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Fernsehgeschichte Und so war ich der erste

 ·  In der Silvesternacht 1983/1984 putschte in Nigeria das Militär. Wieso dieser Putsch dem Privatfernsehen genau richtig kam.

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In der Silvesternacht 1983/1984 putschte in Nigeria das Militär. Das wäre weiter nicht bemerkenswert, hatte doch solche Heimsuchung dieses westafrikanische Land schon öfter befallen. An Silvester 1983 aber war bemerkenswert, daß an Neujahr 1984 in Deutschland das Privatfernsehen begann. Der erste private Sender hieß PKS - später wurde Sat.1 daraus - und war anfangs außerhalb des Raumes Ludwigshafen/Mannheim und München kaum zu empfangen.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte sich an diesem Sender beteiligt und war für die Nachrichten zuständig. Damit begann es: Aus F.A.Z.-mittelblauem Abendhimmel schwebte in weißer F.A.Z.-Fraktur der Titel dieser Zeitung über den Dächern einer Stadt. Mitherausgeber Bruno Dechamps sprach die einführenden Worte.

Fernsehen ohne Bilder

Und dann kam es. Die erste Meldung in der ersten Nachrichtensendung des ersten deutschen Privatfernsehens hieß: Militärputsch in Nigeria. Aktuelle Filme dazu gab es nicht. So weit war das private Fernsehen vor zwanzig Jahren noch nicht. Und auch im öffentlich-rechtlichen waren keine Bilder zu sehen. Für die teure Satellitenübertragung mußten die Fernsehkorrespondenten in afrikanischen und anderen Entwicklungsländern - das galt auch für das ZDF und die ARD-Sender - vorher die Genehmigung ihrer Zentralen einholen, dafür Geld auszugeben.

Beim F.A.Z.-Fernsehen war das schon deswegen anders, weil die Zeitung zwar Zeitungs-, aber keine Fernsehkorrespondenten hatte. Der erste, der beide Korrespondenzen miteinander verband, allerdings auch nur bei dieser einen Gelegenheit, war der Schwarzafrika-Korrespondent. Das war ich, und ich saß im ostafrikanischen Kenia. Am Vormittag rief mich in Nairobi die Redaktion aus Frankfurt an und fragte erstens, ob ich schon wisse, daß es nun auch in Deutschland privates Fernsehen gebe, daß, zweitens, die F.A.Z. dort die Verantwortung für die Nachrichten übernommen habe, und, drittens, ob ich von dem Putsch in Nigeria wisse und ob man mich abends anrufen könne, damit ich "live" darüber berichte, ich sei doch früher fünf Jahre lang Korrespondent in Nigeria gewesen und kennte das Land.

Nein, ich sagte auch zu

Nicht nur erfuhr ich derweise, daß offenbar auch die F.A.Z. - wenn auch nur in dem, was man später elektronische Medien nannte - die Wörter "direkt" und "unmittelbar" deutsch in "live" übersetzte. Nein, ich sagte auch zu. So gab es für die Ohren aus Nairobi eine Live-Sendung und für die Augen aus der Personalabteilung des Verlags auf dem Bildschirm mein Paßbild. Das also war der Auftakt aller deutschen Privatfernsehsendernachrichtensendungen. Ich hatte Geschichte gemacht. Ich war der erste. Ich hoffe freilich, daß das nicht der Grund war, warum sich die F.A.Z. bald wieder vom Fernsehen trennte und sich noch mehr dafür engagierte, eine gute Zeitung zu machen.

Der Autor war von 1971 bis 1997 Redakteur dieser Zeitung, von 1977 an berichtete er mit Sitz in Nairobi als Korrespondent aus Afrika. Von dort hatte er zuvor als freier Journalist von 1959 an berichtet

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2004, Nr. 1 / Seite 40
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