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Veröffentlicht: 12.09.2012, 16:05 Uhr

Feuilleton-Glosse Machbarkeiten

Die öffentliche Empörung hat wohl zu einem Umdenken geführt: Der Plan der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, eine Hälfte der Alten Meister ins Depot und die andere Hälfte ins Bodemuseum zu hängen, ist nur noch eine von drei Optionen.

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Rudert die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bei den Umzugsplänen für die Berliner Gemäldegalerie zurück? Seit vorgestern scheint jedenfalls klar, dass sie die Alten Meister nicht mehr so einfach zur Hälfte ins Depot stecken und zur anderen Hälfte ins Bodemuseum hängen will, wie sie es noch im Juni angekündigt hatte.

Andreas  Kilb Folgen:

Diese radikale Variante der geplanten Museumsrochade, verbunden mit der Umrüstung der Gemäldegalerie am Kulturforum zu einer Galerie der klassischen Moderne, ist jetzt nur noch eine von drei Optionen, die eine von der Stiftung in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie prüfen soll. Die zweite Option ist die Verzögerung des Umzugs bis zur Fertigstellung eines Erweiterungsbaus gegenüber vom Bodemuseum, dessen Kosten von Schönrechnern auf hundertfünfzig Millionen, von Pessimisten auf mindestens eine Viertelmilliarde Euro geschätzt werden.

Am interessantesten klingt die dritte Option: Geprüft werden sollen „die Möglichkeit und Realisierbarkeit eines Neubaus für die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts am Kulturforum“ sowie „die Unterbringung der Sammlung Pietzsch und von Teilen der Sammlung der Neuen Nationalgalerie in bereits bestehenden Liegenschaften der SPK“. Genau dies, nämlich die Errichtung eines Erweiterungsbaus für die Bestände der klassischen Moderne auf einem bereits seit langem erworbenen, großzügig bemessenen Baugelände am Potsdamer Platz sowie die Suche nach Zwischenlösungen für die Surrealistensammlung Pietzsch und die Bestände der Neuen Nationalgalerie, hat die Preußenstiftung in den vergangenen Wochen immer wieder als undenkbar, als kunstfeindlich und kulturkonservativ abgeblockt.

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Dass sie nun einen Teil jener zehn Millionen Euro, die ihr der Haushaltsausschuss des Bundestags vor drei Monaten überraschend bewilligt hat, dazu verwendet, diese Variante wenigstens zu erwägen, statt am Kulturforum umstandslos Fakten zu schaffen, ist immerhin ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass die öffentliche Empörung, die das Vorhaben der Stiftung ausgelöst hat, ihre Direktoren nicht gleichgültig lässt, dass es unter ihnen Köpfe gibt, die statt abstrakter Planspielen noch immer die Interessen der Kunstwerke selbst im Blick haben. Doch Skepsis ist weiterhin angebracht: In der Presseerklärung, mit der die Machbarkeitsstudie angekündigt wird, heißt es, man wolle damit vor allem „jeden Anschein voreiliger Entscheidungen“ vermeiden. Jeden Anschein? Der Anschein spricht längst gegen die Pläne der Stiftung. Jetzt geht es darum, zur Vernunft zurückzukehren.

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