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„Finis Germania“ : Eine absolute Ausnahmeliste

Sollte eigentlich ganz objektiv auf einer Liste stehen: Rolf Peter Sieferles Bändchen „Finis Germania“. Bild: FAZ

Erst befördert ein Spiegel-Redakteur das umstrittene Buch auf die Bestsellerlisten, nun befördert es das Magazin wieder heraus. Über einen kontraproduktiven Eiertanz.

          Die Bestsellerlisten werden durch elektronische Abfragen in den Warenwirtschaftssystemen buchhändlerischer Verkaufsstellen ermittelt“. So liest man es in den Erläuterungen, die jenen Bestsellerlisten beigegeben sind, die das Branchenmagazin „Buchreport“ mit Rückgriff auf Daten eines Mediendienstleisters wöchentlich für den „Spiegel“ erstellt. Listen also, auf denen Bücher nach ihrem Verkaufserfolg gereiht werden.

          Bis auf Ausnahmen allerdings, oder zumindest eine „absolute Ausnahme“, wie die Chefredaktion des „Spiegels“ nun einräumte: Sie hatte nämlich den Traktat „Finis Germania“ von Rolf Peter Sieferle aus der aktuellen Sachbuch-Bestsellerliste gestrichen, wo er in der Vorwoche auf dem sechsten Platz gestanden hatte. Stillschweigend zuerst, um dann auf Nachfragen hin ihren Eingriff einzuräumen. Begründet wurde er mit der Feststellung, dass man für ein „klar antisemitisches, rechtsradikales und geschichtsrevisionistisches“ Buch keine „Empfehlung unter der Marke Spiegel“ abgeben und auf diese Weise zu seiner Verbreitung beitragen wollte. Schließlich würden die Listen im Buchhandel als Empfehlungen eine wichtige Rolle spielen.

          Ressentiments pudeln sich auf

          Ein Blick ins Netz zeigt freilich, wenig überraschend, dass man damit den Skandalwert des Buchs nun durchaus befördert hat. Kein Ruhmesblatt für den „Spiegel“: Zuerst sorgt einer seiner Redakteure dafür, dass Sieferles Büchlein, in dem sich Ressentiments der fatalen Art zur tiefsinnig daherkommenden Diagnose deutscher Zukunft aufpudeln, auf die Sachbuch-Bestenliste von NDR, „Süddeutscher Zeitung“ und „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ kommt. Weil die wirklich eine Empfehlungsliste ist, war hier der demonstrativen Distanzierung schwer zu entkommen.

          Der dadurch ausgelöste Skandal trieb die Nachfrage nach dem Titel sofort in die Höhe, und zwar letztlich so deutlich, dass er auch in die Bestsellerliste vordrang, wo er nun der Chefredaktion des „Spiegels“ Markenprobleme bereitete, die sie auf eine Weise löste, welche die Nachfrage kaum schwächen wird. Denn die Kreise, in denen dieses Buch Resonanz findet, warten nur auf solche Aktionen. Das Verfahren war nicht bloß ungeschickt, es lässt sich daraus auch eine Empfehlung ableiten: nämlich sein Image besser nicht an Verkaufslisten zu knüpfen, um es dann mit paternalistisch anmutenden Eingriffen behüten zu müssen.

          Und sich überdies nicht einzubilden, man hätte die Aufgabe, über die Verbreitung von Büchern zu wachen, zumal das gerade in heiklen Bereichen unter den mittlerweile geltenden medialen Bedingungen ohnehin nicht gelingt. Bestsellerlisten sollen zeigen, was gekauft wird, ohne alle Kosmetik. Ernüchternd sind sie auf die eine oder andere Weise fast immer, manchmal immerhin auch aufschlussreich, wozu absolute Zahlen zudem beitrügen. Man sollte sie einem Branchendienst überlassen, der auch nur von Verkäufen handelt. Dann ersparte man sich einen kontraproduktiven Eiertanz, wie ihn der „Spiegel“ gerade vorgeführt hat.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

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          Quelle: F.A.Z.

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