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Film : Christus kam nur bis Hollywood

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Von "König der Könige" bis "Die letzte Versuchung Christi", von Pasolini bis Monty Python - sechs Filme, die sich ihren eigenen Reim auf die Passionsgeschichte machen.

          Von "König der Könige" bis "Die letzte Versuchung Christi", von Pasolini bis Monty Python - sechs Filme, die sich ihren eigenen Reim auf die Passionsgeschichte machen.

          Die letzte Versuchung Christi

          Die Bibel lesen heißt die Bibel deuten - und all den Predigern der Wortwörtlichkeit und Pharisäern der Werktreue möchte man, wenn man mal wieder über Mel Gibsons "Passion" lesen muß, so und nicht anders sei es gewesen, die Aufgabe stellen, sich eine wortwörtliche und absolut werktreue Verfilmung des ersten Satzes aus dem Johannesevangelium vorzustellen. "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort." Soll man da "Herr der Ringe"-hafte Spezialeffekte einsetzen? Oder soll man es vielleicht doch lieber so inszenieren, wie das, in der "Letzten Versuchung Christi", Scorsese tut, der Jesus als den Wüstenbewohner erkennt und den Gott Israels als Wüstengott und der in der Wüsteneinsamkeit und der Wüstenstille die Stimmen erklingen läßt, von denen Jesus lange nicht weiß, zu wem sie gehören und was sie ihm sagen wollen? Ist es Gott, der da spricht, ist es der Satan, oder ist es bloß der Wüstenwahnsinn, der den erfaßt, der zu lange in die Sonne geguckt hat und in die leere Nacht und der dabei zuviel in sich hineingehört und zuwenig mit seinen Freunden und Verwandten gesprochen hat?

          Man muß sich die Rolle des Messias als eine Zumutung vorstellen für den einfachen Menschen Jesus, eine Zumutung, die lange vor der Passionsgeschichte beginnt. Und wenn dieser Jesus vor seinem Tod davon träumt, daß er mit Maria Magdalena hätte glücklich werden können, dann ist das keine Blasphemie, sondern nur das Ergebnis einer sehr ernsthaften Lektüre des Johannesevangeliums, wonach das Wort Fleisch geworden sei.

          Das 1. Evangelium - Matthäus

          Auch Pier Paolo Pasolini hat - wie Mel Gibson - die Kreuzigung Jesu im süditalienischen Matera gedreht. Aber das ist schon die einzige Gemeinsamkeit zwischen seinem "Evangelium" von 1964 und der "Passion Christi". Pasolini arbeitete mit Laiendarstellern, sein Jesus, Enrique Irazoqui, war ein katalanischer Student, die Maria, Susanna Pasolini, seine eigene Mutter; und er verzichtete auf alle Überwältigungsstrategien, visuelle wie akustische. Der Film, der so entstand, ist vielleicht das einzige wirkliche Wunder des Bibelkinos, eine Geschichte von armen Bauern und Fischern, aus deren Mitte der Sohn Gottes erwächst, ein Wanderprediger und Rebell, den Irazoqui mit einer zornigen Entschlossenheit spielt, die kein anderer Leinwand-Jesus je wieder erreicht hat.

          Die Bilder sind meist im Gegenlicht aufgenommen, das die Figuren aus der kargen und steinigen süditalienischen Landschaft herausmeißelt, während sie den Text des Matthäusevangeliums sprechen. Dazu erklingt Musik von Bach, aber auch ein Gospel von Billie Holiday; es schlägt die Verbindung von der abendländischen Christus-Ikonographie zu den Unterdrückten aller Kontinente, aller Zeiten. Ein paar Jahre später hat sich Pasolini in einem Interview vom "ekelhaften Pietismus" seiner Wunderszenen distanziert. Aber er erzählt auch, wie nah ihm die Figur des leidenden und zugleich kämpfenden Christus gewesen sei - "wegen der schrecklichen Zweideutigkeit, die er enthält". Der Film ist Johannes XXIII. gewidmet, dem Papst der Aussöhnung und der Volkstümlichkeit, dem Feindbild aller Traditionalisten. Die faschistische und die marxistische Intelligenz haben ihn von Anfang an gehaßt.

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