ergebnis der bayerischen Landtagswahl offenbart einen messbaren Wähler-Überdruss an Schicksalsfragen.

          16 Stunden auf der Buchmesse Video-Seite öffnen

          Von morgens bis nachts : 16 Stunden auf der Buchmesse

          Vom frühen Morgen bis zur letzten Party in der Nacht: F.A.Z.-Redakteur Simon Strauß hat Autoren, Verleger, Blogger und Buchhändler getroffen und über die Zukunft des Buchs gesprochen. Wir haben ihn mit der Kamera begleitet.

          Topmeldungen

          DFB-Team in der Krise : Die Weltmeister sind ziemlich in die Jahre gekommen

          Joachim Löw stärkt seinen WM-Siegern von 2014 weiter den Rücken. Dabei ist die Achse längst brüchig. Die jungen Spieler hält der Bundestrainer klein. Nun passiert im DFB-Team etwas, das es so seit vielen Jahren nicht gab.
          Pickel sind ein leidiges Thema – gerade in der Teeniezeit. In den Vereinigten Staaten führen diese aber auch dazu, dass Heranwachsende mehr lernen.

          FAZ Plus Artikel: Erfolg im Beruf : Pickel tun gut

          Millionen Jugendliche auf der Welt teilen ein Schicksal: Sie haben unreine Haut. Das macht schlechte Laune, steigert aber die Chancen auf beruflichen Erfolg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.