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Film und Fernsehen Traumgesicht: Gisela Uhlen ist tot

17.01.2007 ·  Zuletzt war sie auf die Rolle der Förstersmutter im „Forsthaus Falkenau“ des ZDF festgelegt. Doch Gisela Uhlens schauspielerisches Leben war ebenso bewegt ihr privates. Im Alter von 87 Jahren ist sie nach längerer Krankheit gestorben.

Von Andreas Kilb
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Wenn man an sie denkt, sieht man als erstes die rüstige, manchmal gutherzige, manchmal durchtriebene alte Dame vor sich, die sie in zahllosen Fernsehkrimis, in „Forsthaus Falkenau“ und auch in „Meister Eder und sein Pumuckl“ in den vergangenen zwanzig Jahren gespielt hat: die wachen, glitzernden Augen, der elegant geschwungene Mund, die weiche, bei Bedarf auch schnarrende und gebieterische Stimme. Aber Gisela Uhlen hat auch ganz andere Rollen in ihrem Leben gespielt, sie war eine Soldatenbraut in ihrem Filmdebüt „Annemarie“ von 1936, eine Patriotentochter in „Ohm Krüger“ (1941), eine Malersgattin in „Rembrandt“ (1942) - und, zwanzig Jahre später, eine undurchsichtige Schöne in Alfred Vohrer „Indischem Tuch“, einem der bekanntesten Edgar-Wallace-Filme der frühen Sechziger.

Im Ufa-Kino der Nazis, zu dem sie nach einer früh begonnenen Schauspielerausbildung am Leipziger Konservatorium und ersten Erfahrungen am Berlin Schillertheater kam, gehörte sie zu jenen jungen Gesichtern, die Zartheit und Entschlossenheit zugleich verkörpern konnten - wie die wenige Jahre jüngere Hildegard Knef, mit der sie auch manche Züge ihres unruhigen, von sechs Hochzeiten und Trennungen geprägten Privatlebens gemeinsam hat.

Altersrollenklischee Baronin

Als sie nach dem Krieg wieder eine Arbeitserlaubnis bekam, versuchte Gisela Uhlen zunächst eine Filmkarriere im Westen unter der Regie ihres dritten Ehemanns Hans Bertram; als diese scheiterte, ging sie mit Ehemann Nummer vier Wolfgang Kieling zur Defa, wo sie ihren fünften Mann kennenlernte, den Regisseur Herbert Ballmann, in dessen Filmen sie bald Hauptrollen spielte. Zurück im Westen, verkörperte sie Mörderinnen und Lebedamen für Bildschirm und Leinwand, bevor sie mit der Baronin von Rantrup in „Familie Hesselbach“ in ihr Altersrollenklischee schlüpfte, die Patriarchin mit Stil und klassischer Betonung.

Wie viele verkannte Größen des deutschen Films ist auch Gisela Uhlen von Rainer Werner Fassbinder wiederbelebt worden, für „Die Ehe der Maria Braun“, wo sie die Mutter Hanna Schygullas spielte; für ihren Auftritt bekam sie einen deutschen Filmpreis. Nach Fassbinders Tod blieb ihr nur das deutsche Fernsehen: „Tatort“, „Derrick“, „Der Alte“, „Kommissar Rex“ - vorbei, verweht. Aber ihr Gesicht wird uns fehlen. Jetzt ist Gisela Uhlen in Köln gestorben, siebenundachtzig Jahre alt.

Quelle: F.A.Z., 17.01.2007, Nr. 14 / Seite 33
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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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