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Festival der Orchester der Welt : Symphoniesieg

Fußball ist ein Spiel, bei dem zwei Mannschaften gegeneinander spielen und am Ende die Deutschen gewinnen, sagte einmal der englische Fußballprofi Gary Lineker. Russland ließ an seinem Nationalfeiertag Symphonieorchester wie bei einer Weltmeisterschaft gegeneinander antreten, und, siehe da, die Russen gewannen.

          Symphonieorchester sind die Nationalmannschaften der klassischen Musik. Deshalb beging Russland schon zum dritten Mal seinen Nationalfeiertag, den Präsident Jelzin als Tag der Unabhängigkeit vom Sowjetimperium aus der Taufe gehoben hatte, mit einem „Festival der Orchester der Welt“ im Säulensaal der nach der Revolution zum Gewerkschaftshaus umgewidmeten Adelsversammlung. Moskaus patriotische Selbstfeier, auch als Kontrapunkt zu Valeri Gergiews Opern-Sommer mit „Stars der Weißen Nächte“ erfunden, lässt in einem verschwenderischen Finanzkraftakt internationale und einheimische Klangkörper antreten wie zur Fußball-Europameisterschaft.

          An sechs Abenden wetteiferten die Bamberger Symphoniker, Schwedens Radio-Symphonieorchester, die Königlichen Philharmoniker aus London und das Symphonieorchester von Rostow am Don, um ein aus Ministerialbürokratie und Kirchenkreisen rekrutiertes Publikum mit großen musikalischen Weltgemälden - Beethovens Vierter, den Symphonien eins und zwei von Brahms, Debussys „La Mer“ und Strawinskys „Feuervogel“ - zu erschüttern. Den Bambergern, die unter ihrem Chef Jonathan Nott einen straff konturierten Brahms und Bruckner präsentieren, gibt ein älterer Fan eine Drei minus. Das „deutsche Menü“ der Londoner - Beethoven, Brahms, Strauss - wird dagegen enthusiastisch gefeiert, Maestro Daniele Gatti zur Zugabe genötigt.

          Ein unausweichlicher Triumph

          Doch Russland ist in Siegerlaune. Von „russischer“ Klangkultur spricht Konzertmoderator Belsa mit anhaltend rollendem R. Der neue Kulturminister Awdejew verliest Premierminister Putins Festival-Glückwünsche in andächtigem Gebetspiano. Und Moskaus Bürgermeister Luschkow beschwört den „kreativen Sieg“. Den sichern sich nämlich die Gastgeber durch die Verpflichtung von Petersburgs Musikzar Gergiew, den sie zum Finale mit einer nationalen Supermannschaft antreten lassen: Das „Vereinte russische Symphonieorchester“ mit Instrumentalisten aus dreißig verschiedenen Landesteilen gibt die sechste Symphonie von Alexej Rybnikow, ein bombastisches Opus in E-Dur, das in filmmusikalischem Idiom Licht und Finsternis miteinander kämpfen lässt. Breite Streicherkantilenen werden zerrissen von Paukenschlägen und Posaunengeheul, dann vom Hoffnungsschimmer der Celestatupfer und von Flageolettteppichen überstrahlt. Pflichtschuldige Begeisterung für den unausweichlichen Triumph in vier Sätzen. In Moskau dient Musik wieder der kollektiven Verschmelzung.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

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