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Filmzensur in China : W wie Willkür

Bild: dapd

Die chinesische Zensur streicht im neuen „James Bond“ die Szene, in der ein chinesischer Wachmann erschossen wird. Politisch viel brisantere Filme gehen dagegen ungeschnitten durch.

          Der neue James Bond, in dem die Skyline von Schanghai und das Kasinoflair von Macao gut wegkommen, ist diese Woche mit ansehnlichem Erfolg und einem eigenartigen Zensurschnitt in China angelaufen. Das Amt für Radio, Film und Fernsehen findet es offensichtlich nicht akzeptabel, dass in einem in chinesischen Kinos gezeigten Film ein chinesischer Wachmann in einem Schanghaier Wolkenkratzer von einem französischen Killer erschossen wird.

          An der Gewalt kann es nicht liegen, dass die Szene herausgenommen wurde; weit brutalere Bilder bleiben in anderen Filmen unbeanstandet. Vielmehr scheinen die Sicherheitsbedenken auf die Nationalität und die öffentliche Funktion des Getöteten zurückzugehen. Weitere Eingriffe tilgten aus den chinesischen Untertiteln Hinweise auf die Existenz von Prostitution und folternden Geheimdienstleuten in China. Dabei zeichnet sich der neue James Bond ja gerade dadurch aus, dass vertraute nationale und ideologische Gegensätze bis an die Grenze der Markenverträglichkeit aufgebrochen werden.

          Ist China von den Tücken der Welt ausgenommen?

          Die Skrupulosität der Zensoren ist nur schwer damit zusammenzubringen, dass sie im Dezember zur besten Sendezeit und zur Verblüffung des Publikums im Staatsfernsehen einen Film zuließen, in dem es recht detailliert um den Sturz eines diktatorischen Regimes geht: „V for Vendetta“ - geschrieben übrigens von den Geschwistern Wachowski, deren jüngster mit Tom Tykwer gedrehter Film „Cloud Atlas“ ebenfalls demnächst in China anlaufen wird, in einer um 39 Minuten, offenbar vor allem Sexszenen betreffenden gekürzten Version.

          Entweder sind die Kriterien der Zensoren völlig willkürlich, oder es geht ihnen um die Präsentation einer im übrigen recht rauhen Welt, von deren Tücken allein China ausgenommen ist - als lokal begrenzter Fall eines Endes der Geschichte gewissermaßen.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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