Extreme Emotionen prägen die Zeit, da Jugendliche zu Erwachsenen reifen. Sie können zu neuen Horizonten führen, aber schlimmstenfalls auch in die Katastrophe - wie diese Fernsehwoche vorführt. Der Überblick von FAZ.NET.
Samstag, 19. Juli
RTL, Drama, 20.15 Uhr: Brokedown Palace
Alice und Darlene sind seit Kindesbeinen beste Freundinnen. In Bangkok fallen beide Mädchen auf denselben Angeber namens Nick herein. Was als altbekanntes Drama unter Teenagern beginnt, verdichtet sich zur Katastrophe, als Darlene und Alice sich von Nick überreden lassen, ein Wochenende von Bangkok nach Hongkong zu fliegen, wo er sie angeblich am Flughafen abholen will. Doch bevor sie in den Flieger steigen, werden sie mit einem Päckchen Heroin im Gepäck erwischt. Keine von beiden will es gewesen sein - doch das interessiert die thailändischen Behörden wenig. Ehe sie sich versehen, hat man sie beide zu dreiunddreißig Jahren Haft verurteilt. Jonathan Kaplans Anliegen in diesem Film aus dem Jahr 2000 ist das soziale Drama, doch sind seine erzieherischen Motive nur mit einem dünnen Handlungsstoff kaschiert. So redlich sich die Akteure auch bemühen, ihren Rollen Charakter und Profil zu verleihen - es gelingt ihnen nicht, gegen das thematisch überfrachtete Drehbuch anzuspielen, das ihnen nur Zeit für Halbheiten gönnt.
Sonntag, 20. Juli
Vox, Sozialkomödie, 20.15 Uhr: Hauptsache Beverly Hills
Ein Mädchen wird vermessen, und Italien liegt am Pazifik. Das Mädchen heißt Vivian, es zählt fünfzehn Jahre, die Apartmenthäuser heißen „Beverly Capri“, „Casa Bella“, „Camelot“. Im Sommer des Jahres 1976 kennt Vivian die meisten dieser Behausungen zu gut, als daß sie sich freuen könnte, mit ihrem Vater und den beiden Brüdern schon wieder die Unterkunft wechseln zu müssen. Außerdem ist es Nacht, und zu allem Überfluß trägt, seit gestern kräftige Hände an ihr Maß nahmen, Vivian ihren ersten BH. Die Zeit des Heranreifens also, die oft ebenso häßlich benannte wie empfundene Pubertät, ist das Thema von Tamara Jenkins' erstem Kinofilm aus dem Jahr 1999. Der Film verschenkt sein Herz an die Mitglieder der Familie Abramowitz, die ihre Heimatlosigkeit in den wenigen Koffern mit sich führen, welche quartalsweise eingepackt, ausgepackt, weggestellt werden. Dem gesamten Film gelingt es mit leichter Hand, Zwischentöne und Paukenschläge, Direktheiten und Andeutungen zum spannungsreichen Nebeneinander zu führen. Tamara Jenkins gelingt kein geringes Kunststück: die Vermählung von Sinnlichkeit und Intelligenz zum filmischen Vergnügen.
BR, Porträt, 22.30 Uhr: Stanley Kubrick - Ein Leben für den Film
Jan Harlan, Schwager des am 7. März vor vier Jahren gestorbenen Regisseurs, hat für sein mehrfach ausgezeichnetes Filmporträt mit Schauspielern, Regisseuren und anderen Weggefährten gesprochen. Zu sehen sind auch Filmszenen aus Kubricks Privatarchiv. Der Film läuft an diesem Abend auch im NDR, um 23.45 Uhr.
Montag, 21. Juli
Arte, Tragikomödie, 20.45 Uhr: Hochzeit wider Willen
Der zweiunddreißig Jahre alte Zaza, Sohn georgischer Einwanderer in Israel, wird von seiner Familie zu einer Heirat gedrängt - möglichst mit einer Jungfrau aus gutem Hause. Doch er hat seine Entscheidung längst getroffen. Der Regisseur Dover Kosashvili sollte wissen, wovon er in seinem Debütfilm erzählt - er ist Sohn georgischer Einwanderer in Israel.
ZDF, Tragikomödie, 22.15 Uhr: Die Sache mit dem Sex & der Liebe
Unser Französisch ist nicht vom feinsten, doch dünkt uns, daß der deutsche Filmtitel das originale „La parenthèse enchantée“ nicht adäquat wiedergibt. In seinem Film von 1999 beschreibt Michel Spinosa die Erlebnisse fünf junger Franzosen in den siebziger Jahren, bei denen - das jedenfalls wollen wir annehmen - eine wichtige Rolle der Sex und die Liebe spielen.
Dienstag, 22. Juli
ZDF, Reportage, 22.15 Uhr: 37° - Papa liebt einen Mann
Die Reportagereihe geht diesmal der Frage nach, wie Kinder damit umgehen, wenn sich ihr Vater plötzlich zu seiner Männerliebe bekennt. Die Teenager Christian und Patricia leben heute gemeinsam mit ihrem Vater und dessen Freund - nach anfänglichen Schwierigkeiten offensichtlich problemlos.
Mittwoch, 23. Juli
ARD, Drama, 0.35 Uhr: Das Geheimnis ihres Todes
Nachdem sich das jüngste der Lisbon-Mädchen aus dem Fenster gestürzt hatte, aufgespießt von den Pfeilspitzen des Gartenzauns rund um den akkurat gepflegten Vorgarten, nahmen sich binnen Jahresfrist auch die vier Schwestern gemeinsam das Leben. Wie in Trance, von einer unwiderstehlichen Macht gelenkt, gingen die halbwüchsigen Mädchen in den Tod, ein Kollektiv scheinbar fühlloser Wesen, die aber nicht länger sich zu ducken bereit waren und stillzuhalten unter fast unbeschreiblicher Repression. Das Unerklärliche und dessen magischer Sog sind die zentralen Motive des Debütromans „The Virgin Suicides“ von Jeffrey Eugenides. Sofia Coppola, die Tochter des namhaften amerikanischen Regisseurs Francis Ford Coppola, hat den Roman von Eugenides für ihr Regiedebüt erwählt und sich, obwohl der Film der virtuos vielschichtigen Vorlage keineswegs sklavisch folgen kann, die somnambule Stimmung und den Atem der todessüchtigen Geschichte aus den frühen siebziger Jahren auf eine staunenswert einfühlsame und gleichzeitig selbstbewußte Weise zu eigen gemacht.
Donnerstag, 24. Juli
Pro Sieben, Episodenfilm, 20.15 Uhr: St. Pauli Nacht
Sönke Wortmann zeigt in seinem Film aus dem Jahr 1999, daß man sich Klischees lust- und nutzvoll zu eigen machen kann. Man nehme möglichst viele unterschiedliche Personen, die durch den Geist eines Ortes geeint werden. Man gebe ihnen einen verbindlichen Zeitrahmen (hier: eine Nacht auf Sankt Pauli) und lasse jeden nach eigenem Temperament schalten und walten. Das Resultat ist ein Film, der zwar im Ganzen vertraut wirkt, im Detail aber oft überrascht und zumeist gut unterhält. MIt Benno Fürmann, Armin Rohde, Florian Lukas, Christian Redl und vielen anderen.
Freitag, 25. Juli
Arte, Komödie, 20.45 Uhr: Der gestohlene Mond
Der Fotograf Nick Ataman braucht dringend Geld, um sich von der Dienstpflicht beim türkischen Militär freizukaufen, doch seine Galeristin möchte seine Arbeiten wegen fehlender Reife noch nicht ausstellen. Er zerstreitet sich mit seiner Freundin Mona, und sein japanischer Nachbar Kenji nervt ihn mit seiner Leidenschaft für eine japanische Baseballmannschaft. In einem Waschsalon läuft ihm dann auch noch der sechsjährige Vietnamese Luan über den Weg. Der wartet auf die Rückkehr seiner Mutter Anh, die ihn bei der Flucht vor der Zigarettenmafia zurückgelassen hat und ihn hier wieder abholen will. Wohl oder übel muß sich Nick des Jungen annehmen. Ein filmischer Entwicklungsroman von Thomas Stiller mit Birol Ünel, Lisa Martinek und Dietmar Bär.