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Fernsehwoche, 9.-15. Juli : Ein Trost für Wolkentage: Kubrick, Moretti und Orson Welles

Bereichert das deutsche Fernseh-Dramas: Regisseur Matti Geschoneck Bild: arte

Zwei Filme von Matti Geschoneck und zwei mit Martina Gedeck sorgen für gutes deutsches Mikroklima in der kommenden Fernsehwoche.

          Das Fernseh-Sommerloch scheint in dieser Woche irgendwo über Australien hängen geblieben zu sein. In Deutschland merkt man jedenfalls noch nichts von nachlassender Programm-Qualität.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Montag, 9. Juli

          ZDF, Drama, 22.15 Uhr: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

          „Jenseits der Liebe”: Robert Atzorn auf Mörder-Suche

          Über Literaturverfilmungen lässt sich trefflich streiten. So auch über Philip Kaufmans Kundera-Verfilmung von 1987, die von den großen deutschen Feuilletons äußerst kritisch gesehen wurde. Die schauspielerischen Leistungen von Daniel Day-Lewis, Juliette Binoche und Lena Olin jedenfalls sind über alle Zweifel erhaben. Die beiden Frauen waren kürzlich in „Chocolat“ wieder gemeinsam vor der Kamera zu erleben.

          3 SAT, Reportage, 22.25 Uhr: Biennale Venedig - Zuflucht oder Kerker

          Reportage über den menschenscheuen Künstler Gregor Schneider, der mit seinem „Haus ur“ auf der diesjährigen Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für den deutschen Pavillon gewann. Über 16 Jahre widmete Schneider diesem aufwändigen, faszinierenden Raum-Projekt, das in Mönchengladbach-Rheydt seinen Ursprung nahm.

          Dienstag, 10. Juli

          WDR, Monumentalfilm, 22 Uhr: Spartacus

          Dieses Jahr zu Ostern war das Film-Epos ausnahmsweise mal nicht zu sehen - und das war auch gut so. Im Verbund mit den einschlägigen „Es begab sich aber zu der Zeit“-Filmen droht „Spartacus“ nämlich gewöhnlich unterzugehen. Dabei hat diese erste, kommerziell erfolgreiche, vor Radikalität und wagemutigen Kamera-Einstellungen geradezu strotzende Regiearbeit Stanely Kubricks ungeteilte Aufmerksamkeit verdient. Der WDR zeigt das Epos in rekonstruierter Fassung - zu sehen sind damit unter anderem einige für die Entstehungszeit (1959/60) gewagte, zu gewagte homoerotische Szenen.

          Mittwoch, 11. Juli

          ARD, Porträt, 23.30 Uhr: Die Schatten werden tiefer

          Zur Halbzeit der ersten Amtsperiode zeichnet Werner Filmer ein Porträt des Journalisten und Künstleragenten Paul Spiegel, der Anfang 2000 die Nachfolge von Ignatz Bubis als Vorsitzender des Zentralrats der Juden antrat. Anders als Bubis, der auch angesichts verstörender antisemitischer Aktionen stets um größtmögliche Objektivität bemüht schien, macht Spiegel aus persönlichen Enttäuschungen und Befürchtungen meist keinen Hehl.

          BR, Psychodrama, 23.35 Uhr: Das zweite Mal

          Ökonomieprofessor Sajevo (gespielt von Nanni Moretti, dem Gewinner der Goldenen Palme 2001) wurde Opfer eines Terroranschlags. Durch Zufall sieht er Jahre später die Attentäterin wieder und versucht, in Kontakt mit ihr zu kommen. Die Frage nach dem „Warum?“ treibt ihn um.

          Donnerstag, 12. Juli

          ARTE, Themenabend, ab 20.45 Uhr: Männer in der Krise?

          In drei Dokumentationen und anschließenden Diskussionen wird der Frage nachgegangen, was das Mann-Sein heute noch auszeichnet. Unreflektierte Muskelprotze, Männer, die Opfer seelischer und körperlicher Gewalt wurden, und solche, die meinen, Ahnung von Frauenpower zu haben, kommen zu Wort. Aber wem kann man schon glauben, wenn es um das eigene oder das andere Geschlecht geht?

          BR, Liebesdrama, 23.30 Uhr: Der Schrei der Liebe

          Zu den wirklichen Highlights des deutschen Fernseh-Dramas gehören regelmäßig die Arbeiten von Matti Geschoneck („Angst hat eine kalte Hand“, „Ein mörderischer Plan“ uvm.), Sohn des berühmten DDR-Schauspielers Erwin Geschoneck. Der Name „Matti“ erinnert übrigens daran, dass Vater Erwin in der Uraufführung von Brechts „Puntila“ der „Knecht Matti“ war. In diesem sensiblen Film verliebt sich ein verheirateter Mann (Jürgen Prochnow) in den Freund seiner Tochter. Er beginnt ein Verhältnis mit ihm, obwohl er herausfindet, dass der junge Mann ein Stricher ist.

          Freitag, 13. Juli

          ARTE, Drama, 20.45 Uhr: Jenseits der Liebe

          Eine weitere Regiearbeit Matti Geschonecks: Die Schwester des Berliner Germanisten Jan (Robert Atzorn) hat sich umgebracht, nachdem sie jahrelang nach dem Mörder ihres Vaters gesucht hatte. Nach ihrem Suizid beginnt auch Jan, sich für den Fall zu interessieren. Er erhält Hinweise auf den mutmaßlichen Vater-Mörder, die nach England führen. Dort lernt er die Engländerin Helen kennen, die dem Gesuchten nahe steht und die Neugierde Jans zunächst nicht versteht.

          Es ist immer wieder beeindruckend, wie souverän Matti Geschoneck solch verwickelte Stoffe zuspitzt. Unterschiedlichste Schauspieler bringen unter seiner Regie regelmäßig Höchstleistungen. Wird es Robert Atzorn gelingen, seinem „Oh Gott, Herr Dr. Specht“-Image zu entkommen? Im Herbst löst er ja Manfred Krug als Hamburger Tatort-Komminssar ab.

          ARTE, Drama, 23.45 Uhr: Herr Satan persönlich

          Wie in „Citizen Cane“ spielt Wells auch in dieser Regiearbeit einen Milliardär. Gregory Arkadin verliert zunehmend seine Erinnerung - auch an die kriminellen Methoden, mit denen er sein Vermögen erwarb. Er beauftragte einen privaten Ermittler, Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen. Ein düsteres Meisterwerk, das viele Ideen von „Angel Heart“ vorwegnimmt.

          Samstag, 14. Juli

          RTL, Komödie, 20.15 Uhr: Alles Bob!

          In dieser RTL-Komödie spielt Martina Gedeck die Mutter dreier Kinder, die sich in einen Hallodri verliebt. Eine Beziehung voller Heimlichkeiten beginnt. Könnte komisch werden, nur der Titel macht etwas misstrauisch. Andererseits: Gibt es einen schlechten Film, in dem Martina Gedeck eine tragende Rolle spielt? In „Rossini“ spielt sie ja nur eine Nebenrolle.

          Sonntag, 15. Juli

          ARD, Krimi, 20.15 Uhr: Tatort: Fette Krieger

          Südwestfunk-Kommissarin Lena Odenthal ermittelt in der Hip-Hop-Szene. Großkotz MC Fett wird tot aufgefunden. An Verdächtigen mangelt es nicht. MC Fett hatte kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sich unbeliebt zu machen.

          K 1, Rokoko-Drama, 22.25 Uhr: Gefährliche Liebschaften

          An dem Spiel der Hauptakteure in diesem Film kann man sich einfach nicht satt sehen.

          WDR, Talk, 22.30 Uhr: Zimmer frei!

          Auch die WG von Götz Alsmann und Christine Westermann macht mal Urlaub. Aus diesem Anlass ein „Spezial“ mit der regelmäßigen WG-Besucherin Annemie (Cornelia Stratmann), die ehemalige Gäste Zu Hause besucht.

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