Sturm Joachim brauste übers Land. Im Westen waren viele Straßen nicht mehr befahrbar. Züge fielen aus oder hatten Verspätung. Vierhunderttausend Häuser blieben ohne Strom. An der Küste strandete die TK Bremen unter maltesischer Flagge und verlor ihren Treibstoff. Ein Ölteppich breitete sich aus. Im Radio sprach der für Katastrophen zuständige Innenminister.
Tags zuvor war erstmals ein ehemaliger Präsident der Fünften Republik verurteilt worden: zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung. „Während zwölf Jahren hat ein Verbrecher Frankreich regiert“, geiferte Le Pen. Sarkozy ist gewarnt. Es gibt Anzeichen dafür, dass es mit der Immunität der Mächtigen zu Ende geht. Ein früherer Kulturminister sitzt im Gefängnis. Die Justiz ist den Schwarzgeldern für Waffenlieferungen auf die Spur gekommen; und den Politikern, die sich bei der senilen Milliardärin Bettencourt hemmungslos bedienten, auf den Fersen.
Die Finanzkrise hat vieles verändert. Die Regierung stimmt das Land gerade auf den Verlust des Triple A ein, was vor kurzem noch als nationale Katastrophe galt. „Wir werden unsere Sparziele auch so erreichen“, sagte Minister Baroin gestern, als der Eintritt in die Rezession verkündet wurde.
Der Klartext der Frauen
Da hatte Christine Lagarde bereits von einer „Großen Depression“ gesprochen und die Lage mit der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre verglichen. Die IWF-Chefin lokalisiert den „Kern der Krise“ in Europa mit seiner Währungsunion ohne „Wirtschafts- und Haushaltsunion“: „Sie ist jetzt im Aufbau begriffen.“
Von den Märkten forderte sie Verständnis für die Demokratien, in denen Entscheidungsprozesse etwas länger dauern. „Aber gefährdet sind alle“, glaubt Lagarde: „Die gegenseitige Abhängigkeit ist eine Lektion dieser Krise.“ Sie forderte die Staaten zur Zusammenarbeit auf und warnte eindringlich vor jenen Tendenzen, die im französischen Wahlkampf immer stärker werden: Rückzug, Isolation, Protektionismus. „Made in France“ wird von links bis rechts propagiert und eine neue Maginot-Linie gezogen.
„Das ist genau das, was in den dreißiger Jahren passiert ist, und was darauf folgte, ist nichts, worüber wir uns freuen.“ Sogar „worauf“ soll die französische Kassandra in Amerika nach den Übersetzungen der Agenturen gesagt haben. Eingeladen hatte sie Hillary Clinton zum Thema „Die Frauen und die Politik“. Sie reden Klartext.