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Fernsehserie „House of Cards“ : Der Haifisch liebt das Blut

Dressed to kill: Kevin Spacey spielt Francis „Frank“ Underwood Bild: Sat.1/MRC II Distribution

Der Protagonist von „House of Cards“ ist zynisch, skrupellos und berechnend: In der Rolle des diabolischen Politikers Francis Underwood gibt uns Kevin Spacey das volle Programm - Politfernsehen, das mitreißt.

          Der Mann kommt gleich zur Sache. Und gibt eine seiner Maximen umgehend zu Protokoll: „Es gibt zwei Arten von Schmerzen. Den Schmerz, der einen stärkt. Und sinnlosen Schmerz. Den Schmerz, der nur Leid mit sich bringt. Ich bin nicht sehr geduldig, wenn etwas sinnlos ist.“ Sagt er, hockt auf der Straße und drückt dem vor ihm winselnd liegenden Hund seiner Nachbarn, der gerade von einem Auto überfahren und schwer verletzt wurde, die Luft ab. Fall erledigt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Gestatten, Francis „Frank“ Underwood, „House Majority Whip“, also Mehrheitsführer der Demokraten im Kongress. Oder, wie er selbst sagt: jemand, der handelt, der das Unangenehme, das Notwendige übernimmt. Oder noch genauer, im O-Ton Frank Underwood: „Mein Job ist, die Rohre durchzublasen, damit die Scheiße abfließt.“ Doch er müsse, sagt der freundliche Mister Underwood im nächsten Satz, „nicht mehr lange den Klempner spielen“. Außenminister ist die von ihm erwartete, nächste Karrierestation. Schließlich hat der neu gewählte Präsident Garrett Walker seinen Wahlsieg maßgeblich ihm zu verdanken.

          Kein Platz für Verlierer

          Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. „Wir werden Sie nicht zum Secretary of State ernennen, wir brauchen Sie im Kongress“, sagt Linda Vasquez, die Stabschefin des Präsidenten, der ausgerechnet Underwood zu ihrem Job verholfen hat. Sie sei so „zäh wie ein Zwei-Dollar-Steak“, hatte er uns Zuschauern gerade anvertraut. Doch hat er offenbar unterschätzt, wie zäh, wie hart sie ist. Kaltlächelnd spielt sie ihn aus. Die beiden kämpfen in derselben Gewichtsklasse.

          Das gilt auch für Francis’ Frau Claire, die eine Schickimicki-Umweltorganisation führt und ihre Leute wie ein Strafbataillon befehligt. Sie ist einigermaßen fassungslos, dass ihr Mann die Pleite nicht hat kommen sehen. Eine Sekunde lang sieht es so aus, als wolle Frank sich hängenlassen, als zeige er Schwäche. Die ihm seine Frau nicht durchgehen lässt: „Mein Mann entschuldigt sich nicht, nicht mal bei mir.“ Was für eine Beziehung, was für ein Paar - die Wiederkehr der Macbeths, ein Killerkommando. „Ich liebe diese Frau. Ich liebe sie mehr, als Haie Blut lieben“, sagt Frank.

          Immer ein Lächeln im Gesicht: Die Underwoods (Kevon Spacey und Robin Wright) geben nach außen hin das engagierte Vorzeigeehepaar
          Immer ein Lächeln im Gesicht: Die Underwoods (Kevon Spacey und Robin Wright) geben nach außen hin das engagierte Vorzeigeehepaar : Bild: Sat.1/MRC II Distribution

          Willkommen bei „House of Cards“, der Serie, die Politik zeigt, wie sie wirklich ist. Und wie sie gemacht wird von jemandem, der nur noch zerstören will. „Wir dienen niemandem mehr“, sagt Frank zu seinem Adlatus, gibt Anweisungen für die nächsten Schritte und grinst: „So verschlingt man einen Wal, einen Bissen nach dem anderen. Ich habe seit gestern nichts mehr gegessen.“

          Das Prinzip Mephisto. „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das gute Böse will und stets das Gute schafft.“ Doch Frank schafft nichts Gutes, er will Rache, er ist der Terminator. Und seinen Faust findet er auch, in Gestalt der jungen Journalistin Zoe Barnes, Reporterin beim „Washington Herald“, die es gar nicht erwarten kann, die Politszene ums Weiße Haus aufzumischen. Frank liefert ihr eine Vorlage, die den Präsidenten einen Tag nach seiner Amtsübernahme gleich voll erwischt. Mit dem neuen Bildungsgesetz lande er „noch zwei Schritte links von Karl Marx“, sagt Frank dem beflissenen Gutachter, der es ausgearbeitet hat. Und genauso steht es dann auch in der Zeitung. Der Präsident - ein Marxist. Parteifreund Walker bekommt zu spüren, wo der Hammer hängt.

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