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Fernsehwoche, 30.11.-6.12. Zeitreise zu Jesus

01.12.2002 ·  Paris frivol vor 100 Jahren, der zweite „Tatort“ aus Münster und 2000 Jahre alte Videobilder aus dem heiligen Land: Die FAZ.NET-Fernsehwoche.

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Paris frivol vor 100 Jahren, der zweite „Tatort“ aus Münster und 2000 Jahre alte Videobilder aus dem heiligen Land: Durch Raum und Zeit mit der FAZ.NET-Fernsehwoche.

Samstag, 30. November

ORB, Drama, 22.15 Uhr: The War Zone

Der als Regisseur debütierende Schauspieler Tim Roth erklärt den Schauplatz zum Kriegsgebiet; die Schlachten, die in seinem Film aus dem Jahr 1998 geschlagen werden, gehen auf das Konto einer englischen Mittelklassefamilie. Das in nahezu elegischen Bildern beschworene Gefühl herankriechenden Unheils manifestiert sich, als der Junge Tom eines Tages zufällig Vater und Schwester beim Sex beobachtet. Trotz des wuchtig angeschlagenen Themas wird „The War Zone“ weniger ein Film über Inzest, der die Rollenverteilung von Täter und Opfer in einem anklägerischen Gestus noch einmal verdeutlichen will. Vielmehr dokumentiert er die komplexe Struktur katastrophalen familiären Zusammenlebens, das als Krieg betrachtet wird. Nicht laut und lärmend wagt Tim Roth sich an Tabugrenzen.

BR, Dokumentation, 22.45 Uhr: Die James-Bond-Story

Zum 40. Jahrestag seines ersten und zum Filmstart seines jüngsten Falls erzählt der BR die Geschichte des alterslosen Agenten 007.

Sonntag, 1. Dezember

ARD, Krimi, 20.15 Uhr: Tatort. „Fakten, Fakten“

Noch ein paar Fakten mehr, und der WDR hätte wohl Helmut Markworts Anwalt an der Strippe gehabt, wegen Verletzung des Copyrights. Dabei hatte der Sender bei der Premiere seines Münsteraner Duos Thiel/Dr. Boernevor einigen Wochen doch genügend eigene Ideen vorzuweisen, die den gelungenen Einstand fast ein wenig überladen wirken ließen. In ihrem zweiten Einsatz müssen Polizist Thiel (Axel Prahl) und Gerichtsmediziner Dr. Boerne (Jan Josef Liefers) im Falle eines Friedensforschers ermitteln, der auf unfriedliche Weise aus dem Leben geschieden ist.

RTL, Abenteuerfilm, 20.15 Uhr: Auf Messers Schneide - Rivalen am Abgrund

Der alternde Milliardär Charles Morse (Anthony Hopkins) bekommt von seiner jungen Frau Mickey (Elle MacPherson) zum Geburtstag eine Uhr geschenkt. Doch er misstraut der Gravur, die ihn ihrer Liebe versichern soll. In einer subjektiven Einstellung aus seiner Perspektive verdeckt ein Geäst den Blick auf die eigene Frau, während diese für den Modefotografen Robert Green (Alec Baldwin) posiert: Erst aus der Entfernung scheint Morse zu erkennen, dass es andere, jüngere Männer geben könnte, die Mickey näher kommen als er selbst. Nach einem Flugzeugabsturz macht Morse eine Bruchlandung in der Wirklichkeit. Zusammen mit Green muss er sich durch die Wildnis der Wälder Alaskas kämpfen, verfolgt von einem Bären, der die erotischen Rivalen in eine Notgemeinschaft zwingt. Bisweilen gerät „Auf Messers Schneide“ nach einem Drehbuch von David Mamet an den Rand eines Selbsterfahrungstrips unter Extrembedingungen, eines Abenteuerurlaubs für die gequälte Seele, auch wenn der 1997 gedrehte Film letztlich nie abstürzt.

Arte, Filmbiografie, 20.45 Uhr: Toulouse-Lautrec

Roger Planchons Film aus dem Jahr 1998 erröffnet den Themenabend „Paris frivol - Vor 100 Jahren“. Suzanne Valadon ist jung, schön, begabt und eigenwillig, Toulouse-Lautrec ein genialer Zwerg, der in Paris die Malerei und das Leben studiert. Was als coup de foudre beginnt, sich in Liebesschwüren, Streitereien, Seitensprüngen und Versöhnungen fortsetzt und schließlich mit dem endgültigen Bruch endet, inszeniert Planchon als zentrales Thema beider Leben: Ihn verlässt nach der Beziehung die Kraft, er beginnt zu trinken und wird in eine Klinik für Geistesgestörte eingeliefert. Für sie wird die Liebe zu Lautrec hingegen zum entscheidenden Antrieb. In dem Bestreben, sich von ihm zu lösen, findet sie ihren eigenen künstlerischen Ausdruck. Entstanden ist eine opulente Bildfolge im rauschhaften Tempo eines Cancans.

Montag, 2. Dezember

ZDF, Tragikomödie, 20.15 Uhr: Himmelreich auf Erden

Christiane Paul - lange haben wir sie nicht im Fernsehen gesehen - als Neuropsychologin, die einen bei einem Autounfall schwer hirngeschädigten 19-Jährigen (Frederic Welter) zu einem normalen Leben verhelfen möchte. Außerdem, als wäre dies für einen Film nicht schon Stoff genug, muss sie sich privat zwischen zwei Männern (Günther Maria Halmer, Wotan Wilke Möhring) entscheiden.

ARD, Doku-Reihe, 21.45 Uhr: Schwarzwaldhaus 1902

Old Brother: Eine Familie versucht, drei Monate in einem Bauernhaus unter den Lebensbedingungen von 1902 zu verbringen, und die Kameras des SWR sind live dabei. Drei weitere Folgen laufen am 4., am 6. und am 9. Dezember jeweils um 21.45 Uhr.

Dienstag, 3. Dezember

ZDF, Dokumentation, 22.15 Uhr: 37°: Wie heißt die Hauptstadt von Freundschaft?

Seit Dustin Hoffmans Auftritt in „Rain Man“ weiß jeder, was Autismus ist. Dass es bei dieser Krankheit verschiedene Ausprägungen gibt, möchte dieser Film beweisen. Er stellt unter anderem den 39-jährigen Axel vor, der mit zwei Jahren allmählich zum Autisten wurde: Die Worte der Mutter, des Bruders waren oft bloß bedeutungsloses „Geräusch“, ein Zischen ohne Klang, „Lippenlärm“, den er nicht verstand. Später dann öffnete er sich wieder mehr für die Außenwelt, besuchte sogar das Gymnasium. Als Erwachsener begann er seine Erfahrungen aufzuschreiben, sein kompliziertes, häufig unverständliches Innenleben preiszugeben.

Mittwoch, 4. Dezember

ARD, Dokumentation, 23 Uhr: Ich werde reich und glücklich

Das jedenfalls sagen sich drei Männer und drei Frauen, die den Lehren des Motivationstrainers Jürgen Höller anhängen. Doris Metz hat sie mit ihrer Kamera begleitet. Eine Pointe ihres Films lieferte ihr jüngst die Wirklichkeit: Höller, der einem seiner vielen Bücher den Titel „Alles ist möglich“ gab, wurde wegen Untreue zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

WDR, Drama, 23.15 Uhr: Fahrraddiebe in Peking

Guei, 16 Jahre alt und vom Dorf nach Peking gekommen, wird als Fahrradbote angeheuert. Der Job erfordert nicht nur körperlichen Einsatz, er strampelt zunächst für das Fahrrad, das ihm der Arbeitgeber zur Verfügung gestellt hat. Guei ereilt die größte denkbare Katastrophe. Das Fahrrad, noch nicht abbezahlt, wird gestohlen, er wird vom Dienst suspendiert. Beharrlich sucht er daraufhin nach seinem Rad, an dem sich längst ein anderer Junge erfreut. Über das Fahrrad führt Regisseur Wang Xiaoshuai zwei gegensätzliche Schicksale in tragikomischen Situationen zusammen: Guei, dessen Existenz von dem Fahrrad abhängt, und den sorglosen Jian, der damit sein Glück an der Seite einer ebenfalls radelnden Schönheit verfolgt. Der an den italienischen Neorealismus-Klassiker „Fahrraddiebe“ von Vittorio De Sica angelehnte Film führt in eine Welt, deren geographische Fremdheit durch die soziale noch übertroffen wird. Er vermittelt die unmenschlichen Dimensionen einer wuchernden Millionenmetropole, ohne sich jemals von seiner unaufgeregten Erzählweise abbringen zu lassen.

Donnerstag, 5. Dezember

Pro Sieben, Abenteuerfilm, 20.15 Uhr: Das Jesus Video

...wurde offensichtlich zu einer Zeit gedreht, als es in Filmtiteln noch keine Bindestriche gab. Der Archäologiestudent Steffen (Matthias Koeberlin) entdeckt in Israel neben einem 2000 Jahre alten Skelett die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die noch gar nicht auf dem Markt ist. Offensichtlich ein Zeitreisender, der - darauf deutet ein neben der Anleitung gefundener Brief hin - Jesus höchstpersönlich gefilmt haben könnte. Mit Freunden macht sich Steffen auf die Suche nach der verschwundenen Kamera (zweiter Teil am Freitag um 20.15 Uhr).

Arte, Tragikomödie, 20.45 Uhr: Liebe in Zeiten der Arbeitslosigkeit

Der deutsche Titel klingt optimistischer als das „Rien à faire“ des französischen Originals, schließlich ist zu lieben schon mal mehr, als gar nichts zu tun zu haben. Pierre (Patrick dell'Isola) und Marie (Valeria Bruni Tedeschi) begegnen einander im im Supermarkt: Claire ist seit 14 Monaten arbeitslos, Pierre erst seit kurzem, seine Stelle ist nach sieben Jahren eingespart worden. Und noch etwas haben sie gemeinsam: Sie sind beide verheiratet und haben Kinder. Aus der Freundschaft aber wird schließlich eine leidenschaftliche Liebe - die in Gefahr gerät, als Pierre wieder einen Job findet.

Freitag, 6. Dezember

Arte, Porträt, 23.10 Uhr: Peter Handke - Der schwermütige Spieler

Peter Hamm gratuliert dem eigenwilligen Schriftsteller mit einem Filmporträt zu dessen 60. Geburtstag an diesem Freitag.

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