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Veröffentlicht: 16.08.2015, 13:16 Uhr

Flüchtlingsdebatte Being Til Schweiger

Tatort Facebook: Der erfolgreichste Filmemacher des Landes setzt sich öffentlich für Flüchtlinge ein. Dafür muss er einiges an Hass und wohlfeilem Spott kassieren. Warum wird an Menschen, die nichts falsch machen, eigentlich so oft herumgemäkelt?

von
© © Stephan Pick /ROBA Images Til Schweiger

Die Schauspielerin Friederike Kempter („Oh Boy“, „Tatort“ Münster) postete im Juni auf ihrer offiziellen Facebook-Seite einen Link zu einem kleinen Fernseheinspieler, den sie für die UNO-Flüchtlingshilfe gemacht hatte, um auf den Weltflüchtlingstag aufmerksam zu machen. In der nächsten halben Stunde war auf ihrer Seite die Hölle los. Menschen, die nie zuvor auf ihrer Seite aktiv gewesen waren, die diese auch nie geliked hatten und ihre Beiträge also nicht automatisch sahen, kommentierten unangenehm, böse und den üblichen Reflexen verfallend („Jaja, die feine Frau Kempter, die bestimmt viel Geld verdient, macht einen auf Wohltäter“; „sollen doch andere Länder Flüchtlinge nehmen“; „gut fürs Image…“; „Deutschland hat genug Probleme“…).

Es seien so schnell so viele Kommentare gewesen, sagt Kempter, dass sie sich frage, wie ihr Beitrag sich derart schnell habe verbreiten können. Nie zuvor hatte irgendetwas von ihr ins Netz gestelltes eine derart massive Reaktion ausgelöst. Ihr sei es fast vorgekommen wie eine konzertierte Aktion.

Sie war so entsetzt oder traurig oder fassungslos oder eine Mischung aus alledem über die Kommentare, dass sie etwa nach einer Stunde die Nerven verlor und ihren Beitrag wieder löschte. Und damit auch die Kommentare.

Til Schweiger löscht sie nicht.

Auch er postet auf seiner Hinz und Kunz offenstehenden Facebook-Seite immer wieder mal Beiträge, die kein Sendehinweis auf einen neuen „Tatort“ mit ihm sind oder die stolze Verkündung der jüngsten Zuschauerrekorde seiner Kinofilme (zuletzt „Honig im Kopf“ – mehr als sieben Millionen Zuschauer), sondern die eher mit Politik zu tun haben, oder sagen wir: mit dem Weltgeschehen.

Das Thema, das ihn dabei in jüngster Zeit am meisten bewegt, sind Flüchtlinge. Er möchte ein Flüchtlingsheim bauen lassen beziehungsweise, um genau zu sein, mit einer Stiftung dafür sorgen, dass dort dann bessere Bedingungen herrschen als sonst üblich, er möchte helfen, er möchte sich einbringen – und hat sich deshalb auch mit Sigmar Gabriel getroffen, dem ehemaligen Popbeauftragten der SPD (sorry, aber darüber komme ich nicht hinweg), heute Vizekanzler, um entweder diesem seine Meinung zu sagen oder sich dessen Meinung anzuhören, bestenfalls Meinungen auszutauschen.

Mit Gabriel im Soho-House

Das bei diesem Treffen entstandene Foto der beiden fast gleichaltrigen Männer (Schweiger ist 51, Gabriel 55) sieht aus, als sei es im Berliner Privatclub Soho-House aufgenommen worden, was deshalb erstaunlich ist, weil das bedeuten würde, das normal dort herrschende rigorose Fotoverbot wäre doch tatsächlich vorübergehend aufgehoben worden, doch dies nur am Rande.

Was sein Facebook-Verhalten angeht, muss man sagen, dass Til Schweigers Nachname nicht zu ihm passt. Er postet sehr viel. Das lässt den Schluss zu, dass er sehr viel Zeit vor seinem Computer verbringt. Was angesichts der Temperaturen gerade natürlich ein wenig schade für ihn ist. Die Geschichte seiner Facebook-Flüchtlings-Posts ist inzwischen eine Geschichte voller Missverständnisse.

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