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Fernsehfilm „Geliebtes Kind“ Auf dem falschen Fuß

 ·  Unterschiedliche Definitionen von Glück: Anica Dobra hadert in „Geliebtes Kind“ mit der Behinderung ihrer Tochter. Die Probleme in der Mutter-Kind-Beziehung erzählt der Film ohne Kitsch.

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© WDR Ungleiche Familie: Liz (Mathilde Bundschuh) hat sich mit ihrem Leben arrangiert, für ihre Mutter gilt das nicht

“Liz Kalzig, sechzehn Jahre, vier Operationen am rechten Fuß. Wer mehr darüber erfahren will, kann mich fragen.“ Liz (Mathilde Bundschuh) ist die Neue in der Klasse zehn. Die mit der Behinderung. Liz hat einen Spitzfuß, ihre Ferse schwebt in der Höhe, die Zehen sind nach innen verdreht. Sie kann recht gut laufen, ihre Behinderung ist nur eine leichte und nicht gleich für jedermann sichtbar. Nach Meinung ihrer Mutter jedoch ist ihr körperlicher Makel eine Katastrophe für eine Sechzehnjährige, für die äußerliche Perfektion mehr zählen müsste als das meiste andere.

Liz aber hat sich mit sich selbst arrangiert. Wenn da nicht die anderen wären. Sie fährt Skateboard, malt mit viel Talent und ist verliebt in Robert (Tom Gramenz), der ihr versichert hat, dass er sie so liebt, wie sie ist. Aber mit Robert fängt das Problem auch an. Im Internat, in dem beide leben, hat er sie am Elterntag ignoriert. Er schämt sich für sie, meint Liz, und zieht zurück zu ihrer Mutter. Nun steht sie vor der neuen Klasse und stellt sich vor. Liz, die mit den Operationen.

Ein neuer Versuch der Körperoptimierung

Der Film „Geliebtes Kind“, dessen Drehbuch Dieter Bongartz nach seinem gleichnamigen Roman verfasst hat, stellt eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung in den Mittelpunkt. Die Regisseurin Sylke Enders inszeniert Liz’ Geschichte und die ihrer perfektionistischen Mutter ohne künstlich zugespitzte Konflikte, als beinahe alltäglichen Fall, bei dem der Spitzfuß der Tochter nur beispielgebend steht für das, was nach Ansicht vieler Eltern an ihren Kindern zu korrigieren sein könnte. Susanne, die Mutter (Anica Dobra), hat selbst viel an sich gearbeitet. Von der alleinerziehenden Mieterin im Sozialblock hat sie es zur Vorzeige-Immobilienverwalterin gebracht. Das neue Haus, in das Liz nun zieht, ist mit allem technischen Schnickschnack ausgestattet, die Küche glänzt mit Hightech. Omas alter Schrank, an dem die Tochter hing, wurde beim Umzug gleich entsorgt. Irgendwie passte er nicht mehr so recht in das neue Ambiente.

Wie die Tochter auch, für die die Mutter schon heimlich einen Termin beim nächsten medizinischen Spezialisten vereinbart hat. An Liz’ Fuß, so Susannes Überzeugung, kann man schließlich noch etwas machen. Wäre sie nicht eine schlechte Mutter, wenn sie Liz nicht ein wenig zu ihrem Glück zwingen würde? Denn um Glück und seine mögliche fahrlässige Verhinderung geht es bei den Erziehungskonflikten unterschwellig am meisten. Körperliche Optimierung, so die Ansicht der Mutter, ist zwar kein Glücksversprechen schlechthin, aber die conditio sine qua non.

Ihr Perfektionswahn treibt ihn in die Flucht

Damit ist der Film „Geliebtes Kind“ zwar weniger spektakulär als ähnliche Fernsehproduktionen, die sich mit den Nöten Heranwachsender und ihrer Eltern zuletzt beschäftigt haben, aber er ist dennoch hochaktuell. Eine Produktion, die, ohne das ganz große Rad zu drehen, sich an Erziehende und Jugendliche gleichermaßen wendet und es möglich macht, ins Gespräch zu kommen. Dass es Susanne in ihrem Perfektionsdrang, der fast auch ihren Lebensgefährten Andi (Simon Böer) in die Flucht treibt, um weit mehr als um das Kindeswohl, vielmehr um das Kontrollieren ihrer höchst eigenen Dämonen geht, wird im Lauf des Films immer deutlicher.

Dass die Verweigerung einer neuen Operation für Liz zu einer Frage der Selbstbehauptung und Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper wird, zeigt sich gleichermaßen. Ausgerechnet mit der Trinkerin Karin (Steffi Kühnert), die ihre Mutter aus dem hübsch sanierten Vorzeigewohnobjekt werfen will, freundet die Tochter sich an. Sie lernt, zu ihrem Makel und zu sich selbst zu stehen. Mathilde Bundschuh und Anica Dobra spielen das Tochter-Mutter-Paar und seine schwierige Beziehung sowie seine überzeugende Annäherung ohne unnötige Dramatisierungen. Unterm Strich bleibt „Geliebtes Kind“ ein Fernsehfilm mit einer nachdrücklich menschenfreundlichen Haltung.

Geliebtes Kindläuft am Mittwoch, 25. April, um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.
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