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Film Harry Potter oder wenn die Fantasie auf die Leinwand gerät

21.11.2001 ·  Harry Potter hat eine Autorin zur Mutter und einen Regisseur zum Vater. Chris Columbus hat den Stoff für die Leinwand adaptiert.

Von Markus Tschiedert
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Eines gleich vorweg: "Harry Potter"-Fans werden es Regisseur Chris Columbus für immer und ewig übel nehmen, dass sein Filmheld so gar keine Ähnlichkeit mit dem Zauberjungen aus den Büchern der Autorin Jeanne K. Rowling hat. Ihrer Ansicht nach reicht es nun mal nicht, einem 11-Jährigen eine Nickelbrille aufzusetzen und ihn dann schon in Harry Potter verwandelt zu sehen.

Der echte Harry, der Buch-Harry, hat keine braune Topffrisur, sondern schwarzes, zauseliges Haar, und die einzelnen Strähnen seiner Kopfpracht lassen sich kaum bändigen. Den echten Harry Potter gibt es sowieso unzählige Male; in jedem Leserkopf spukt ein anderer, weil sich jeder sein ganz persönliches Bild von ihm macht.

Chris Columbus, der in Hollywood seit "Kevin - Allein zu Haus" als Komödienspezialist gilt, hat es sich nicht leicht gemacht, mit Harry Potter und der Stein der Weisen" das erste Kinoabenteuer des beliebten Magiers zu entzünden. Die Autorin stets im Rücken, achtete er akribisch genau darauf, dass möglichst viele Details des Erstlingsroman auch im Film wiederzufinden sind. Und wenn er das eine oder andere doch außen vor lassen musste, lag es nur daran, dass sein Film die übliche Länge nicht überschreiten sollte. Auf zweieinhalb Stunden beläuft sich jetzt die Filmdauer, und laut Aussage des Regisseurs wäre mindestens die dreifache Zeit nötig gewesen, um dem Buch haargenau zu folgen.

So muss die einführende Leidensgeschichte des Waisenjungen, dessen Eltern von dem bösen Lord Voldemort ermordet wurden, in dreißig Minuten erzählt werden, um die Zuschauer endlich in die Parallelwelt der Hexen und Zauberer zu entführen und damit genügend Zündstoff für Showeffekte zu bieten. Nachdem Harry (Daniel Radcliffe, der aus 40.000 Bewerbern ausgewählt wurde) an seinem 11. Geburtstag Besuch von dem Riesen Hagrid (Robbie Coltrane) bekommt, erfährt er die Wahrheit über sich und seine Familie: Seine Eltern waren Zauberer, und auch in ihm steckt diese Gabe, die sich erst entfalten kann, wenn er die Zauberschule in Hogwarts besucht.

In "Harry Potter und der Stein der Weisen" wird viel erklärt, was allerdings nicht am Film, sondern an der Vorlage liegt. Personen und Schauplätze müssen etabliert werden. Zumindest für Potter-Kenner ist es äußerst spannend zu verfolgen, wie die Fantasie, zum Beispiel das wilde Quidditch-Match - ein Ballspiel, dass in der Luft auf Besen bestritten wird - überhaupt auf die Leinwand transportiert werden konnte. Zugegeben, die Spielregeln werden im Film nicht deutlich, aber wie die Schlacht auf den Besenstilen mit modernster Computeranimation in Szene gesetzt wurde, darf sich mit den Raumschiffattacken aus "Star Wars" vergleichen.

Gekürzt werden musste noch hier und da, und auch der kleine Drache Norbert kommt gegenüber dem Buch etwas zu kurz. Dass aber die meisten Fans trotzdem ganz zufrieden sein dürften, liegt daran, dass Chris Columbus und seine Crew ihrem Film mit atmosphärischen Bildern eine Seele geben konnten, die der Vorlage gerecht wird. Das alte Schloss, in dem sich die Zauberschule befindet, wirkt im Film genauso geheimnisvoll wie im Buch und steigert die Erwartungshaltung der Zuschauer gegenüber weiteren Folgen.

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