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Film Wie im Kino

27.03.2003 ·  "Kennt man ja aus Filmen", heißt es in Stuckrad-Barres „Soloalbum“, und genau im Bezug auf diese Muster funktioniert sein Schreiben. Wenn man aber im Kino diesen Satz denkt, dann ist mit der Verfilmung seines Romans irgend etwas schiefgelaufen.

Von Michael Althen
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Wenn sich ein Buch über dreihunderttausendmal verkauft, ist das immer ein guter Grund für eine Verfilmung. Zumal Benjamin von Stuckrad-Barres "Soloalbum" zu den wenigen deutschen Büchern gehört, deren Leserschaft eine gewisse Schnittmenge mit dem aktuellen Kinopublikum bildet.

"Popliteratur" wird das zumeist abschätzig genannt, und man weiß nie so recht, was mit diesem Begriff eigentlich abqualifiziert werden soll. Die Beschäftigung mit der Popkultur ist schließlich immer eine Auseinandersetzung mit Gegenwart; also müßte man "Soloalbum" als Gegenwartsliteratur begreifen, die diesen Namen auch verdient. Und wem das "Soloalbum" zu egozentrisch ist - der Titel legt es ja schon nahe -, der sollte es vielleicht einmal mit "Livealbum" versuchen, in dem man dereinst unsere Gegenwart besser wiedererkennen wird als in manchem Roman, dessen Zeitgenossenschaft heute noch gepriesen wird.

Furor der Selbstgerechtigkeit

In "Soloalbum" geht es um Liebeskummer, um einen jungen Mann, der zu spät erkennt, was er an seiner Freundin hatte. Er schreibt sich in eine Suada aus Selbstmitleid und Welthaß hinein, aus der ihn natürlich nur die Liebe selbst wieder erlösen kann. Was die Erlösung angeht, kann die Verfilmung die bezaubernde MTV-Moderatorin Nora Tschirner aufbieten, aber für den Rest findet Regisseur Georg Schnitzler keine rechte Lösung.

Denn was aus der Innensicht des Romans heraus seine eigene Logik entwickelt, der selbstgerechte Furor der Abrechnung mit allem und jedem, das wirkt in der Außenansicht des Films nur noch überheblich. Wo das Buch seinen Charme entwickelt, indem der Erzähler seine eigene Entschiedenheit nach und nach Lügen straft, erscheint die Großmäuligkeit des Helden im Film (Matthias Schweighöfer) aufgesetzt und wenig gewinnend. Den Punkt, an dem seine Arroganz ihre eigene Attraktion entfaltet, erreicht er nie.

Unentschlossene Gestrigkeit

Schnitzler und seine Drehbuchautoren Jens-Frederick Otto und Christian Zübert haben das wohl geahnt und geben gleich zu, der Film sei "frei" nach "Soloalbum" entstanden. Das ist ihr gutes Recht. Letztlich können sie mit den Motiven des Romans machen, was sie wollen. Aber um dem Geist der Vorlage gerecht zu werden, müßte schon mehr herausspringen als nur ein Song der Sportfreunde Stiller. Die Begeisterung für die Band Oasis war beim Erscheinen des Buches 1998 eben noch nicht so abgestanden wie heute, wo man sie den Helden nicht mehr so recht abnimmt. Insgesamt hängt dem Film etwas Gestriges an, es fehlt ihm die Entschlossenheit, den Ton anzugeben, statt immer nur hinterherzupfeifen.

"Kennt man ja aus Filmen", heißt es bei Stuckrad-Barre, und genau im Bezug auf diese Muster funktioniert sein Schreiben. Wenn man aber im Kino diesen Satz denkt, dann ist irgend etwas schiefgelaufen. Weil Georg Schnitzler das Spiel mit den Vorbildern verweigert und sich einfach nur auf die alten Muster der Teenie-Komödie verläßt. Und manchmal funktioniert das sogar - wenigstens solange Nora Tschirner im Bild ist.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2003, Nr. 74 / Seite 40
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