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„Tatort“-Folge „Tango für Borowski“ : Es geht Mann gegen Mann

Müssen kämpfen: Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mikko Väisanen (Janne Hyytiäinen) Bild: NDR/Pasi Räsämäki

Er habe sich schon länger gewünscht, einen „Mann-gegen-Mann-Krimi“ zu drehen, sagte Axel Milberg über seinen neuen Fall als „Tatort“-Kommissar Borowski. Und muss zum Nahkampf in die finnischen Wälder.

          Beinahe immer, wenn der „Tatort“ ein sehr guter ist, geht es in erster Linie um Dinge, über die kaum gesprochen wird. Bei der Figur des Kommissars Klaus Borowski gehört das Schweigen zwar ohnehin zum Konzept. Aber in seinem neuen Fall kommt dem eine besondere Bedeutung zu, denn mit dieser schönen Art beredter Stille, die dem Mann eigen ist, werden auch in dieser Folge all jene vorliebnehmen müssen, die den Fernseher vor allem deswegen einschalten, weil sie wissen wollen, wie es denn nun weitergeht mit dem Klaus und der Frieda.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es ist sicher keine leichte Übung, den beiden - der Psychologin und dem Kommissar - einen neuen Fall auf den Leib zu schreiben, nachdem sie in der vergangenen Folge ja nicht nur begonnen hatten, einander zu duzen. Aber Clemens Murath (Drehbuch) und Hannu Salonen (Regie) haben die Falle erkannnt und gar nicht erst versucht, den „Tatort“ in einen Liebesfilm zu verwandeln. Das ist gut so. Noch besser ist, dass sie sich stattdessen auf alte, oft vergessene Tugenden des Genres besinnen. Denn dieses Mal darf der Kommissar den Platz an seinem Schreibtisch verlassen und sich in den finnischen Wäldern im Nahkampf üben. Er habe sich schon länger gewünscht, einen „Mann-gegen-Mann-Krimi“ zu drehen, sagte Axel Milberg über seinen neuen Fall. Als Darsteller wünsche man sich schon einmal etwas „sportivere Szenen“.

          Was wird mit uns passieren?

          Also geht die Reise nach Finnland. „Häng noch einen Tag Urlaub dran, lass es dir gutgehen, geh ins Museum, spann mal aus“, ruft sein Vorgesetzter Borowski noch hinterher. Aber dann kommt alles anders. Klaus Borowski soll im Norden des Landes den jungen Deutschen Ralph Böttcher (Florian Bartholomäi) befragen, der in der Wildnis an einem Resozialisierungsprogramm für Drogenabhängige teilnimmt. Er wird verdächtigt, ein Mädchen aus der Nachbarschaft vergewaltigt und ermordet zu haben. Nun soll er nach Helsinki überführt werden, aber auf der Fahrt kann der junge Mann seine Begleiter überwältigen und entkommen.

          Ralph Böttcher (Florian Bartholomäi) wird verdächtigt, ein Mädchen aus der Nachbarschaft vergewaltigt und ermordet zu haben

          Anders als angenommen, sucht Böttcher indes nicht sofort das Weite, sondern kehrt zum Ort des Geschehens zurück, was die herbeigeeilte Polizeipsychologin Frieda Jung (gewohnt großartig Maren Eggert) als Indiz dafür wertet, er könnte dort noch eine alte Rechnung zu begleichen haben. Die Zeit drängt, den jungen Mann zu finden. Aber die Wälder Finnlands sind groß, und nicht nur deutsche Urlauber sollen sich schon reihenweise in ihnen verlaufen haben. Auch Borowski leidet bald unter einer eigentümlichen Orientierungs- und Kraftlosigkeit, was nicht nur an der im Mittsommer nie untergehenden Sonne liegt, die ihm den Schlaf raubt.

          Denn trotz Verbrecherjagd schenkt das Drehbuch dem Kommissar und seiner Kollegin einen Moment, in dem sie ganz alleine sind. „Was wird mit uns passieren?“, fragt Borowski, auch wenn er natürlich wissen muss, dass diese Frage falsch gestellt ist. Richtig muss sie heißen: Was wollen wir, was mit uns passiert? Aber darauf hat der Beredtschweiger Borowski noch keine Antwort gefunden, während seine Kollegin diesbezüglich schon einen Schritt weiter ist. So kreisen die beiden in diesem Film umeinander, ohne sich zu erkennen. Und das gilt nicht nur für sie, sondern für beinahe alle beteiligten Figuren in dieser Geschichte: Die Polizei sucht einen Verdächtigen; der stellt eigene Nachforschungen an und ist den Ermittlern dabei oft viel näher, als sie ahnen. Als die Polizisten und der Gesuchte sich aber wirklich begegnen, ist es zu spät. Nur für Borowski nicht. Für ihn hat das Ringen um die Zukunft ja gerade erst begonnen.

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