Die Fernsehfilm-Highlights des Jahres laufen in dieser Woche noch einmal bei 3sat: Dort konkurrieren die besten Produktionen um den 3sat-Zuschauerpreis. Wer Filme wie „Toter Mann“ oder „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ verpasst hat, kann sie nun noch einmal sehen. Die Fernsehwoche hat aber auch Neues zu bieten - unter anderem die Farce „Goebbels und Geduldig“. Der Überblick von FAZ.NET.
Samstag, 16.11.
RTL, Show, 21.15 Uhr: Die 80er Show
Mit der letzten Folge der RTL-„80er Show“ glaubte man das nur aufgrund sentimentaler Anwandlungen einigermaßen erträgliche Jahrzehnt endgültig hinter sich zu haben. Weil die Sendung aber ein so großer Quotenerfolg war, beginnt an diesem Samstag eine zweite Staffel. Die 80er Jahre gehen weiter. Wie lange noch?
Pro Sieben, Horror, 22 Uhr: Anatomie
Paulas (Franka Potente) Freude über den Forschungsaufenthalt in der Heidelberger Pathologie kühlt auf Leichenhallentemperatur ab, als sie ihrer Zugbekanntschaft am nächsten Tag auf dem Seziertisch wiederbegegnet. Sie stellt Nachforschungen über die Todesursache an und stößt mit ihrem Misstrauen auf eine Schweigemauer, die das Institutsgelände hermetisch umschließt. Auf den dunklen Fluren trifft ihre Paranoia manchen Grund, Studienfreunde verschwinden grußlos und kehren kopflos zurück. „Anatomie“ ist ein professioneller Genrefilm; was die Internationalität seines Schrecks bricht, ist die altdeutsche Heidelberg-Kulisse. Da fällt ein Spritzer Feuerzangenbowle auf den Teenie slash, am gemütlichen Gemäuer perlt der Angstschweiß ab.
Sonntag, 17.11.
ARD, Krimi, 20.15 Uhr: Der Fremdwohner
Wenn der „Tatort“ aus Bayern kommt, darf auf auf zuverlässig hohe Qualität hoffen. Diesmal klären Batic und Leitmayr den Mord an einer Sekretärin. Um 22 Uhr geht es bei 3sat weiter mit dem „Tatort“: Dort wiederholt man den vielgelobten Krimi „Schatten“ mit der Bremer Kommissarin Inga Lürsen.
Pro Sieben, Thriller, 20.15 Uhr: Wehrlos - Die Tochter des Generals
Elizabeth Campbell, Captain der US-Army, wird nackt, gefesselt und stranguliert auf dem Gelände ihres Stützpunkts aufgefunden. Simon Wests Verfilmung eines Romans von Nelson DeMille steigt ohne Umwege in den Army-Alltag ein; ein Großbetrieb, in dem alles durch Rituale und Hierarchien reguliert wird. Allein der Ermittler Brenner erlaubt es sich, Ränge zu ignorieren und gegen Konventionen zu verstoßen. Für John Travolta eine leichte Übung, muss er doch nur John Travolta spielen. Damit gibt er dem Film, der mit fortschreitender Handlung immer abwegigere Wendungen nimmt und dabei auf ein melodramatisches Finale zusteuert, jedoch auch die entscheidene Qualität in Form geschliffener Zynismen.
3sat, Drama, 20.15 Uhr: Die Freunde der Freunde
Das Fernsehen, das davon lebt, alles sichtbar zu machen, lässt der Phantasie wenig Spielraum. Übersinnlich wird es hier allenfalls dann, wenn hübsche Hexen in Sitcoms mit Mystery-Touch oder tolpatschige Engel in romantischen Komödien ihr Unwesen treiben. Dominik Graf aber treibt das Unerklärliche, das Unaussprechliche mitten in die Hauptsendezeit des Fernsehens hinein. Ein bayerisches Internat bei Traunstein: Gregor (Matthias Schweighöfer) und Arthur (Florian Stetter) lernen sich kennen. Später stößt Pia (Jessica Schwarz) dazu, die mit beiden Jungen ein ausgesprochen lockeres Verhältnis beginnt, und schließlich auch die Schweizerin Billie (Sabine Timoteo), die aus einer ganz anderen Welt kommt als die gutsituierten Internatszöglinge. Regisseur Graf, der mit Markus Busch auch das Drehbuch verfasste, erzählt von Abschieden und Aufbrüchen, von Freundschaften und Liebesbeziehungen zwischen Jugendlichen in einer Lebensphase, die nur wenig Gewissheiten kennt; die übernatürlichen Erscheinungen, die zwei von ihnen gewahren sollen, sind da fast nur eine weitere Irritation.
Montag, 18.11.
3sat, Krimidrama, 20.15 Uhr: Dilemma
Ein Schweizer Kandidat für den 3sat-Zuschauerpreis. Die Polizeichefin Winter (Eva Scheurer) gerät in einen Konflikt mit ihrer Tochter, als deren aus dem Kosovo stammender Freund nach einer Kneipenschlägerei von einem Polizisten angeschossen wird und ins Koma fällt.
Arte, Dokumentation, 22.50 Uhr: Black Box BRD
Andreas Veiels meisterhafte Dokumentation erzählt die Biographien von Alfred Herrhausen, Vorstandssprecher der Deutschen Bank und RAF-Opfer, und des mutmaßlichen RAF-Mitglieds Wolfgang Grams nebeneinander, ohne dass jemals ein Berührungspunkt erscheint - und doch sind beide deutsche Zwillinge: Kinder dieses Landes und seiner Werte, seiner Vergangenheit, seiner Zwänge, Karrieren und Landschaften. Zurück bleibt die Ratlosigkeit über die Konsequenz beider Wege.
Dienstag, 19.11.
Sat.1, Thriller, 20.15 Uhr: Klassentreffen - Mordfall unter Freunden
Fünfzehn Jahre ist die Zeitspanne, die das halbe Dutzend Schulfreunde aus dem norddeutschen Rendsburg getrennt hat. Zum Klassentreffen der 13c im Dorfgasthof klingt noch einmal „Those Were the Days“,
und die Staatsanwältin Nina, die damals als einzige die alleenumzingelte Backsteinidylle gegen die große Welt eintauschte, muss bald ein Drama geradezu dostojewskischer Tragweite auflösen: Unfall, Mord und Selbstmord. Die Schauspieler - unter ihnen so souveräne Darsteller wie Natalia Wörner, Christoph M. Ohrt, Herbert Knaup und Leslie Malton - haben sich offenbar von den dunklen Wolken aus behaupteter Kleinstadttristesse und nachgewiesen kriminellen Machenschaften der lokalen Honoratioren einnebeln lassen. In kaum einer Szene gelingt es einem von ihnen, dem Zuschauer den Eindruck zu nehmen, hier würden Rollen rezitiert: so konzentriert kunstlos und verkrampft wie damals im Schultheater.
ZDF, Dokumentation, 22.15 Uhr: 37° - Mein Haus - meine Kinder - mein Traum
Den inoffiziellen Themenabend „Klassentreffen“ komplettiert heute das ZDF. Nach 19 Jahren kommt es zur Wiederbegegnung der Saalfelder Abiturklasse von 1983, und die ZDF-Kameras waren dabei.
Mittwoch, 20.11.
ARD, Tragikomödie, 20.15 Uhr: Goebbels und Geduldig
Eine lange und erfolgreiche Vorgeschichte hat dieser Film schon vor seiner Ausstrahlung. Im Mai 2001 wurde er in Kanada für die „Rocky Awards“ für herausragende Fernsehproduktionen nominiert. „Goebbels und Geduldig“, in der Regie von Kai Wessel und nach einem Originaldrehbuch von Peter Steinbach, erzählt die Geschichte des jüdischen Kabarettisten Harry Geduldig, der dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels zum Verwechseln ähnlich sieht. Goebbels erfährt, kurz nachdem er einem Attentat entgangen ist, von dem Doppelgänger, der auf einer Festung gefangengehalten wird. Als Goebbels auf Harry Geduldig trifft, kommt es zu einer Verwechslung. Zu der hochkarätigen Besetzung des Films gehören Ulrich Mühe (als Geduldig/Goebbels), Dagmar Manzel, Eva Mattes, Dieter Pfaff, Katharina Thalbach, Tilo Prückner und Götz Otto. Die schon im Jahr 2000 fertiggestellte SWR-Produktion wird nun mit einiger Verspätung ausgestrahlt.
3sat, Krimi, 20.15 Uhr: Blumen für Polt
Die grüne Anarchie, die der österreichische Autor Alfred Komarek auf den ersten Seiten seines Romans „Blumen für Polt“ anmutig und lakonisch zugleich zum Bild gerinnen lässt, findet sich fast buchstäblich in den ersten Bildern des gleichnamigen Fernsehfilms wieder. Es geht um die Spottfigur des Dorfs, einen geistig Behinderten, der keiner Seele etwas zuleide tun könnte und trotzdem an einem steilen Lößabsturz unterhalb der Weinberge zu Tode kommt, nur wenige Minuten nachdem er den Inspektor noch von seinem Fahrrad gelockt und mit einer Handvoll Wiesenblumen beglückt hat. Es geht um einen gleichfalls tödlichen Verkehrsunfall, um gestohlene oder so hinterhältig manipulierte Räder, dass die Lehrerin des Orts einen bösen Sturz tut, und es geht um vier Rotzbuben, deren Räuber-und-Schandi-Abenteuer keineswegs so harmlos sind, wie man meinen möchte. In Miniaturen, wie sie charakteristischer nicht sein könnten, geben Menschen sich preis, die man wiedererkennt, weil sie nicht allein im Weinviertel um Brunndorf und Burgheim zu Hause sind.
3sat, Drama, 22.25 Uhr: Toter Mann
Die Geschichte klingt trivial, wenn man sie ohne Betonung erzählt: Eine junge Frau, Leyla (Nina Hoss), will ihre Schwester rächen, die Jahre zuvor von einem psychisch Kranken vergewaltigt und ermordet wurde. Sie umgarnt dessen Anwalt, um seinen Aufenthaltsort zu ermitteln, und lockt dann den Mörder (Sven Pippig), der sie nicht kennt, in eine Falle. Jede Woche zeigt das Fernsehen einen Thriller dieser Art. Aber Christian Petzold („Die innere Sicherheit“) belässt es nicht dabei, die vertrauten Bilder neu zu arrangieren. Er stellt sich die Frage, die seit Hitchcock über dem Genrekino steht: Kann man das auch anders machen? Und er macht alles anders. „Toter Mann“ ist ein virtuoses Spiel mit Augenschein und Erwartung.
Donnerstag, 21.11.
3sat, 20.15 Uhr: Der Tod ist kein Beweis
Psychodrama um den Selbstmord einer jungen Polizistin. Monika Baumgartner ist Irmgard, die Mutter, die in ihrem bayerischen Dorf erst nach und nach begreift, was sie zunächst nur instinktiv geahnt hatte: daß ihre einzige Tochter Maria (Lisa Maria Potthoff) nicht einfach so aus dem Leben geschieden ist. Der für Suizid-Filme nahezu obligatorische Einstieg mit einem Nirvana-Song ist fast das einzige, was man an diesem Fernsehfilm bemängeln kann. Denn hernach entwickeln die Bilder eine Wucht, die rar ist.
Arte, Stummfilm-Drama, 20.45 Uhr: Juha
In „Juha“ hat Aki Kaurismäki, dessen neuer Film „Der Mann ohne Vergangenheit“ gerade in den Kinos läuft, seinen kargen Erzählstil auf den Punkt gebracht und gleich einen Stummfilm in Schwarzweiß gedreht. Natürlich ist dabei - aller augenzwinkernden Besinnung auf die Technik bewährter Vorbilder mit Zwischentiteln und melodramatischer Begleitmusik zum Trotz - etwas ganz anderes entstanden. Kaurismäki sucht die Reinheit einer Bildersprache, die des Wortes überhaupt nicht mehr bedarf. In „Juha“ spielt Kati Outinen eine Bauersfrau, deren Ehe durch einen Lebemann in Gefahr gerät.
Freitag, 22.11.
3sat, 20.15 Uhr: Die Hoffnung stirbt zuletzt
Die junge Polizeimeisterin Corinna verschlägt es aus einem niedersächsischen Dorf nach Hamburg. Die neue Kollegin, Frau und dazu „Landei“, empfängt man nicht eben herzlich. Mehr und mehr wird sie zur Außenseiterin und zum Opfer des Mobbings ihrer Kollegen, das am eifrigsten betrieben wird von ihrem Chef Eddy. Der Drehbuchautor Fred Breinersdorfer und der Regisseur Marc Rothemund, der bisher mit leichter Unterhaltung reüssierte, ersparen ihrer Protagonistin nichts und dem Zuschauer keine noch so schonungslosen Bilder. Anneke Kim Sarnau als Corinna wurde für ihre Leistung völlig zu Recht mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt.