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Biopic über Fritz Lang : Stereotypen strahlen heller in Schwarzweiß

Schuldig? Die geisterhaft erscheinende Anna Kohn erinnert Fritz Lang an seine erste Ehefrau, deren Tod nie aufgeklärt wurde. Bild: Belle EpoqueFilms

Der Regisseur Gordian Maugg erzählt die private Geschichte hinter dem Thriller „M“ aus dem Jahr 1931. In „Fritz Lang“ vergisst er aber leider seine beste Anekdote.

          Die beste Anekdote über die Entstehung des Kinoklassikers „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ lässt sich Gordian Maugg in seinem Film über Fritz Lang entgehen. Sein Hauptdarsteller Peter Lorre, hat Lang später erzählt, konnte nicht pfeifen, deshalb habe er das Motiv aus Griegs „Peer Gynt“, das zur Erkennungsmelodie von „M“ wurde, selbst eingespielt. In Mauggs „Fritz Lang“ dagegen sieht man den Titelhelden nie die Lippen spitzen, obwohl Heino Ferch, der ihn spielt, bei früheren Auftritten bewiesen hat, dass er zum Pfeifen durchaus in der Lage ist. Aber vielleicht war ja auch das nur ein Trick der Synchronisation.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Die zweitbeste Anekdote aus Langs Karriere hat Maugg allerdings aufgegriffen. Im Grunde baut er seinen Film um sie herum. Es geht um Mord – oder Selbstmord. Am 25. September 1920 stirbt Fritz Langs erste Ehefrau Elisabeth Rosenthal in der Berliner Wohnung des Ehepaars in der Tharandter Straße 1 durch einen Schuss aus Langs Browning. Der herbeigerufene Arzt diagnostiziert einen Brustschuss, die Polizei spricht von einem Unglücksfall und stellt die Ermittlungen ein. Lang und Elisabeth sind an diesem Tag allerdings nicht allein in ihrer Wohnung in Wilmersdorf. Mit dabei ist Langs Mitarbeiterin und spätere zweite Ehefrau Thea von Harbou, die zusammen mit ihrem Geliebten die Polizei alarmiert.

          Der Film setzt am Tiefpunkt ein

          Was genau an jenem 25. September passiert ist, hat außer den Beteiligten nie jemand erfahren. Auch Gordian Maugg weiß es nicht. Aber er zeigt es in wünschenswerter oder, je nach Gusto, unerwünschter Deutlichkeit. Im Schlafzimmer, auf dem Ehebett, sind Fritz und Thea mit dem beschäftigt, was man den Akt der Liebe nennt, als Elisabeth hereinplatzt. Es gibt einen Wortwechsel, und Lang zieht seine Offizierspistole. Dann wird das Bild schwarz. Die Tote im Badezimmer, von der alle einschlägigen Biographien reden, zeigt Maugg nicht mehr. Doch er deutet mit der Kamera auf den Täter, und er spricht bildlich aus, was die Biographen bloß suggerieren; dass es die Geschehnisse vom September 1920 waren, die Lang in die entscheidende Krise und Wandlung seines Regisseurslebens geworfen haben, den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm.

          Mauggs „Fritz Lang“ setzt knapp zehn Jahre später ein. Im Frühjahr 1930 treibt Lang durch ein privates und berufliches Tief. Die Liebe zu Thea von Harbou (Johanna Gastdorf) ist seit langem erkaltet, der Science-fiction-Stummfilm „Frau im Mond“, für den er noch einmal alle Register des Monumentalkinos gezogen hat, läuft nur mit halbem Erfolg, und Langs Produzent Seymour Nebenzahl braucht dringend ein neues Projekt, damit der Rubel weiter rollt.

          Auch Maugg möchte richtiges Thrillerkino machen

          Aber Lang hat keine Idee. Um sich abzulenken, lässt er sich auf den Straßenstrich ins Berliner Scheunenviertel fahren, wo sich die Rollkommandos der SA mit Kommunisten prügeln, doch auch der Sex mit einer käuflichen Walküre entzündet kein Licht in seinem Kopf. Da liest er, von seinem Chauffeur am grauen Ufer des nächsten Morgens abgesetzt, in der Zeitung von der Jagd auf einen Frauenmörder in Düsseldorf.

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