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Fernsehwoche, 4. bis 10. September Das Hohelied der Ausbeutung

 ·  In seinem Film „Hotte im Paradies“ verkauft uns Dominik Graf einen Luden als Sympathieträger - bis die Stimmung kippt. Außerdem in der Fernsehwoche: Jugendbilder aus der DDR und ein fetter, peinlicher Verlobter.

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In seinem Film „Hotte im Paradies“ verkauft uns Dominik Graf einen Luden als Sympathieträger - bis die Stimmung kippt. Außerdem in der Fernsehwoche: Jugendbilder aus der DDR und ein fetter, peinlicher Verlobter. Der Überblick von FAZ.NET.

Samstag, 4. September

RTL, Thriller, 20.15 Uhr: Gossip - Tödliche Gerüchte

Was böse Gerüchte anrichten können, probieren drei Studenten aus: Sie verbreiten die Nachricht, daß eine ihrer Kommilitoninnen, eine überzeugte Jungfrau, auf einer Party Sex hatte. Das Mädchen, das bei der Feier betrunken war, glaubt bald selbst daran, vergewaltigt worden zu sein. Thriller von David Guggenheim mit der später zum Star avancierten Kate Hudson.

Sonntag, 5. September

ARD, Krimi, 20.15 Uhr: K3 - Kripo Hamburg: Porzellan

Fall zwei für das runderneuerte K2-Team. Ein Lehrer wird ermordet. Bei den Ermittlungen erkennt die Polizei, daß der Pädagoge in dunkle Machenschaften verstrickt war.

Montag, 6. September

Arte, Tragikomödie, 20.40 Uhr: Bella Martha

Wie Martha (Martina Gedeck) die Küche eines Hamburger Nobelrestaurants beherrscht, der sie als Meisterköchin vorsteht, so hat sie auch ihr Leben nach festen Regeln einzurichten verstanden. Das empfindliche Gleichgewicht wird jäh erschüttert, als Marthas Schwester tödlich verunglückt und deren achtjährige Tochter Lina - der Vater hat sich nach Italien davongemacht - versorgt werden muß. Für das Kind und dessen nicht minder verletzlichen Gefühlsirritationen hat Martha kein Rezept. Sandra Nettelbeck gelingt nicht nur ein spielerischer, scheinbar leichter Blick auf die Mühsal alerter Kochvirtuosität; komödiantische Volten halten das bedrückende Thema von Verlust und Loslassenkönnen so gewandt in der Waage, daß von Beschwernis nie die Rede sein kann, wo die Figuren gleichwohl ernst genommen werden.

Dienstag, 7. September

ZDF, Dokumentation, 20.15 Uhr: Wir von drüben

Drei Männer, die in der DDR ihre Jugend erlebten, porträtiert das ZDF in seinem zweiteiligen Film, der zeigen soll, wie man auch in der Enge des sozialistischen Staates seine ganz persönlichen Abenteuer erleben konnte. Zweiter Teil am 14. September um 20.15 Uhr.

Arte, Krimidrama, 22.50 Uhr: Späte Rache

Drei Freunde seit Kindesbeinen waren Thomas, Klaus und Michael, einer für alle, alle für einen. Doch als das Mädchen Heide auftauchte, in das sich alle drei verliebten, waren im Bund der drei plötzlich zwei zuviel. Die Moritat von Hannah Hollinger (Buch) und Matti Geschonneck (Regie) aus dem Jahr 2001 bemüht alle erprobten Versatzstücke des Genres. In der Methode, die alltäglichsten Mitteilungen drohend aufzuladen, bringen es der Regisseur und seine Darsteller zu staunenswerter Meisterschaft. Maja Maranow als Heide darf endlich alle forsch-schnippische Munterkeit beiseite lassen, die ihr sonst immer abverlangt wird; Birge Schade bietet für die enttäuschte Geliebte samtige Töne auf, die nichts Wärmendes mehr haben; Peer Jäger verrutscht in Körpersprache wie Stimme immer wieder die Maske des Biedermanns; und Christian Redl bewahrt seinem Klaus bis zum Finale das Geheimnis eines Mannes, der sich wehrt, ohne zuzuschlagen.

Mittwoch, 8. September

ARD, Dokudrama, 20.15 Uhr: Carola Stern. Doppelleben

Thomas Schadt hat die Autobiographie der 1925 geborenen Publizistin und Frauenrechtlerin Carola Stern verfilmt, die einst in der DDR lebte, für die Amerikaner spionierte, in den Westen floh und Mitbegründerin der deutschen Sektion von „Amnesty International“ wurde. In der Hauptrolle der jüngeren Carola Stern spielt Maria Simon, Carola Stern die Ältere gibt Renate Krößner. In weiteren Rollen: Felix Eitner, Uwe Kockisch, Burghart Klaußner und August Zirner. Der Film „Doppelleben“ zeigt Sterns Jugend im Dritten Reich, ihre Ausbildung in der DDR und die Flucht in die Bundesrepublik.

ARD, Reportage, 23 Uhr: Hitlers letzte Tage

Reportage über die Dreharbeiten zum Eichinger-Film „Der Untergang“.

Donnerstag, 9. September

Sat.1, Show, 20.15 Uhr: Mein großer dicker peinlicher Verlobter

Heißt eigentlich „My Big Fat Obnoxious Fiancé“ und stammt aus Amerika. Von dort importierte Sat.1 das Konzept zu seiner Show über eine junge Frau, der 500.000 Euro in Aussicht gestellt werden, wenn sie ihre Familie davon überzeugen kann, daß sie einen ihr zuvor unbekannten Mann ehelichen wird. Der entpuppt sich als fetter Rüpel, ist in Wahrheit aber ein von Sat.1 angeheuerter Schauspieler, der seine „Zukünftige“ von einer peinlichen Situation in die nächste treibt.

Freitag, 10. September

ARD, Drama, 20.15 Uhr: Judith Kemp

Dies ist der letzte Film von Jennifer Nitsch, die im Juni aus dem Fenster in den Tod stürzte. In diesem als Pilotfilm einer Serie angelegten Drama spielt Nitsch die Rechtsanwältin und alleinerziehende Mutter Judith Kemp, die sich um ein kleines Mädchen und deren verschuldete Mutter kümmert.

Arte, Rotlichtdrama, 20.40 Uhr: Hotte im Paradies

Regisseur Dominik Graf versteht sein Geschäft, welcher Technik auch immer er sich gerade bedient. Als sei Zuhälterei die tollste Sache der Welt, singen Graf und sein Drehbuchautor Rolf Basedow das Hohelied der Ausbeutung, bei der leicht verdientes und lässig wieder hinausgeschmissenes Geld des einen, des Mannes, unsägliche Plackerei der anderen, seiner Frauen, bedeutet. Mit Verve buhlen der Film und sein überwältigender Hauptdarsteller Misel Maticevic um Sympathie für den kleinen Charlottenburger Luden, der sich inbrünstig nach den besseren Zuhälterkreisen verzehrt - bis dann jäh die Stimmung umschlägt, aus scheinbar spielerischem Übermut gewaltbereiter Ernst wird und der Zuschauer zu seinem zuvor erfolgreich verdrängten Schrecken gewahr werden muß, wie elend und wenig fein die Prinzipien doch sind, an die er zuvor seine Männerträume knüpfte. Erst das Paradies, dann die Vertreibung - Grafs Film taugt zur Parabel in jeder gesellschaftlichen Hinsicht.

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