Ist der 9. Februar womöglich ein Feiertag? Aus irgendeinem Grund treten die großen Sender an diesem Sonntag mit gleich vier hochkarätigen Fernseh-Erstausstrahlungen miteinander in Konkurrenz. Sat.1 zeigt Tim Burtons mysteriösen Thriller „Sleepy Hollow“, RTL den Hollywood-Klamauk „Wild Wild West“, die ARD einen neuen „Tatort“ und das ZDF den ersten Teil seines aufwenigen Kostüm-Zweiteilers „Trenck“. Und als ob das nicht schon reichen würde, wiederholt Pro Sieben zeitgleich noch den Blockbuster „Mission: Impossible“. An anderen Tagen fällt die Programmauswahl ungleich leichter: Die Fernsehwoche von FAZ.NET.
Samstag, 8. Februar
ZDF, Krimi, 20.15 Uhr: Unter Verdacht. Verdecktes Spiel
Senta Berger gesellt sich als Kriminalrätin Eva Prohacek zu ihren ebenfalls samstäglich im ZDF tätigen Kolleginnen Rosa Roth und Bella Block. Ihren ersten Auftritt „Verdecktes Spiel“, bei welchem sie in den eigenen Reihen ermitteln muss, hat Arte schon im August vergangenen Jahres ausgestrahlt.
HR, Psychothriller, 23.10 Uhr: Die Farbe der Lüge
Nachdenken darf man bei diesem Meisterwerk von Claude Chabrol aus dem Jahr 1998 gleich auf mehreren Ebenen. Der Regisseur hält den Zuschauer nicht nur fest gebannt mit seiner feinfühligen, zugleich psychologischen und philosophischen Studie über den Menschen zwischen Wahrheit und Unwahrheit. Er hält ihn auch in Atem mit einer spannenden und dennoch wohltuend leisen Kriminalgeschichte, die konsequenterweise selbst dann noch nicht endgültig aufgelöst ist, als der Schuldige feststeht. Ein kleines Mädchen wird im Wald tot und vergewaltigt aufgefunden. Der Verdacht fällt auf den Maler und Zeichenlehrer René. Kaum jemand glaubt ihm, wenn er seine Unschuld beteuert.
Sonntag, 9. Februar
ARD, Krimi, 20.15 Uhr: Tatort. Die Liebe und ihr Preis
Der Mann einer gefeierten Schauspielerin wird erschossen. Till Ritter und Felix Stark haben es nicht leicht, in der schillernden Filmwelt zu ermitteln, zumal Ariane Claasen (Gudrun Landgrebe) im Zentrum einer Medien-Schlammschlacht steht.
ZDF, Historienfilm, 20.15 Uhr: Trenck - Zwei Herzen gegen die Krone (1)
Selbstreferentieller geht es kaum: Schon zum zweiten Mal hat Gernot Roll die Abenteuer des Friedrich Freiherrn von Trenck verfilmt, der Offizier unter Friedrich II. war. Das erste Mal, 1972, agierte Roll als Kameramann, diesmal führt er Regie. Den Trenck spielt Ben Becker, dessen Vater Rolf 1972 Friedrich den Großen verkörperte. Daneben sind Alexandra Maria Lara, August Zirner, Hannes Jaenicke, Christine Neubauer, Rolf Hoppe, Aglaia Szyszkowitz und Peter Fitz zu sehen. Auch der Trenck-Darsteller von 1972, Matthias Habich, hat einen Gastauftritt - als General von Habich. Zweiter Teil am Montag um 20.15 Uhr.
Sat.1, 20.15 Uhr: Sleepy Hollow
Ichabod Cranes (Johnny Depp) Rätsel sind die kopflosen Leichen von Sleepy Hollow, einem schlaflosen Nest in der Nähe New Yorks. In wenigen Tagen hat dort mancher Bürger sein Haupt an einen nächtlichen Reiter verloren, dessen Körper ebenfalls kurz über der Halskrause endet; schwertschwingend schafft er nun Menschen nach seinem Vorbild. Das Dorf will dem Spuk ein Ende bereiten und sucht Hilfe bei der großstädtischen Polizei: ein Fall für Crane (Johnny Depp), den blasiert wirkenden Aufklärer mit der zittrigen Hand. Tim Burtons „Sleepy Hollow“ (1999) ist ein Kuriositätenkabinett, in dem Formalinpräparate das Laufen lernen. Mit einer perfektionistischen Lust am Detail setzt Burton das halbschneiderische Treiben des Reiters (Christopher Walken) in Szene, erstickt das Lachen im Grauen und reanimiert es anschließend durch Übertreibung. Dass bei ihm nur die Dinge leben, zeigt der Baum des Todes, der Eingang in die Hölle: Durch seine Adern fließt das Blut der Opfer, Köpfe verwachsen mit seiner Rinde zu exotischen Knollenpilzen, und das Herausspringen des Reiters gerät zu einer Eruptionsgeburt. Alle diese Szenen sind hoch künstlich, aber sie machen dem Gedächtnis zu schaffen. Die Blutleere des Märchens ist seine Gattungsbedingung. Wer ihm das zum Vorwurf machen will, handelt kopflos.
RTL, Westernkomödie, 20.15 Uhr: Wild Wild West
In „Wild Wild West“, der auf die gleichnamige Fernsehserie aus den sechziger Jahren zurückgeht, trifft James Bond im Monument Valley auf Jules Verne. Die Knallcharge Will Smith begegnet dem Shakespeare-Mimen Kenneth Branagh. Kameramann Michael Ballhaus, berühmt für seine ausgedehnten, ruhigen Fahrten, sieht sich dem Comic-Stil seines früheren Kollegen und jetzigen Regisseurs Barry Sonnenfeld gegenüber. Das Rezept lautet: Es muss zusammenkommen, was nicht zusammengehört. „Wild Wild West“ zu sehen, das bedeutet einem Raubzug beizuwohnen. Die Filmemacher marodieren durch die Genres, ohne Skrupel und schlechtes Gewissen, denn Hollywood liegt weit vom Wilden Westen entfernt. Das wirkt auf den ersten Blick reichlich unverschämt, doch der Film verleibt sich das fremde geistige Eigentum vor den Augen des Zuschauers im Handumdrehen und ohne Rückstände ein, so dass man seine Herkunft bald vergessen hat.
Montag, 10. Februar
3sat, Reportage, 20.15 Uhr: Werden wir ein Volk von Dummköpfen?
Werden? Pisa zufolge sind wir das doch schon. Das Filmteam um Eva Witte hat sich auf den Weg durch Einstellungstests, Klassenzimmer und Elternhäuser begeben und dort, so die Vorankündigung, „nach der Bildung gesucht“. Hoffentlich haben sie etwas gefunden.
Dienstag, 11. Februar
Sat.1, Thriller, 20.15 Uhr: Der Fußfesselmörder
In die Zukunft des Strafvollzugs blickt dieser Thriller von Sat.1: Zwölf Männer dürfen das Gefängnis verlassen und statt dessen durch eine elektronische Fußfessel überwacht. Einem von ihnen aber gelingt es, das System zu sabotieren.
ZDF, Reportage, 22.15 Uhr: 37° - Ein dufter Job
Jawohl, es geht in dem Film „Ein dufter Job“, um die Müllabfuhr, weshalb sich das ZDF bei der Beschreibung einen weiteren Kalauer nicht verkneifen kann: „Leben mit der Abfuhr“. Und es geht sogar noch weiter: Den Zuschauern werde die „Kehr-Seite der Gesellschaft“ gezeigt.
Mittwoch, 12. Februar
ORB, Drama, 22.20 Uhr: The Million Dollar Hotel
Ein heruntergekommenes Hotel in Los Angeles, ein Junkie, der sich vom Hoteldach stürzt, eine rätselhafte Schöne (Milla Jovovich) und ein FBI-Agent (Mel Gibson): Atmosphärisch dicht, vielfach verwoben und in Tuchfühlung mit seinen Figuren öffnet Wim Wenders in seinem Film aus dem Jahr 2000 vor dem Zuschauer ein Kosmos, wie ihn so schwebend über der Realität und zugleich wirklichkeitstrunken nur der Regisseur des „Himmels über Berlin“ zu evozieren vermag. Aber wenn der Atem einer ausgreifenden, tragfähigen Geschichte ausbleibt, ist nur noch die Kunstfertigkeit zu bewundern, mit der Wenders scheinbar mühelos spielt: das Konstrukt anstelle der Geschichte. Und den Zuschauer beschleichen Zweifel.
SWR, Drama, 23 Uhr: Zehn wahnsinnige Tage
Tragisch-heiterer Liebesfilm von Christian Wagner mit politischem Hintergrund aus dem Jahr 2000. Nur äußerlich dreht sich das Drama um acht im Transitbereich versteckte Kinder, die stets adrett aus dem Container kriechen und letztlich nur Staffage bleiben. Das Drama spielt sich in Felix (Fabian Busch) ab, einem Polizeischüler vor der Abschlussprüfung, der sich in eine Inderin verliebt.
WDR, Drama, 23.15 Uhr: Ich geh nach Hause
Fernseh-Erstausstrahlung von Manoel de Oliveiras Film aus dem Jahr 2001. Michel Piccoli spielt den Helden des Films, welcher ihn keine Minute aus den Augen lässt. Als alternder Schauspieler gibt er anfangs auf der Bühne Ionescos sterbenden König, um dann hinter der Bühne zu erfahren, dass Frau, Tochter und Schwiegersohn bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind - zurück bleibt nur sein Enkel. Um Piccoli herum scheint der Film geradezu in Zeitlupe zu verfallen. Er ist das stille Zentrum im Pariser Durcheinander theatralischer Aufgeregtheiten, und Oliveira scheint nur noch im Blick zu haben, wie sich die Welt langsam von ihm zurückzieht.
Donnerstag, 13. Februar
SWR, Reihe, 22.30 Uhr: Was war links? (1)
Vier einstündige Filme widmet der SWR dieser Frage, die impliziert, dass heute gar nichts mehr links ist. Vielleicht hätte man mal bei Oskar Lafontaine nachfragen sollen.
ARD, Drama, 23 Uhr: Der gerechte Richter
Der junge Richter Jan ist ein ehrgeiziger, etwas naiver, aber offenbar zuverlässiger Mensch, von dem die Partei einiges erwartet. Jan wird als Untersuchungsrichter nach Berlin geholt; es ist das Ost-Berlin der fünfziger Jahre, als die Utopie von der Gesellschaft neuer Menschen nach Stalinschem Vorbild auch mit Terror und Willkür durchgesetzt werden soll. Doch Torsten Fischers sensibler Film über einen Richter, der sich weigert, das Recht zu beugen, und dafür ins Zuchthaus geht, ist kein Film zur Aufarbeitung der Justizwillkür in der DDR. Fischers Vorlage ist eine von Peter Steinbach adaptierte Novelle von Anna Seghers. Der „Gerechte Richter“ ist ein Lehrstück mit doppeltem Boden.
Freitag, 14. Februar
RTL 2, Tragikomödie, 20.15 Uhr: Ein Freund zum Verlieben
Arme Madonna. Auch mit diesem Film John Schlesingers aus dem Jahr 2000 ist ihr der ersehnte Durchbruch als Schauspielerin nicht gelungen, und in Deutschland ist sich RTL für die TV-Erstausstrahlung des Werks zu schade und überlässt diese RTL 2. Robert (Rupert Everett), der homosexuelle Gärtner, und Abbie (Madonna), die heterosexuelle Yoga-Lehrerin, wachen nach einem Alkohol-Blackout nebeneinander auf, stellen kurz darauf fest, dass sie ein Kind gezeugt haben, und beschließen ein quasifamiliäres Zusammenleben zu dritt. Als Abbie sich jedoch nach langer Zeit wieder verliebt, erweist sich die Familienalternative als ebenso fragil wie althergebrachte Modelle in ähnlichen Fällen. Die Story ist dramaturgisch schlecht ausbalanciert, kann sich für keine Perspektive, kein Genre und keinen einheitlichen Stil entscheiden und besitzt trotzdem überzeugende Momente: vor allem, weil sie konventionelle Plot-Wendungen mit beharrlichem Widerstand unterläuft, Fragen offenlässt und nicht bestrebt ist, alle Konflikte als lösbar und Menschen als harmonisches Ganzes erscheinen zu lassen.
Arte, Polizeifilm, 20.40 Uhr: Rette deine Haut
Wer in den Filmen des Regisseurs Lars Becker auftritt, der tut gut daran, sich warm anzuziehen - und die Polizisten Kurt, Franky, Emile und Rudi sind allesamt harte Jungs. Als Ausgleich zu ihrem anstrengenden Alltag im Revier haben sie sich und ihren Familien ein privates Idyll aus Wärme und Wohlstand geschaffen, aus hübschen Häusern mit Swimmingpool und Träumen von der eigenen Finca auf Mallorca. Mit dem bescheidenen Beamtensold allein wäre dies unmöglich, weshalb sich die Polizisten mit jenen verbünden, mit denen sie täglich zu tun haben: Sie drücken schon mal, gegen Gebühr, nicht nur ein Auge zu und geben ihrer Klientel sachdienliche Hinweise, wann die nächste Razzia ansteht. In seinen besten Momenten liegt ein Hauch von Filmen wie „L.A. Confidential“ und „Copland“ über „Rette deine Haut!“, Wer hier am Ende auf der Strecke bleibt und wer seine Haut retten kann und sein Leben weiterführt, als wenn fast nichts gewesen wäre, verdankt sich letztlich einer höheren Macht, die Zufall heißt - und deren Wirken den Zuschauer bis zum Schluss in Bann zu schlagen vermag.
Sat.1, Comedy, 21.15 Uhr: Was guckst Du?!
Nach einer schöpferischen Pause, die er sich schon nach zwei Staffeln nahm, kehrt Kaya Yanar, der türkisch-deutsch-arabische Hoffnungsträger der Fernseh-Comedy, mit 13 neuen Folgen auf den Bildschirm zurück. Mit an Bord ist ein neuer Produzent: Harald Schmidts Bonito TV. Dass die Sendung an Niveau verliert, steht damit nicht zu befürchten.
Arte, Männerbegegnung, 23.05 Uhr: Durch die Nacht mit...
Den Auftakt machte ein Treffen von Michel Friedman und Christoph Schlingensief. Diesmal besucht der Jazztrompeter Till Brönner den deutschen Basketballstar Dirk Nowitzki in Dallas.