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Feuilleton-Glosse Zwei Perspektiven

20.01.2012 ·  Siebzig Jahre Wannseekonferenz: Auch über Yossi Peled fällten die Nazis das Todesurteil. Jetzt erinnerte Israels Staatsminister an die millionenfache Ermordung der Juden.

Von Regina Mönch
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Nie mehr wird die Berliner Villa am stillen Wannsee den Fluch, den Stempel der Schande los, den ihr nationalsozialistische Mörderbürokraten aufdrückten, als sie die „Endlösung“ der Judenfrage vor siebzig Jahren hier berieten. Das Menschheitsverbrechen, die Ermordung der europäischen Juden, hatte da längst begonnen. In Polen, in Weißrussland, dem Baltikum und der Ukraine. Am Wannsee ging es nur noch „um perfekt organisierte Verwaltungsakte deutscher Behörden“, wie Bundespräsident Wulff gestern in seiner kurzen Gedenkrede am Ort der Wannseekonferenz sagte. Er nahm, wie alle Redner dieses Vormittags, das Bild der trügerischen Idylle auf und erinnerte an den berühmten Film „Menschen am Sonntag“, der 1928 ganz in der Nähe entstanden war. Das Skript dazu hatte Billy Wilder geschrieben, der damals noch Billie Wilder hieß und in Berlin-Schöneberg lebte, bis ihn der Rassenwahn der Nationalsozialisten ins Exil trieb.

Erinnerung als nationale Aufgabe

Die Wannseekonferenz als Bruchstelle der Zivilisation, die nie vergessen wird, und die Erinnerung daran als „nationale Aufgabe“ waren nicht nur für die Rede des Bundespräsidenten das Leitmotiv. Ihm dankte und antwortete der israelische Staatsminister Yossi Peled. Er sei in Belgien geboren worden, als Jefke Mendelevich, und auch darum bleibe diese Wannseevilla, sagte Peled, noch auf eine andere, Juden wie ihm vorbehaltene Weise einer der „schrecklichsten Orte“ der Erinnerung überhaupt. Hier sei endgültig das Todesurteil über „Millionen Menschen wie mich“ gefällt worden, sagte er. Überlebt habe er nur, weil ihn seine Eltern als Kind in die Obhut einer christlichen Familie geben konnten, so sei er mit dem Kreuz und christlichen Liedern aufgewachsen, um nicht „in der Schlange an der Rampe, die immer kürzer wurde, stehen zu müssen“. Er schaue hinaus auf das friedliche Wasser des Wannsees und müsse an seinen Vater denken, den er nie kennengelernt habe, und an seine Mutter, die Auschwitz überlebte und doch - unnahbar für ihn - gefangen blieb in ihren entsetzlichen Erinnerungen, bis zu ihrem Tod.

Yossi Peled ging nach Israel, den Staat, betont er, dem er viel verdanke und dessen Wegmarkierung der Holocaust bleiben werde, weil „wir immer noch in dessen Schatten leben“. Auch darum bedeute ihm seine Personalnummer in der israelischen Armee, die er vor Jahrzehnten erhielt, so viel. Diese Nummer und die Waffe in der Hand seien ein Befreiungsakt gewesen, um sich selbst und das Leben der Seinen verteidigen zu können, eine nationale Antwort auf die KZ-Nummern, die Menschen wie seine Eltern auslöschten.

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Jahrgang 1953, Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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