14.11.2003 · Ein Gespräch mit Anke Engelke über ihre Arbeit als Synchronsprecherin für den amerikanischen Animationsfilm „Findet Nemo“, der ab nächster Woche auch in Deutschland zu sehen ist.
In den Vereinigten Staaten hat „Findet Nemo“ ein großer Kassenerfolg. Und auch Anke Engelke schwärmt von dem Unterwasser-Abenteuer, in dem sie der Fisch-Dame Dorie ihre Stimme leiht. Ein Gespräch mit Deutschlands Erfolgs-Komödiantin über die Arbeit als Synchronsprecherin.
Erkan und Stefan haben gesagt, Sie seien nur ein kleiner Fisch.
Dem muß ich nichts mehr hinzufügen, das stimmt. Ich bin ein ganz kleiner, vergeßlicher, aber freundlicher Fisch. Und ich finde das ganz charmant, so ein kleines Fischlein zu sein.
Die meisten deutschen Schauspieler sind ganz angetan von der Synchronsprecherarbeit, sagen aber auch, daß es auf Dauer langweilig wird - die vielen Versprecher und Wiederholungen nerven.
Da habe ich nicht so die Erfahrung, für mich war es erst die zweite Synchronarbeit. Aber ich habe das nie als langweilig empfunden. Im Synchronstudio zu stehen ist hart, weil man auf so vieles achten muß. Man hängt da am Monitor, um zu gucken, ob es paßt. Möchte dann aber den Text noch unterbringen und wenn möglich, gut spielen. Das ist wahnsinnig anstrengend. Aber ich fühle mich immer geehrt, wenn ich angefragt werde. Und ich würde das jederzeit wieder machen. In dem Film wäre ich alles gewesen, auch eine Seegurke, ganz egal.
Dorie leidet an Gedächtnisschwund. Ist Vergesslichkeit etwas, was sie kennen aus ihrem Leben?
Nein, eigentlich bin ich da gegenbesetzt, Vergeßlichkeit ist eher Christians Sache (Synchronsprecher Christian Tramitz, Anm. d. Red.). Ein bißchen dusselig bin ich auch, aber ich kann mir Sachen sehr gut merken. Ich habe eher Parallelen entdeckt, was den philosophischen Unterbau angeht. Dorie ist eine Frau, die immer wieder sagt, wie wichtig Freundschaften sind und wie eine Freundschaft geartet sein muß, damit sie stabil ist. Sie hat die Funktion der moralischen Instanz. Sie ist naiv, gutgläubig, und - wenn ihr mal was Schlechtes passiert - vergißt sie es sofort wieder. Das ist der einzige Vorteil von Gedächtnisschwund, daß man alles vergisst, auch das Häßliche.
Wie wichtig ist es für den Film, daß Prominente die Figuren sprechen?
Ich frage mich gerade, ob das inflationär ist, und ob das irgendwann nur noch Promis übernehmen. Christian Tramitz kann man alles anvertrauen - er hat schon Ray Liotta gesprochen und Matt Dillon. Bei mir wäre es eher hinderlich, noch mehr zu machen. Ich habe schon zu viele komische Attribute bekommen. Die habe ich mir zwar nicht gewünscht oder eingefordert, aber sie machen es schwierig. Wenn da irgendetwas Tragisches, Trauriges käme, dann würden alle denken: Das kann doch nicht die lustige Anke Engelke machen. Daß ich lustig bin, hat irgendwer anders entschieden, als ich 30 war. Ich bin ja nicht freiwillig in das lustige Fach gewechselt. Und nun muß man aufpassen, daß man nicht „nur“ lustig ist.
Sie kennen sich nun gut aus in der Unterwasserwelt. Sieht man die jetzt anders?
Nein, eigentlich nicht. Ich bin nur froh, daß kein Delphin auftaucht, weil ich finde, daß Delphine inflationär benutzt werden als die guten Fische, die intelligenten Menschenversteher. Das finde ich sehr klug gewählt. Wenn überhaupt habe ich gelernt, daß ich einfach nicht tauchen möchte, weil wir Menschen da nur stören.